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Öffentliche Kündigung : Manager wirft Goldman moralischen Verfall vor

  • -Aktualisiert am

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs zieht spätestens seit der ersten Finanzkrise immer wieder Kritik auf sich. Das Foto zeigt die Zentrale in New York. Bild: dapd

Denkwürdiger Abschied: Die „New York Times“ hat das Kündigungsschreiben eines Derivatehändlers von Goldman Sachs abgedruckt. Dieser beschreibt das Umfeld in der amerikanischen Bank als „giftig und zerstörerisch“.

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          Die in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit stark kritisierte amerikanische Bank Goldman Sachs steht vor einem neuen Rufschaden. In einem auf der Meinungsseite der „New York Times“ veröffentlichten längeren Kündigungsschreiben wirft ein Manager der Bank einen Verfall der Unternehmenskultur und fragwürdige Geschäftsmethoden vor. „Die Interessen der Kunden werden in der Art und Weise, wie die Gesellschaft wirtschaftet und über das Verdienen von Geld denkt, kontinuierlich zur Seite gestellt“, schreibt Greg Smith, der fast zwölf Jahre für Goldman arbeitete und zuletzt in London im Vertrieb von Derivaten tätig war.Leitende Angestellte hätten Kunden wiederholt als „Muppets“ tituliert.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Smith beschreibt das betriebliche Umfeld von Goldman als „giftig und zerstörerisch“. Die Bank steuere Kunden unter anderem in Produkte, von denen sich Goldman selbst trennen will, weil sie zu wenig Gewinnpotential hätten. „Nennen Sie mich altmodisch, aber ich will meinen Kunden keine Produkte verkaufen, die für sie ungeeignet sind“, hieß es in dem Brief mit der Schlagzeile „Warum ich Goldman Sachs verlasse“.

          Kritik an der „Arbeit Gottes“

          Smith wiederholt in seiner generellen Stoßrichtung Anschuldigungen, die schon in den vergangenen Jahren gegen Goldman Sachs und auch andere Banken an der Wall Street erhoben worden sind. Goldman Sachs hatte 2010 Betrugsvorwürfe der Börsenaufsicht SEC mit einem außergerichtlichen Vergleich von 550 Millionen Dollar beigelegt. Goldman räumte damals ein, Kunden beim Vertrieb eines komplexen Hypothekenprodukts nicht ausreichend informiert zu haben. Goldman Sachs geriet auch wegen seiner Führungsrolle an der Wall Street nach der Finanzkrise ins Zentrum der Kritik. Vorstandschef Lloyd Blankfein und andere Spitzenmanager wurden bei stundenlangen Anhörungen vor dem Kongress vorgeführt wie kleine Kinder. Blankfein leistete sich zudem einen öffentlichkeitswirksamen Fehltritt, als er die Tätigkeit der Banker bei Goldman in einem Interview als „Arbeit Gottes“ bezeichnete. Die wohl spaßhafte Formulierung wurde an der Wall Street zu einem geflügelten Wort.

          Goldman Sachs wies die in der Kündigung erhobenen Vorwürfe Smiths zurück. „Wir widersprechen den geäußerten Ansichten, die unserer Meinung nach nicht die Art und Weise reflektieren, wie wir unser Geschäft führen.“ Goldman sei nur erfolgreich, wenn auch die Kunden erfolgreich seien.

          „Es war Zeit zu gehen“

          Goldman wurde in den vergangenen Jahrzehnten an der Wall Street für eine besondere Unternehmenskultur bewundert, die Teamgeist und den Kunden in den Mittelpunkt stellte. Das war zumindest die öffentliche Wahrnehmung, die in von ehemaligen Mitarbeitern verfassten Büchern propagiert wurde. Auch Smith sprach in seinem Schreiben von dieser Kultur als der „geheimen Soße“, die zum Erfolg der Gesellschaft beitrug. Er sei an der Anwerbung neuer Talente beteiligt gewesen. „Ich wusste, es war Zeit zu gehen, als ich merkte, dass ich den Studenten nicht mehr länger in die Augen sehen konnte“.

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