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Ökostrom : Schlechtes Wetter bremst Anstieg der EEG-Umlage

Windräder in Niedersachsen Bild: dpa

Der Anstieg der EEG-Umlage wird wohl niedriger ausfallen als zuletzt erwartet. Teurer wird es dennoch: Bislang zahlen Verbraucher 5,3 Cent je Kilowattstunde für die Förderung für Ökostrom - bald könnten es bis zu 6,3 Cent sein.

          Der Anstieg der EEG-Umlage wird wohl niedriger ausfallen als zuletzt erwartet. In Fachkreisen wird die von den Stromkunden zu zahlende Ökostrom-Umlage für 2014 in einer Spanne von 6,0 bis 6,3 Cent je Kilowattstunde geschätzt. Derzeit beträgt sie 5,27 Cent, womit eine Steigerung von bis zu 19 Prozent möglich ist. Der Umlagebetrag könnte von 20,4 Milliarden Euro in diesem auf bis zu 24 Milliarden Euro im nächsten Jahr wachsen. Die Netzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz müssen die neue Umlagehöhe am 15. Oktober bekanntgeben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die aktuellen Prognosen stehen auf vergleichbar solidem Grund, denn seit Montag sind die Kosten für die Ökostromförderung bis September bekannt. Demnach ist in den ersten 9 Monaten des Jahres ein Minus von 2,2 Milliarden Euro aufgelaufen. Überraschend ist das Defizit damit gegenüber dem August um knapp 100 Millionen Euro gesunken, im September 2012 war das Defizit um 1 Milliarde Euro gestiegen. Tatsächlich beliefen sich die Einnahmen aus der Umlage und dem Verkauf des Ökostroms an der Börse im September auf 1,96 Milliarden Euro, die Ausgaben schlugen mit 1,87 Milliarden Euro zu Buche. Damit wurden in den ersten neun Monaten 16 Milliarden Euro an Ökostromerzeuger gezahlt und 16,5 Milliarden Euro eingenommen. Allerdings muss noch das Minus von 2,6 Milliarden Euro aus dem Vorjahr abgezahlt werden.

          Grauer Sommermonat für Besitzer von Solaranlagen

          Grund für die unerwartete Entwicklung der vergangenen Wochen waren die geringeren Auszahlungen an die Betreiber vor allem von Solar-, Wind- und Biogasanlagen. Sie waren damit so niedrig wie seit März nicht mehr, verglichen mit dem Vorjahresmonat wurden 500 Millionen Euro weniger an die Anlagenbetreiber ausgezahlt. Tatsächlich war die Witterung im September gerade für die Besitzer von Solaranlagen, die vergleichsweise üppige Förderung kassieren, nicht optimal. Mit unterdurchschnittlichen 83 Prozent Sonnenschein sei es im letzten Sommermonat „etwas grauer als sonst üblich“ gewesen, bestätigt der Deutsche Wetterdienst in Offenbach.

          Auf die Höhe der Umlage für das Jahr 2014 wirkt sich das positiv aus. Denn das Defizit, das die Verbraucher im nächsten Jahr samt Zinsen abzuzahlen haben, ist kleiner als erwartet. Erheblicher Nachholbedarf besteht dagegen bei der Einschätzung der Preise, zu denen der Ökostrom an der Börse verkauft werden kann. Im vorigen Oktober hatte man für dieses Jahr einen durchschnittlichen Erlös von 5,1 Cent die Kilowattstunde kalkuliert, tatsächlich dürften es nur 4 Cent geworden sein. Das muss in der neuen Berechnung berücksichtigt werden und wird der Umlage weiteren Schub geben. Ironischerweise senkt gerade der teils im Überfluss produzierte Ökostrom den Börsenpreis, lässt aber damit die Umlage steigen. Denn sie gleicht die Differenz zwischen dem für zwanzig Jahre garantierten Festpreis der Ökostromerzeuger und dem Verkaufserlös an der Strombörse aus.

          Am wenigsten heizt der weitere Ausbau der Ökostromanlagen die Kosten an. Der Zubau von Photovoltaikanlagen und Windrädern blieb unter den Erwartungen, zudem sind die garantieren Einspeisevergütungen für Neuanlagen inzwischen stark reduziert worden. Das gilt allerdings nicht für die großen Windparks auf See. Sie werden von 2014 an mit einer Stromeinspeisung von bis zu 4500 Stunden im Jahr erstmals tiefe Spuren im Fördersystem hinterlassen.

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