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Drei Milliarden Euro Zuschuss : Ökostrom-Umlage sinkt auf 3,7 Cent pro Kilowattstunde

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Die EEG-Umlage, mit der die Deutschen die Energiewende bezahlen, vermindert sich nächstes Jahr merklich. Bild: dapd

Mit dem Aufschlag auf den Strompreis wird die Förderung von Wind- oder Solaranlagen bezahlt. Nach Angaben von Regierungs- und Branchenvertretern kann sie nun endlich vermindert werden.

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          Der Aufschlag auf den Strompreis zur Förderung des Ökostroms wird sich für die Verbraucher im nächsten Jahr deutlich reduzieren. Die Umlage werde 2022 auf gut 3,7 Cent pro Kilowattstunde von derzeit 6,5 Cent sinken, sagten Regierungs- und Branchen-Vertreter am Donnerstag Agenturberichten zufolge. Möglich mache die Senkung auch ein Bundes-Zuschuss von gut drei Milliarden Euro. Ohne den Milliardenzuschuss läge die Umlage 2022 bei rund 4,66 Cent. 2021 beträgt die Umlage 6,5 Cent – aber auch dies nur aufgrund von Bundeszuschüssen. Ansonsten wäre sie stark gestiegen.

          Die Betreiber der großen Stromnetze wollen die Höhe der EEG-Umlage für das kommende Jahr an diesem Freitag bekanntgeben. Sie ist allerdings nur ein Bestandteil des Strompreises. In der Branche wird damit gerechnet, dass eine sinkende EEG-Umlage die Strompreise insgesamt stabilisiert. Auf der anderen Seite nämlich sind Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom zahlen müssen, deutlich gestiegen.

          Infolge der Pandemie und der sich stark verlangsamenden Wirtschaftsentwicklung waren die Strompreise an den Börsen zunächst stark gefallen. Da die EEG-Umlage die Differenz zwischen den garantierten, höheren Abnahmepreisen für Solar- und Windparks und den Tarifen an der Börse ausgleicht, drohte sie auf fast zehn Cent zu steigen. Die Regierung sagte daher insgesamt elf Milliarden Euro zu, damit die Umlage nicht zu stark steigt.

          160 Euro weniger für einen Musterhaushalt

          Nun hat sich die Lage umgekehrt: Da die Strompreise derzeit an den Börsen auf Rekordhoch sind, ist die auszugleichende Differenz klein. Dies allein hätte bereits zu einer Senkung der Umlage auf 4,3 Cent im kommenden Jahr geführt. Da außerdem der Bund Regierungskreisen zufolge weitere 3,25 Milliarden Euro zuschießt, wird die Umlage 2022 nun auf etwas oberhalb von 3,7 Cent gedrückt.

          Nach einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende haben die hohen Gas-, Kohle- und CO2-Preise zu einem stark gestiegenen Börsenstrompreis geführt. Damit werde weitaus weniger Geld vom EEG-Konto gebraucht, um besagte Differenzkosten der erneuerbaren Energieträger auszugleichen. Dazu komme, dass die EEG-Anlagen der frühen Jahre, die noch vergleichsweise hohe Vergütungen erhalten hätten, seit diesem Jahr nach und nach das Ende ihrer 20-jährigen Förderdauer erreichten: „Der Kostenrucksack des EEG wird damit immer kleiner.“

          Was das für die Endverbraucher bedeute, rechnen die Fachleute von Check 24 vor. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 kWh vermindere sich die Stromrechnung jährlich um ungefähr 167 Euro. Ein Single mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh zahle rund 50 Euro weniger. „Die Senkung der EEG-Umlage ist eine gute Nachricht für Verbraucher, denn der Strompreis liegt derzeit auf einem absoluten Rekordniveau“, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. „Trotzdem zahlt eine Familie im nächsten Jahr immer noch 220 Euro für die Ökostrom-Umlage. Eine weitere, substantielle Ersparnis ist derzeit nur durch einen Wechsel des Stromanbieters möglich.“

          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will sich angesichts der hohen Energiepreise dann ebenfalls äußern. Eine Stellungnahme zu den Angaben vom Donnerstag lehnte das Ministerium ab.

          Der Strompreis und die Umlage sind zudem wichtiges Thema für die Verhandlungen von SPD, Grünen und FDP. Für die Akzeptanz des Klimaschutzes sind bezahlbare Energiepreise wichtig. Die SPD hat sich die komplette Abschaffung der EEG-Umlage auf die Fahnen geschrieben. Auch die FDP strebt das an, die Grünen wollen sie zumindest weiter senken. Finanziert werden soll dies unter anderem durch die CO2-Abgabe auf Sprit, Gas und Heizöl, die diese fossilen Brennstoffe weiter verteuert. Da der Energieverbrauch Deutschlands künftig wesentlich durch Wind- und Solarstrom gedeckt werden soll, gelten günstige Preise als zentral, um den Ausbau schneller voranzubringen.

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