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Ökonom im FAZ.NET-Gespräch : „Die Demokraten werden Trump nicht von Autozöllen abhalten“

Timo Wollmershäuser ist Wirtschaftsprofessor und leitet die Konjunkturforschung des Ifo-Instituts in München. Bild: dpa

Wie geht’s der deutschen Wirtschaft? Muss sich Deutschland zwischen Amerika und China entscheiden? Ein FAZ.NET-Gespräch mit Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser.

          Herr Wollmershäuser, am Montag hat Ihr Institut mitgeteilt, dass sich das Wirtschaftsklima in der Eurozone eingetrübt hat. Am Dienstagmorgen überrascht uns die deutsche Industrie mit einem Auftragsplus. Am Dienstagnachmittag meldet FAZ.NET exklusiv, dass auch die Wirtschaftsweisen davon ausgehen, dass die Konjunktur schwächelt. Was stimmt denn nun?

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Auftragsplus war durch Großaufträge getrieben, die konjunkturelle Trends oft überlagern. Wenn man die Großaufträge rausnimmt, ist der Auftragseingang im September gesunken und setzt damit seinen seit Jahresbeginn anhaltenden Abwärtstrend fort, der sowohl von den Inlands- als auch von den Auslandsaufträgen kommt. Das passt sehr gut zu unserem Ifo-Wirtschaftsklima im Euroraum, das seit Anfang des Jahres drei Mal in Folge gesunken ist. Insgesamt also verlangsamt sich unsere Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2018 und wird wohl nicht mehr an die starken Raten des Vorjahres herankommen.

          Wie stark trifft der Handelsstreit, den Donald Trump mit China und Europa losgetreten hat, die deutschen Unternehmen mittlerweile?

          Die verschieden Krisenherde um Deutschland herum – Trump, Brexit, Italien – haben nicht nur die Stimmung der Unternehmen in Deutschland und in den wichtigen europäischen Handelspartnerländern sinken lassen, sondern auch deren Unsicherheit über den Ausblick auf die kommenden Monate stark erhöht. Das dürfte mitverantwortlich für die Verlangsamung der Konjunktur in Deutschland und Europa sein. Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass insbesondere die Unternehmen in Deutschland, die Geschäfte in den Vereinigten Staaten machen, den Rückgang beim Ifo-Geschäftsklima seit Jahresanfang maßgeblich getrieben haben. Allerdings waren es auch diese Unternehmen, die im Jahr zuvor zu dessen Höhenflug beigetragen haben.

          Wenn Trump mit seinen Republikanern die Kongresswahlen gewinnt, bekommen wir dann doch Autozölle?

          Eine demokratische Mehrheit im Kongress wird Trump nicht daran hindern, Autozölle zu erheben, wenn er das will. Die Demokraten sind keineswegs weniger protektionistisch orientiert als die Republikaner. Insofern dürfte dieses Konjunkturrisiko weiter bestehen bleiben.

          Wie soll sich Deutschland eigentlich im Streit zwischen Amerika und China verhalten? Was machen wir, wenn Trump uns zwingt, uns für eine Seite zu entscheiden?

          Die europäische Handelspolitik liegt in der Zuständigkeit der EU. Bislang ist Trump nicht so weit gegangen, auch von der EU Strafzölle gegen China zu verlangen. Das würde seinen Zielen, die chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten einzudämmen, auch zuwiderlaufen.

          Angela Merkel hat kürzlich ihren Rücktritt als CDU-Vorsitzende angekündigt. Ist Friedrich Merz aus Wirtschaftssicht der beste Nachfolger?

          Im internationalen Vergleich ist die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland hoch. Während die aktuelle Regierung beschlossen hat, zumindest bei den privaten Haushalten keinen weiteren Anstieg zuzulassen, ist das Thema Unternehmensbesteuerung im Koalitionsvertrag weitgehend unberücksichtigt geblieben. Die zukünftige Wirtschaftspolitik muss aber auf die teils massiven Steuersenkungen in anderen Ländern reagieren, da dadurch der Standort Deutschland für sich genommen an Attraktivität verliert. Zumindest wollte Friedrich Merz unser Steuersystem in der Vergangenheit schon mal vereinfachen.

          Timo Wollmershäuser ist Leiter der Konjunkturforschung des Ifo-Instituts in München.

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