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Corona-Krise : Ökonomen: Schulen und Kitas müssen für alle geöffnet werden

Der neue Schulalltag: Unterricht in einer vierten Klasse in Hamburg. Bild: dpa

Wie kann Unterricht in Zeiten der Covid-19-Pandemie aussehen? Für 90 Ökonomen aus der Bildungsforschung ist klar: Schulen und Kitas müssen für alle Kinder und Jugendlichen wieder geöffnet werden.

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          Die Politik muss besser kommunizieren, wie es mit der Bildung in den Schulen und Kitas weitergeht. Das fordern mehr als neunzig Ökonomen aus der Bildungsforschung in einem gemeinsamen Papier. Es ist vor den Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch erschienen, in denen es auch um weitere Lockerungen im Bildungsbereich gehen dürfte. Die derzeit herrschende Unklarheit führe zu großer Verunsicherung unter Lehrern, Eltern und Schülern und müsse beseitigt werden, schreiben die Forscher. Von der Politik verlangen sie, Inhalte und Abfolgen von Maßnahmen in verschiedenen Szenarien der Pandemie – von pessimistisch bis optimistisch – darzulegen.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Für die Unterzeichner des Appells ist klar: Schulen und Kitas müssen für alle Kinder und Jugendlichen wieder geöffnet werden, freilich unter der Maßgabe des „social distancing“, also der Abstandsregeln. Das gehe nur in einer Kombination aus schulischem Präsenzunterricht und strukturiertem Fernunterricht. „Der Präsenzunterricht sollte als Kleingruppenunterricht organisiert werden“, heißt es in dem Papier. Denkbar sei auch ein „Schichtunterricht“ zu unterschiedlichen Tageszeiten. In der Schule gehe es um gemeinsames, interaktives Lernen, im Distanzunterricht um Vertiefung. Denkbar sei, sich auf die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch zu konzentrieren.

          Schwieriger ist das Abstandhalten in den unteren Klassenstufen und Kitas. Nach Auffassung der Ökonomen sollte Kindern der Kita-Besuch mindestens an einigen Tagen halbtags ermöglicht werden. „Dies muss in Kleingruppen geschehen, in denen Infektionsketten gegebenenfalls verfolgt werden können.“ Zudem sollten Freiluftformate einbezogen werden. Familien mit betreuungspflichtigen Kindern bis zu einem Alter von etwa zwölf Jahren sollten explizit ermutigt werden, sich Betreuungs- und Bildungsaufgaben zu teilen. Zum Beispiel könnten sich bis zu vier Familien zusammenschließen und sich abwechseln oder eine Fachkraft engagieren.

          Warnung vor den Folgen der Schulschließungen

          Es sei nun sehr wichtig, den Fernunterricht weiterzuentwickeln, stellen die Forscher fest. Nach ihrer Ansicht muss die Politik die Schulen anweisen, diese neue Form des Unterrichtens für alle Schüler sicherzustellen. Und die Schüler müssten verpflichtet werden, zurückzumelden, wenn sie zuhause Aufgaben erledigt haben. Aufgabe der Schulämter sei es, schnellstmöglich Lehrerfortbildungen zum digitalen Unterrichten zu organisieren. Unerlässlich sei ein regelmäßiger persönlicher Kontakt zwischen Lehrern und Schülern per Videokonferenz oder zumindest Telefon. „Gegebenenfalls fehlende Endgeräte müssen kurzfristig bereitgestellt werden.“ Sollte Distanzlernen dennoch nicht möglich sein, müssten betroffene Schüler in eine Notbeschulung aufgenommen werden. Für Kinder aus armen Familien fordern die Forscher zudem eine „aufholende Zusatzförderung“, zum Beispiel Förderprogramme in den Schul- und Kita-Ferien.

          Sie warnen eindringlich vor den gravierenden Folgen der Schulschließungen. Es werde nicht nur nichts Neues gelernt, sondern schon erworbene Kompetenzen gingen nach und nach verloren. Die Wahrscheinlichkeit von Schulabbrüchen steige, Abschlussquoten könnten sinken. Auf längeren Sicht erhöhe sich das Risiko, arbeitslos zu werden.

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