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Panel von Ifo und F.A.Z. : Haltung der Ökonomen zur Corona-Politik kippt

Volkspark in Berlin-Friedrichshain: Viele Ökonomen plädieren für einen Stufenplan für Lockerungen. Bild: EPA

Deutsche Volkswirte fordern mehrheitlich einen klaren Stufenplan für Öffnungen – und beurteilen die Impfstoffpolitik kritisch. Das zeigt das neue Ökonomenpanel vom Ifo-Institut und der F.A.Z.

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          Unter Ökonomen ist die Zufriedenheit mit der deutschen Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise geschwunden. War die Zustimmung zu den Hilfspaketen im ersten Lockdown noch groß, überwiegt mittlerweile die Kritik. Das ist das Ergebnis des neuesten Ifo-Ökonomenpanels, einer regelmäßigen Umfrage vom Münchener Ifo-Institut und der F.A.Z. unter Professoren an deutschsprachigen Universitäten. 177 Volkswirte haben diesmal mitgemacht.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Eher zufrieden“ mit der aktuellen Wirtschaftspolitik sind demnach nur noch 20 Prozent, „sehr zufrieden“ gar nur 2 Prozent. „Eher unzufrieden“ kreuzten dagegen 27 Prozent an und „sehr unzufrieden“ weitere 20 Prozent. Mit „teils-teils“ antworteten 30 Prozent. Kritisiert wird unter anderem die Sprunghaftigkeit bei den Corona-Auflagen und die Komplexität der Hilfen. „Es wird Zeit, dass die von der Krise besonders stark betroffenen Selbständigen unbürokratisch bessere Hilfen erhalten“, schreibt Alexander Kritikos vom Berliner DIW im Kommentarfeld.

          Sofortige und umfangreiche Lockerungen lehnt eine deutliche Mehrheit der Panelteilnehmer jedoch ab; nur je 11 Prozent bewerten dies als „sehr positiv“ oder „eher positiv“. Auch für weitreichende Lockerungen bei einer Inzidenz von weniger als 35 findet sich nur eine knappe relative Mehrheit – selbst wenn diese einzig dem Einzelhandel gälten. Das Stimmungsbild ist gemischt bei der Frage, ob ein schnelles Lockdown-Ende Insolvenzen reduzierte.

          Diskretionär, kleinteilig, national 

          Größten Zuspruch erhalten verbindliche, Inzidenz-orientierte Stufenpläne. Dazu sagen 22 Prozent „sehr positiv“ und 33 Prozent „eher positiv“. Lockerungen erst dann, wenn die Gesundheitsämter Neuinfektionen verlässlich und schnell nachverfolgen können, bewerten 18 Prozent als „sehr positiv“ und 34 Prozent als „eher positiv“. Bei allen Antwortmöglichkeiten wurde unterstellt, dass der Ankündigung, deutlich mehr zu testen, auch Taten folgen. Das begrüßt eine absolute Mehrheit der Panelteilnehmer.

          „Eine verfrühte Lockerung des Lockdowns ist verantwortungslos und kurzsichtig“, findet Lorenz Götte aus Bonn. „Wir müssen die Kontrolle wieder erlangen. Nur so kann es einen wirtschaftsfreundlichen, gesunden und hoffnungsvollen Frühling geben“, sagt Nora Szech aus Karlsruhe. „Bei aller Wichtigkeit der kontaktbeschränkenden Maßnahmen fehlt eine längerfristige Öffnungsstrategie, die den Menschen eine Perspektive bietet und so das Durchhalten erleichtert“, betont dagegen Matthias Neuenkirch aus Trier.

          „Die diskretionäre, kleinteilige und national ausgerichtete Pandemiepolitik sollte möglichst rasch durch regelbasierte (inzidenzabhängige) Bestimmungen, auf möglichst europäischer oder internationaler Ebene, ersetzt werden“, meint auch Marco Sahm aus Bamberg. „Schweden beweist Tag für Tag, dass man mit dem Coronavirus einschließlich aller Mutationen auch ohne Lockdown gut fertig wird“, sagt Stefan Homburg aus Hannover.

          „Kritikwürdig ist weniger der aktuelle Lockdown, der unter den gegebenen Bedingungen nötig ist, als die Tatsache, dass die Bundesregierung im vergangenen Sommer keinerlei vorausschauende Strategie entwickelt hat, die einen zweiten langen Lockdown hätte verhindern können“, findet Jan Schnellenbach aus Cottbus-Senftenberg.

          Auf Ablehnung stößt die Vergemeinschaftung von Patenten

          Höchst kritisch wird die Impfstoffpolitik beurteilt. „Es müssen dringend Anreize für eine Ausweitung der Kapazität in der Impfstoffherstellung geschaffen werden“, fordert Lena Dräger aus Hannover. „Wirtschaftspolitik okay, Gesundheitspolitik (Impfstoff, Teststrategie) ein Desaster“, sagt Ifo-Ökonom Andreas Peichl.

          „Die Impfstoffbeschaffung Deutschlands hätte nie an die Europäische Kommission delegiert und so stümperhaft organisiert werden dürfen“, kritisiert Volker Nocke aus Mannheim. Die Kosten für Impfstoffe seien „lächerlich gering“ im Vergleich zu deren Nutzen. Rätseln lässt Nocke zudem, warum in Deutschland nicht mehr Ressourcen darauf verwendet werden, die knappen Impfdosen auch wirklich alle schnell zu verimpfen; es sei wenig sinnvoll, so viele Impfdosen für eine Zweitimpfung zurückzuhalten, wo doch kontinuierlicher Nachschub absehbar ist.

          Prämien an Hersteller für zusätzlichen, schneller gelieferten Impfstoff finden 45 Prozent der Ökonomen „sehr positiv“ und 21 Prozent „eher positiv“, je ein Siebtel beurteilt dies neutral oder negativ. Auf Ablehnung stößt die Vergemeinschaftung von Patenten in Verbindung mit Kompensationszahlungen an Patentinhaber. Mehr als die Hälfte der Ökonomen sieht dies negativ und nur ein knappes Viertel positiv.

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