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Inflation bleibt hoch : OECD korrigiert Konjunkturprognosen nach unten

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Trübe Aussicht am Hamburger Hafen: Die Weltwirtschaft dürfte sich in den kommenden Monaten stark abkühlen, sagt die OECD. Bild: dpa

Nach den Einbrüchen wegen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie sollte sich die Weltwirtschaft eigentlich wieder erholen. Der russische Angriff auf die Ukraine dämpft jedoch die Vorhersagen der OECD.

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          Die Industriestaaten-Organisation OECD rechnet wegen der Folgen des Krieges in der Ukraine mit einer immer schwächeren Entwicklung der Weltwirtschaft. In Deutschland dürfte die Wirtschaft nächstes Jahr sogar schrumpfen und damit einer der am stärksten betroffenen Staaten sein. Die Inflation wird 2023 gegenüber 2022 wohl zurückgehen, aber weiter sehr hoch bleiben. Die Lage könnte sich noch verschärfen, sollten der Winter besonders kalt oder die Energieknappheit noch stärker werden.

          „Die globale Wirtschaft hat dieses Jahr ihr Momentum verloren“, erklärte die OECD am Montag. Befragungen in der Wirtschaft und das schwache Konsumentenvertrauen deuteten auf eine längere Phase mit gedämpften Perspektiven hin. Die Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr um 3,0 Prozent zulegen, 2023 aber nur noch um 2,2 Prozent. Das wären für nächstes Jahr 0,6 Prozentpunkte weniger als noch im Juni erwartet. Zum Vergleich: 2021 gab es wegen der Erholung von der Corona-Pandemie noch ein starkes Plus von 5,8 Prozent.

          Deutschland wird sich laut OECD deutlich schlechter entwickeln. 2022 wird mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet, 0,7 Punkte weniger als bisher. 2023 dürfte die Wirtschaft dann um 0,7 Prozent schrumpfen, das sind 2,4 Punkte weniger als im Juni prognostiziert.

          Sanktionen setzen Russland zu

          Auch für die Vereinigten Staaten und China wird mit einem wesentlich langsameren Tempo gerechnet. Hier gibt es allerdings noch Wachstum. Die russische Wirtschaft dürfte 2022 um 5,5 Prozent zurückgehen. Das ist aber deutlich weniger als zuletzt erwartet. 2023 dürften es dann noch einen Rückgang um 4,5 Prozent geben. Hauptgrund hierfür sind die Sanktionen des Westens, die wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine verhängt wurden.

          Die Inflation in den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern, die seit Kriegsausbruch in der Ukraine deutlich nach oben geschossen ist, dürfte 2023 bei 6,6 Prozent liegen. 2022 werden es vermutlich 8,2 Prozent sein. Beide Werte sind höher als zuletzt erwartet. Auch hier ist Deutschland wegen der starken Abhängigkeit von russischen Energielieferungen besonders betroffen. Für Deutschland erwartet die OECD 2022 eine Teuerungsrate von 8,4 Prozent, 2023 dann von 7,5 Prozent. Das sind 1,2 beziehungsweise 2,8 Punkte mehr als bisher. In den Vereinigten Staaten, wo die Zinsen früher und stärker angehoben wurden, dürfte die Inflation dagegen 2023 auf 3,4 Prozent zurückgehen, nachdem es dieses Jahr 6,2 Prozent werden sollten.

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