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Ölhandel : Iran akzeptiert Renminbi für Öllieferungen an China

Renminbi-Banknoten in einer chinesischen Bank Bild: AP

Der Iran wird vom Westen boykottiert. Die Chinesen nutzen die Chance, mehr Öl aus dem persischen Land zu beziehen. Und sie bekommen es zu besseren Konditionen.

          China und Iran rücken wirtschaftlich enger zusammen. Die beiden Länder wollen Teile ihres Handels künftig in der chinesischen Währung Renminbi (Yuan) abrechnen, statt in Dollar. Die iranische Regierung bestätigte, dass sie zur Begleichung ihrer Öllieferungen auch den Renminbi annehmen will. „Ja, das stimmt“, sagte Mohammed Reza Fayyaz, der iranische Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), gegenüber Reuters. Im Gegenzug bezahle sein Land künftig Waren und Dienstleistungen aus China in Renminbi.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das Geschäft, das angeblich über russische Banken abgewickelt wird, ist ungewöhnlich, weil im Ölmarkt normalerweise mit dem amerikanische Dollar bezahlt wird. Iran ist wegen des Atomstreits mit dem Westen aber erheblich unter Druck: Die Vereinigten Staaten sowie die Europäische Union haben Sanktionen gegen den zweitgrößten Anbieter in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) verhängt. Dies beinhaltet Finanztransaktionen sowie die Lieferung von Rohöl. Asiatische Länder wie China und Indien, aber auch die Türkei beziehen allerdings weiter iranisches Öl.

          China will unabhängiger vom Dollar sein

          Die Regierung in Peking hat Sanktionen gegen Teheran stets abgelehnt, da der Konflikt diplomatisch gelöst werden müsse. China ist auf Ölimporte angewiesen. Die Rohölimporte stiegen 2011 um 6 Prozent auf 254 Millionen Tonnen. Mehr als ein Zehntel davon, 28 Millionen Tonnen, stammen aus dem Iran. Die Bezüge sind 2011 um 30 Prozent gewachsen, sodass der Iran jetzt das drittwichtigste Lieferland für China ist.

          Chinas Führung sieht in dem Kaufboykott des Westens die Chance, mehr Öl zu besseren Konditionen zu beziehen. Auch währungspolitisch passt der Vertrag ins Bild. Denn China will den Renminbi internationalisieren, um unabhängiger vom Dollar zu werden, die Wechselkursrisiken seiner Unternehmen zu verringern und seine Devisenbestände langsamer wachsen zu lassen.

          Bisher werden kaum ein Prozent der Weltdevisengeschäfte in Renminbi abgewickelt, auf den Dollar entfallen mehr als 80 Prozent. Das tägliche internationale Handelsvolumen in Renminbi beträgt umgerechnet rund 2,7 Milliarden Dollar. Der Renminbi ist nicht frei handelbar (konvertibel). Wegen strenger Kapitalverkehrskontrollen kann er gar nicht oder nur eingeschränkt grenzüberschreitend benutzt werden. Chinas Zentralbank legt Höchstgrenzen für den Umtausch fest und bestimmt weitgehend den Außenwert und das Zinsniveau. Doch seit der internationalen Finanzkrise sind einige dieser Beschränkungen gelockert worden.

          Der Versuch, Außenhandelsgeschäfte in Renminbi zu begleichen, wurde 2011 auf ganz China ausgedehnt. Der wichtigste Standort für die „Offshore-Geschäfte“ ist Hongkong. 2011 besorgten sich Unternehmen über Renminbi-Anleihen dort umgerechnet fast 14 Milliarden Dollar. Derweil vereinbart China mit immer mehr Ländern den Einsatz des Renminbi, zuletzt mit Japan, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika. Im Januar hatten sich auch die VAE bereiterklärt, einen Teil des Handels mit China in Renminbi abzuwickeln. Die Emirate gehören aber nicht zu den größten Erdölpartnern von China. Auch Indien hat in Landeswährung iranisches Öl bezahlt.

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