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OECD-Studie : Deutschland wird besser bei der Integration

Diese Schüler aus Eritrea, Mali, dem Iran und Syrien haben zurzeit bessere Chancen auf Integration. Bild: ZB

Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland – vor allem für Geringqualifizierte. Deren Integration gelingt jetzt etwas besser, zeigt eine Studie. In einem Bereich hat Deutschland aber massive Probleme.

          Die Integration von Einwanderern gelingt in Deutschland heute insgesamt besser als in der Vergangenheit. Neben stärkeren politischen Bemühungen etwa im Bildungs- und Sozialwesen hat dazu vor allem der kräftige Aufschwung am Arbeitsmarkt beigetragen. Das zeigt eine neue Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der EU-Kommission.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Untersuchung bezieht sich nicht allein auf Flüchtlinge, sondern will ein Gesamtbild für alle Einwanderer liefern. Insgesamt 16 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sind in einem anderen Land geboren word

          „Besser als in anderen Ländern“

          Insgesamt gelinge die Integration hier „besser als in Ländern mit vergleichbarer Migrationsgeschichte“, fasst der OECD-Migrationsforscher Thomas Liebig die auf 70 Einzelindikatoren gestützte Analyse zusammen. „Trotz dieser positiven Entwicklungen besteht aber weiterhin Handlungsbedarf vor allem bei den Geringqualifizierten, Frauen sowie Kindern von niedrigqualifizierten Zuwanderern.“ Beispielsweise erreichten noch immer rund ein Viertel der Nachkommen von Migranten in Deutschland weder Abitur noch eine abgeschlossene Berufsausbildung.

          Unter ihren 35 Mitgliedsländern ordnet die OECD Deutschland einer Gruppe zu, die als langjährige Zielländer für Migranten gelten und in denen viele geringqualifizierte Zuwanderer schon lange leben. Mit der starken Fluchtmigration haben sich die Anteile seit 2015 indes etwas verschoben: Insgesamt sind nun gut ein Fünftel der Einwanderer weniger als fünf Jahre im Land. Zur gleichen Gruppe wie Deutschland zählt die Studie etwa Frankreich und Österreich. In Australien, Kanada und Großbritannien prägen dagegen hochqualifizierte Zuwanderer stärker das Bild.

          Zwei Drittel der Ausländer haben Arbeit

          Besser als vor einigen Jahren stellt sich derzeit in Deutschland die Erwerbsbeteiligung von Einwanderern dar: Während 2006 nur 59 Prozent der im Ausland geborenen Erwachsenen eine Arbeitsstelle hatten, waren es 2017 mehr als 67 Prozent. Dies ist der Studie zufolge auch ein international guter Wert.

          Er ist vor allem dem Konjunkturaufschwung zu verdanken, mit dem auch die Beschäftigungsquote der Gesamtbevölkerung deutlich gestiegen ist – auf durchschnittlich 76 Prozent laut OECD. Der Anstieg in der Gruppe der Einwander war relativ stärker.

          Andererseits ist der Abstand zwischen Einwanderern und der im Inland geborenen Bevölkerung in Deutschland größer als im Durchschnitt aller 35 Länder. Betrachtet man dagegen nur die Vergleichsgruppe mit Frankreich und Österreich, steht Deutschland auch in dieser Hinsicht relativ gut da.

          Mehr gut Qualifizierte

          Im Hinblick auf Bildungserfolge von Einwanderern liefert die Studie ein recht gemischtes Bild. So ist auf der einen Seite der Anteil der gut Qualifizierten unter den Neu-Einwanderern klar gestiegen: Zwar haben unter allen Eingewanderten nur 23 Prozent einen Hochschulabschluss oder eine anerkannte Berufsausbildung – unter denen, die in den vergangenen zehn Jahren angekommen sind, liegt dieser Anteil aber mit 30 Prozent etwas über dem Niveau der Gesamtbevölkerung. Auf der anderen Seite liegt der Anteil der Geringqualifizierten unter allen nach Deutschland gekommenen Einwanderern sogar bei 35 Prozent und damit mehr als dreimal so hoch wie unter den im Inland Geborenen.

          Besonderen Anlass zur Sorge sieht die Studie in einem weiteren Befund: Unter den Nachkommen von Migranten schafft jeder Vierte weder Abitur noch einen Berufsabschluss. Dies ist nicht nur nach inländischem Maßstab ein schlechter Wert, sondern ebenso im internationalen Vergleich. Hier wirkt sich Liebig zufolge der Umstand aus, dass in der Elterngeneration sehr viele Geringqualifizierte sind und ein Aufstieg von Kindern in höhere Bildungsschichten ohnehin oft schwerfällt.

          Kein starker Integrationsmotor ist der Studie zufolge hier der öffentliche Dienst: Während er 17 Prozent der 15- bis 34-Jährigen ohne Migrationshintergrund beschäftigt, bietet er nur 8,5 Prozent der Migrantenkinder gleichen Alters eine Stelle.

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