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Gebremstes Wachstum : OECD senkt Prognose für deutsche Wirtschaft deutlich

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Aufgerollter Stahl in einer Halle in Salzgitter Bild: dpa

In der OECD-Prognose für Deutschland steht nur noch eine Null vor dem Komma. Ganz Europa erlebt mit der globalen Konjunkturdelle eine ausgedehnte Schwäche.

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          Die internationale Organisation der entwickelten Länder OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft wegen der globalen Konjunkturschwäche mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr lediglich um 0,7 Prozent zulegen und damit halb so stark wie 2018, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick. Bislang war sie von 1,6 Prozent ausgegangen.

          Die Bundesregierung erwartet noch 1 Prozent Wachstum – auch sie hatte die Prognose zuletzt aber deutlich gesenkt. Im kommenden Jahr soll das BIP laut OECD um 1,1 Prozent zulegen. Bislang waren 1,4 Prozent prognostiziert worden.

          Als Hauptgrund für die Delle gilt die Schwäche der Weltkonjunktur, die Deutschland als exportstarkes Land besonders trifft. „Die globale Expansion verliert angesichts erhöhter politischer Unsicherheiten, anhaltender Handelsspannungen und fortgesetzter Rückgänge des Vertrauens von Unternehmen wie Verbrauchern weiter an Dynamik“, hieß es von der OECD. Eine stärkere Abschwächung in China würde das globale Wachstum belasten und könne das Wachstum in Europa weiter dämpfen.

          Schwäche lastet auf ganz Europa

          Für Italien sagt die Organisation ein Rezessionsjahr voraus. Das BIP soll 2019 insgesamt um 0,2 Prozent schrumpfen, dem soll dann 2020 eine leichtes Wachstum von 0,5 Prozent folgen. Für Frankreich werden in beiden Jahren 1,3 Prozent Wachstum vorausgesagt. „In Europa bestehen nach wie vor erhebliche politische Unsicherheiten, auch beim Brexit“, steht in der Begründung. Ein ungeordneter Ausstieg werde die Kosten für die europäischen Volkswirtschaften erheblich erhöhen.

          Deutlich zurückgenommen wurde auch die Prognose für Großbritannien, das in diesem Monat nach der im EU-Vertrag vorgesehenen Frist voraussichtlich aus der EU austreten wird. Für das laufende Jahr wurde die Prognose für die Briten von 1,4 auf 0,8 Prozent gesenkt, für 2020 von 1,1 auf 0,9 Prozent.

          Für den Euroraum senkten die OECD-Forscher angesichts der globalen Konjunkturschwäche die Prognose deutlich – es wird in der Währungsunion noch ein Wachstum des BIP von 1 Prozent erwartet.

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          Wesentlich besser dürfte es in den Vereinigten Staaten, der weltgrößten Volkswirtschaft, laufen. Hier rechnet die OECD mit einem Wachstum von 2,6 Prozent. Dem soll 2020 ein Zuwachs von 2,2 Prozent folgen. „Solide Arbeitsmarktergebnisse und günstige finanzielle Bedingungen stützen weiterhin die Einkommen und Ausgaben der Haushalte“, erklärte die OECD. Aber höhere Zölle führten dazu, dass die Kosten der Unternehmen und die Preise stiegen. Das Wachstum von Investitionen und Exporten habe sich bereits abgeschwächt.

          Für China sagen die Experten eine schrittweise Abkühlung voraus. 2020 soll das Wachstum noch 6 Prozent betragen. „Die Handelsspannungen lasten zunehmend auf Exporten und Industrieproduktion“, hieß es mit Blick auf den Handelskonflikt mit Amerika. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften haben sich gegenseitig mit Strafzöllen überzogen – viele Ökonomen sehen den Streit um Zölle dabei als eine Facette in einem möglicherweise ausgreifenden geopolitischen Konflikt. Die Regierung in Peking versucht, mit einem großangelegten Konjunkturprogramm die Wirtschaft in Schwung zu halten.

          Viele Notenbanken haben bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik laut OECD aus gutem Grund auf den Pausenknopf gedrückt. Angesichts des bevorstehenden Brexit und des Handelsstreits sei die Unsicherheit momentan sehr ausgeprägt, zudem seien die Wachstumsperspektiven für viele Länder schwächer als zuletzt. Der künftige Kurs der Notenbanken hänge damit zunehmend von aktuellen Konjunkturdaten ab.

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