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OECD-Report : Schlechte Noten für die Bildungsrepublik

Ein Kind übt an einem Rechenschieber. Gerade in der frühkindlichen Bildung schneidet Deutschland nicht gut ab. Bild: dpa

Deutschland habe zwar eine sehr gute Berufsausbildung, doch investiere der Staat zu wenig in frühkindliche Bildung, bemängelt ein OECD-Report. Kritisch sehen die Experten auch die allgemeinbildenden Schulen.

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          Ob Grundschule oder Hochschule – entgegen vielfältiger politischer Beteuerungen sind die öffentlichen Bildungsausgaben hierzulande, gemessen an der Wirtschaftsleistung, noch immer eher gering. Überdies trägt der Staat im Vergleich mit anderen Ländern zwar einen hohen Anteil der Kosten eines Studiums.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          In der frühkindlichen Bildung, der ein besonders großer Einfluss auf spätere Bildungserfolge zugesprochen wird, hält er sich dagegen deutlich zurück und überlässt einen hohen Finanzierungsanteil über Gebühren den privaten Haushalten. Das zeigt ein am Donnerstag veröffentlichter Bildungsreport der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

          Zwar hat das deutsche Bildungssystem nach Auffassung der von 35 Industriestaaten getragenen Politikberatungsorganisation auch große Stärken, allen voran sein Berufsausbildungswesen. Im Hinblick auf die Finanzierungsverhältnisse sieht sie jedoch Anlass zu grundlegender Kritik:

          In den meisten Ländern sei es üblich, dass der Staat die in seinen Hochschulen ausgebildeten Akademiker als „gut verdienende Bildungsgewinner“ an den Kosten ihres Studiums beteilige – etwa durch nachgelagerte Studiengebühren, legte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher dar. In Deutschland aber „bittet man die Jüngsten zur Kasse“. Der Staat halte sich gerade dort zurück, wo „Nachteile aufgrund eines bildungsfernen Elternhauses am ehesten ausgeglichen werden können“.

          Deutsche Quote für Bildungsausgaben ist unterdurchschnittlich

          Wie der Report darlegt, flossen hierzulande im Jahr 2013 rechnerisch 4,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus öffentlichen Kassen in die unterschiedlichen Bildungseinrichtungen. Im Durchschnitt aller 35 OECD-Staaten waren es jedoch 4,8 Prozent.

          Von 2010 bis 2013 sei die deutsche Quote außerdem gesunken. Hinter dieser Entwicklung steckt zwar auch der Umstand, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen ist als in anderen Ländern. Sie ist hierzulande aber eben auch stärker gewachsen als die Bildungsausgaben.

          An der Vorstellung des Reports in Berlin nahmen auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) als Vertreter der Länder teil. Wanka hielt der Darstellung der OECD entgegen, dass in Deutschland zumindest der Anteil der Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben der öffentlichen Kassen seit Jahren deutlich steige.

          Überdies zeigten sich klare Erfolge beim Ausbau der frühkindlichen Bildung, betonte sie ebenso wie Rabe: Inzwischen besuchten 94 Prozent der 3-Jährigen eine Kindertageseinrichtung, verglichen mit 80 Prozent in der Vergangenheit. Zudem spiegele sich der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote in dem vorliegenden Report erst ansatzweise wieder.

          Lob für das duale Ausbildungssystem

          Tatsächlich zeigen andere Untersuchungen der OECD, dass Schüler in den sogenannten Pisa-Tests später im Durchschnitt besser abschneiden, falls sie zuvor an vorschulischen Bildungsangeboten teilgenommen haben. Schleicher sieht allerdings über den Kita-Ausbau hinaus einen großen Bedarf, das Angebot an Ganztagsgrundschulen auszuweiten.

          Der Finanzübersicht zufolge flossen 2013 hierzulande 1,4 Prozent aller öffentlichen Ausgaben in den Grundschulbereich, nur halb so viel wie im EU-Durchschnitt. Gerade mit Blick auf die Integration von Kindern mit ausländischen Wurzeln gebe es hier große Verbesserungsmöglichkeiten.

          Sehr positiv bewertet der OECD-Report indes das deutsche Berufsbildungsystem. Es trage neben der derzeit günstigen Konjunkturlage stark dazu bei, dass hierzulande im Vergleich mit anderen Ländern besonders vielen jungen Menschen ein „reibungsloser Übergang von der Ausbildung in den Beruf“ gelinge und die Jugendarbeitslosigkeit besonders gering sei.

          Diese Stärke des Berufsbildungssystems wird im Übrigen laut OECD auch nicht dadurch infrage gestellt, das inzwischen immer mehr junge Menschen an die Hochschulen statt an die Werkbänke drängen.

          Unterrichtsqualität an allgemeinbildenden Schulen wird bemängelt

          Sehr kritisch bewertet der Report hingegen gleich in mehrerlei Hinsicht die allgemeinbildenden Schulen – obwohl die Ausgaben je Schüler dort rechnerisch gestiegen sind. So hätten die meisten Bundesländer zwar den kostspieligen Weg gewählt, Klassengrößen zu verringern. Sie hätten allerdings im internationalen Vergleich eher wenig dafür getan, die Unterrichtsqualität zu verbessern.

          In anderen Ländern habe beispielsweise die Lehrerfortbildung einen viel höheren Stellenwert, während die Zahl der zu leistenden Unterrichtsstunden geringer sei. Auf der anderen Seite sei das allgemeine Gehaltsniveau von Lehrern in Deutschland zwar durchaus sehr „wettbewerbsfähig“. Es falle aber ausgerechnet an den Grundschulen ab. Zudem steige die Bezahlung zwar mit dem Lebensalter, orientiere sich aber kaum an Qualifikation und Leistung.

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