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Ölpreis : „Um 22 Dollar wäre vernünftig“

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Paul Haseldonckx hofft auf Opec-Vernunft Bild: Veba Oil & Gas

Auf der Opec-Sitzung am Mittwoch werden die Kartellmitglieder eine Drosselung der Ölfördermenge beschließen. Die deutschen Mineralölkonzerne reagieren zurückhaltend auf die Frage, wie sich der hiesige Benzinpreis entwickeln wird.

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          Im Vorfeld der Opec-Entscheidung ist vorsichtige Zurückhaltung angesagt bei der deutschen Mineralöl-Industrie. Zu viel stehe auf dem Spiel, daher wollen die Unternehmen keine Partei ergreifen oder die Märkte mit Kommentaren beeinflussen, heißt es etwa bei der Deutschen Shell AG. Auch Paul Haseldonckx, Geschäftsführer von Veba Oil & Gas, bleibt vorsichtig, wenn es um eine Einschätzung der künftigen Öl- und Benzinpreisentwicklung geht. Im Gespräch mit FAZ.NET bezeichnet er einen Ölpreis von über 25 Dollar als negativ für die Weltwirtschaft.

          Herr Haseldonckx, wie würde sich eine Senkung der Ölfördermenge durch die Opec auf den deutschen Benzinpreis auswirken?

          Das ist eine Frage, die nur sehr schwierig zu beantworten ist, und zwar deshalb, weil der Rohölpreis in Dollar verrechnet wird. Wenn Sie über die deutschen Preise reden, spielt dort die Währung eine erhebliche Rolle. Nun haben wir in den letzten paar Monaten gesehen, dass der Euro ein Stück stärker geworden ist im Vergleich zum Dollar. Beim Benzinpreis gibt es einfach zu viele Einflussfaktoren, zu viele Stationen zwischen Rohölförderung, Verarbeitung, Währung und Steuern. Schließlich ist zu bedenken, dass die Steuern 74,4 Prozent des Benzinpreises ausmachen.
          Aber wenn man den Dollar-Ölpreis betrachtet, ist sicherlich das Ziel der Opec, den Ölpreis in einer Bandbreite zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel zu halten. Vernünftiger wäre es, wenn der Preis im unteren Bereich liegt.

          Welche Konsequenzen hätte eine Drosselung der Ölförderung auf das weltweite Wirtschaftswachstum?

          Solange die Ölfördermengenreduzierung sich in Grenzen hält, glaube ich nicht, dass ein negativer Einfluss zu befürchten ist. Sollten wir jedoch mit dem Ölpreis über 25 Dollar bleiben, hätte dass längerfristig sicher negative Konsequenzen. 16 bis 18 Dollar wären aus unserer Sicht ein Gleichgewichtspreis, bei dem es sich für die Ölgesellschaften lohnt, zu investieren und neue Förderquellen zu erschließen. Bei der Volatilität des Ölpreises muss man da natürlich immer ein paar Dollar nach oben oder unten miteinbeziehen.

          Wie beurteilen Sie die Aussichten für die Produzentenländer je nach Entscheid?

          Mit einem Gleichgewichtspreis von 16 bis 18 Dollar könnten auch die Produzenten gut leben. Neue Lagerstätten könnten weiterentwickelt werden und auch die arabischen Ölländer könnten damit vernünftig arbeiten.

          Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen steigendem Rohölpreis und den Jahresgewinnen der Ölkonzerne?

          Auch hier ist wieder die Währung sehr wichtig. Man muss immer wieder auf die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten abstellen. Jemand, der in Dollar bilanziert, profitiert natürlich direkt vom Vorteil eines hohen Ölpreises. Ein deutsches oder niederländisches Unternehmen, das in Mark, Gulden oder Euro bilanziert, ist den Währungsschwankungen deutlich unterworfen.





















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