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Trumps Vorgehen gegen China : „Eine schrecklich lächerliche Strategie“

Nachgeben ist nicht seine Sache. Bild: AFP

Der amerikanische Ökonom Richard Baldwin hat einst George Bush Senior beraten. Im Interview erklärt er, warum die Eskalation des Handelskriegs weder Trump noch seinen Wählern nützt und es schon schon bald eine überraschende Wendung geben könnte.

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          Herr Baldwin, bis vor kurzem rechneten wir mit einem Handelsabkommen zwischen China und den Vereinigten Staaten, seit vergangenem Sonntag haben wir eine Eskalation. Für Sie überraschend?

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ja, das würde ich schon sagen. Soweit ich es beurteilen kann, hatten sich die Chinesen und Amerikaner größtenteils auf einen Entwurf verständigt. Dann aber haben sich die Chinesen offenbar von Zusagen verabschiedet, was ich nicht erwartet hätte. Vermutlich dürften sie die positiven Tweets von Präsident Trump falsch gedeutet und geglaubt haben, dass sie den Amerikanern weniger anzubieten brauchen.

          Wie geht es jetzt weiter?

          Ich denke, es wird eine schnelle Reaktion mit Zöllen seitens der Chinesen geben, wenn auch nicht eins zu eins. Vermutlich werden sich der chinesische Staatspräsident Xi und Trump in ein paar Wochen treffen und in Gesprächen einen neuen Anlauf starten – schließlich ist es in keinerlei Interesse, Handelsbarrieren hoch zu halten. Dennoch besteht die Möglichkeit einer überraschenden Wendung. Das betrifft die Art und Weise, wie Trump die neuen Zölle verhängt hat. In der Vergangenheit sind Einfuhrzölle immer sofort in Kraft getreten, diesmal ist es anders: Die Zölle gelten auf Waren, die China nach Mitternacht von Donnerstag auf Freitag verlassen haben. Mit der Transportzeit auf Containerschiffen treten die Zölle damit faktisch erst in ein bis zwei Wochen in Kraft. Das öffnet ein Verhandlungsfenster und könnte den Chinesen Zeit geben, ihrerseits mit der Verhängung von Zöllen abzuwarten. 

          Zu welchem Begriff raten sie, können wir schon von einem „Handelskrieg“ sprechen?

          Es ist eher eine von amerikanischer Seite verursachte Unruhe oder ein einseitiger Krieg. Die ganze Welt liberalisiert mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Wir erleben also keinen Handelskrieg wie in der Vergangenheit, etwa in den 1890er Jahren.

          Ist die amerikanische Eskalationsstrategie von Erfolg gekrönt, kurz- und/oder langfristig?

          Nein, es ist eine schrecklich lächerliche Strategie. Trump hat einen Konflikt mit allen Seiten angezettelt, nicht nur mit China, und er agiert absolut unkoordiniert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Anfang der 1990er Jahre unter Präsident George Bush Senior im Weißen Haus saß und es einen Streit mit Japan gab. Damals hat die amerikanische Seite versucht, andere auf ihre Seite gegen die Japaner zu ziehen. Trump hätte zusammen mit asiatischen Ländern und der EU Druck auf China ausüben können, hat es aber nicht getan. Zudem leben wir heute in einer Welt von Lieferketten: Der von Trump betriebene Handelskrieg bringt die amerikanische Wirtschaft in eine ungünstige Position, da Produkte heute viel leichter zu ersetzen sind.

          Richard Baldwin

          Aber ist die Strategie politisch mit Blick auf Trumps Wähler nicht durchaus vernünftig?

          Nein. Landwirte etwa leiden darunter, und die meisten Amerikaner werden höhere Preise zahlen, etwa für Elektronikprodukte. Das ist nicht gut für Trump.

          Was bedeutet die Eskalation für Europa?

          Es gibt Auswirkungen, etwa für deutsche Autohersteller, die mitunter in Amerika fertigt und von dort aus nach China exportiert. Im Großen und Ganzen sind die Auswirkungen aber moderat und quasi vernachlässigbar. Politiker in Europa sollten, wenn überhaupt, beschwichtigend agieren. Das schlechteste wäre in der derzeitigen Situation, Amerika oder China herauszufordern.

          Kommen Globalisierung und Freihandel nun zum Erliegen?

          Nein, die Situation ist irgendwie komisch: Es gibt Zoff wegen einer Person, Trump. Der Rest der Welt schreitet voran mit der Liberalisierung. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt also keinen Paradigmenwechsel erkennen.

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