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Ökostrom : Stromnetz in der Nordsee soll ausgebaut werden

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Netzanbindung ist entscheidend: Windräder in der Nordsee Bild: AP

Ein neues Stromnetz in der Nordsee soll die wachsende Zahl von Windkraftanlagen verbinden und Deutschland besser an die zahlreichen Wasserkraftwerke in Skandinavien anbinden. Wirtschaftsminister Brüderle hofft auf konkrete Vereinbarungen zum Jahresende.

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          Ein neues Stromnetz in der Nordsee soll die wachsende Zahl von Windkraftanlagen verbinden und unter anderem Deutschland besser an die zahlreichen Wasserkraftwerke in Skandinavien anbinden. Konkrete Vereinbarungen darüber könnten Ende des Jahres getroffen werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag.

          Für Mitte Februar sind Vertreter der beteiligten Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen zu einem Arbeitstreffen geladen. Dort soll ein „strategischer Arbeitsplan“ für die „Nordsee-Offshore-Initiative“ beraten werden. Daran beteiligen sich Irland, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Dänemark und der Ostsee-Anrainer Schweden. In einer im Dezember verabschiedeten Erklärung werden drei Gründe für die Netzplanungen genannt: Stärkung der Versorgungssicherheit, ein höherer Wettbewerb auf dem Binnenmarkt sowie die Integration erneuerbarer Energien. Staatssekretär Jochen Homann nannte es verfrüht, über die Kosten zu spekulieren.

          Grundlegende Umgestaltung und Modernisierung

          Das Vorhaben ist innerhalb kurzer Zeit das zweite europäische Megaprojekt im Strommarkt. Gerade haben Konzerne Vorplanungen für den Bau von Solarkraftwerken in der Sahara und ein neues Leitungsnetz zum Stromtransport nach Europa unter dem Namen Desertec aufgenommen. Hintergrund der Nordsee-Aktivitäten ist der geplante Ausbau von Windkraftanlagen auf hoher See, wie in Deutschland, oder von Windrädern in Flussmündungen und Küstengewässern wie in Irland, Großbritannien oder Dänemark. Gerade die Einspeisung von Windstrom droht allerdings die Netze zu überfordern. Teilweise wird der Strom bei starkem Wind in so großer Menge angeboten, dass er verschenkt wird. Um das zu verhindern, sollen skandinavische Pumpspeicherkraftwerke in windstarken Zeiten Strom abnehmen und Wasser in Speicher pumpen, das in windschwachen Zeiten wieder Turbinen antreiben und Strom produzieren kann. Teurer Öko-Strom würde wettbewerbsfähiger.

          Stromkabel wie diese sollen bei dem geplanten Nordsee-Offshore-Projekt zum Einsatz kommen

          Für Deutschland als Land, das ambitionierte Ausbaupläne für Windkraft vor der Küste habe, sei die Initiative sehr bedeutend, sagte Brüderle. Netzanbindung und -integration seien entscheidend, „damit die Windenergie zu den Verbrauchern gelangt und die Offshore-Stromerzeugung zu einem Erfolg wird“. Es gehe um eine grundlegende Umgestaltung und Modernisierung der Stromnetze und Energiesysteme. Ziel sei ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz. Dies müsse mit neuesten Technologien „und auf wirtschaftliche Weise“ erfolgen. Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, sagte, man werde sehen „ob das federführende Wirtschaftsministerium erstmalig seine Kräfte für den Ausbau von Erneuerbaren Energien voll einsetzen wird.“ Sie warf zugleich den Energiekonzernen vor, den Ausbau von Windparks auf dem Meer stark zu bremsen.

          Löwenanteil wird an Land erzeugt

          Allerdings gehören Konzern wie Eon und RWE zu den mit Abstand größten Investoren in Windkraft in Nord- und Ostsee. Ihre Netzgesellschaften Amprion (RWE) und Transpower (von Eon noch nicht rechtskräftig an die niederländische Tennet verkauft) seien durch das aus fünf Staaten bestehende „Pentalaterale Energieforum“ in die Debatte eingebunden worden, hieß es. Eon will an 15 Standorten, angefangen im Südosten Schwedens über Deutschland und Dänemark bis zu den Westküsten Großbritanniens, Windfarmen mit einer Kapazität von mehr als 3000 Megawatt errichten. „Da sind wir als Windparkbetreiber mit einer der größten Projektpipelines natürlich daran interessiert, unseren Windstrom möglichst effizient in die europäischen Netze zu speisen“, erklärte ein Sprecher. Bei RWE ist von Windparks mit 7000 Megawatt Kapazität die Rede. „Ein transnationales Offshore-Netz kann einer der Schlüssel für die erfolgreiche Einbindung der erzeugten Offshore-Strommengen in das europäische Verbundsystem sein“, sagte ein Sprecher. Dafür benötige man eine Lösung auf europäischer Ebene. Auch Vattenfall, EnBW und kleinere deutsche Stromerzeuger sind auf dem Sektor aktiv.

          Der Bundesverband Windenergie nannte es vernünftig, die mitteleuropäische Windkraft mit der skandinavischen Wasserkraft zu vernetzen. Allerdings werde bis auf weiteres der Löwenanteil der Windenergie an Land erzeugt. „Deswegen sind auch hier massive Anstrengungen beim Ausbau der Netze notwendig“, sagte ein Sprecher. Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, formulierte zurückhaltend: „Ich denke, wir stehen noch ganz am Anfang der Diskussion.“

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