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Ölkonzern : Argentinien verstaatlicht Repsol-Tochter YPF

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Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner rechtfertigt den Schritt mit den gestiegenen Ölimporten Bild: REUTERS

Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner leitet die Teilverstaatlichung des Ölkonzerns YPF ein. Besonders betroffen ist der spanische Hauptaktionär Repsol. Nicht nur die spanische Regierung ist empört.

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          Argentinien will die Ölgesellschaft YPF, eine Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol, mehrheitlich verstaatlichen. Bereits am Montag wurde ein Staatskontrolleur als Geschäftsführer des Unternehmens eingesetzt. Staatspräsidentin Cristina Kirchner legte einen Gesetzentwurf vor, wonach 51 Prozent des Kapitals der Repsol-Tochter in staatliches Eigentum übergehen sollen. Zu diesem Zweck soll ein entsprechend hoher Anteil der YPF-Aktien im Besitz von Repsol enteignet werden. Die Anteile der übrigen Aktionäre sollen unberührt bleiben.

          Repsol verfügte zuletzt über 57,4 Prozent des YPF-Kapitals, 25,5 Prozent liegen bei der argentinischen Petersen-Gruppe, 17,1 Prozent sind über die Börse gestreut.

          Polizei vertreibt Management

          Noch während die Präsidentin im Regierungspalast ihren Plan vorstellte, wurden Regierungsvertreter am Hauptsitz von YPF vorstellig und forderten rund 20 leitende, meist spanische Mitarbeiter der Ölgesellschaft auf, ihre Sachen zu packen und das Gebäude zu verlassen. Polizei umstellte das Haus.

          Von der Teilverstaatlichung ist insbesondere der spanische Ölkonzern Repsol YPF als Hauptaktionär betroffen
          Von der Teilverstaatlichung ist insbesondere der spanische Ölkonzern Repsol YPF als Hauptaktionär betroffen : Bild: REUTERS

          Vertreter von Repsol und der spanischen Regierung legten scharfen Protest gegen die Enteignung ein. Auch die EU Kommission kritisierte die Pläne der argentinischen Regierung scharf. Er sei über die Ankündigung Kirchners „sehr enttäuscht“, sagte der Präsident der Kommission, José Manuel Barroso, am Dienstag in Brüssel. Ein solcher Schritt könne das Vertrauen der Investoren in das Land schwer beschädigen. Das betreffe nicht nur spanische Unternehmen, sondern alle europäischen Investoren in Argentinien, sagte eine Sprecherin. Die EU-Kommission sagte ein für diese Woche geplantes Arbeitstreffen der EU mit Argentinien ab. Über weitere Schritte werde entschieden.

          Kirchner gibt Management Schuld an Energiedefizit

          Kirchner begründete die Enteignung mit dem Verlust der Selbstversorgung Argentiniens mit Erdöl und -gas, für den Repsol-YPF als lokaler Marktführer die Hauptverantwortung trage. Argentiniens Außenhandel mit Energieträgern rutschte 2011 zum ersten Mal seit 17 Jahren ins Defizit und verschärfte zusammen mit einer hohen Kapitalflucht die Devisenknappheit im Land. YPF habe in 13 Jahren unter Repsol-Kontrolle 80 Prozent ihrer Gewinne als Dividenden ausgeschüttet und zu wenig in die Erforschung neuer Lagerstätten und die Erweiterung der Produktion investiert, sagte Kirchner. „Eine Fortsetzung dieser Politik der Ausplünderung wäre für unser Land nicht tragbar“. Schuld an der Energiemisere sei nicht ein Mangel an Reserven, sondern eine Unternehmenspolitik, die den Interessen des Landes zuwiderlaufe, sagte Kirchner. Argentinien verfüge nach den Vereinigten Staaten und China über die weltgrößten Reserven an Schiefergas, betonte die Staatspräsidentin.

          Energiefachleute und Ökonomen halten der Regierung freilich vor, mit der Enteignung verschrecke sie gerade die Investoren, die als Technologiepartner und für die Finanzierung des auf 25 Milliarden Dollar jährlich geschätzten Investitionsbedarfs zur Förderung des Schiefergases dringend benötigt würden. Schuld am Energiedefizit trage auch die Politik: Mit einer starken Subventionierung des Energieverbrauchs und der gleichzeitigen Verfügung von Preisobergrenzen für Energieerzeuger habe die Regierung dazu beigetragen, dass sich die Schere zwischen dem Verbrauch und der Produktion von Energie in den letzten Jahren immer weiter geöffnet habe. „Um das Defizit auszugleichen, muss man die Regeln auf dem Energiemarkt verbessern“, erklärte der Energieökonom Daniel Montamat.

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