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Österreichs Staatsholding-Chef : Rücktritt nach Chats über Pöbel und Flüchtlinge

Der bisherige ÖBAG-Chef Thomas Schmid ist zurückgetreten. Bild: dpa

Beteiligungen im Wert von knapp 27 Milliarden Euro verwaltet Österreichs Staatsholding ÖBAG. Jetzt ist der Chef zurückgetreten. Wegen öffentlich gewordener Chatnachrichten steht er seit Monaten unter Beschuss.

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          Nach anhaltender Kritik nimmt der Vorstandsvorsitzender der österreichischen Staatsholding ÖBAG, Thomas Schmid, vorzeitig den Hut. Als notwendigen Schritt bezeichnete der Aufsichtsrat am Dienstag die sofortige Beendigung von dessen Vorstandstätigkeit. Interimistisch wurde ÖBAG-Direktorin Christine Catasta bestellt.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Schmid war seit Monaten unter Beschuss, als bekannt wurde, wie er als Vertrauter des konservativen Bundeskanzlers Sebastian Kurz zu der gutbezahlten Stelle kam. Das Fass zum Überlaufen brachten neue Gesprächsprotokolle.

          In den Kurznachrichten beschwerte sich Schmid gegenüber seinen Gesprächspartnern etwa darüber, dass er ohne Diplomatenpass nun „wie der Pöbel“ reisen müsse. Laut den in mehreren Medien veröffentlichten Protokollen diskutierte Schmid mit einer Vertrauten zudem darüber, in seiner neuen Funktion als ÖBAG-Vorsitzender den Betriebsrat „abdrehen“ zu wollen („Und Betriebsrat. Weg damit.“).

          Auch über Flüchtlinge wurde „gescherzt“: Nach der Buchung eines Fluges nach Addis Abeba fragte seine Assistentin den Manager, ob er auch einen Rückflug brauche. Auf seine Frage, ob sie ihn dort lassen möchte, antwortete sie: „Ab Kairo gibt es Schlauchboote.“ Nachdem sie Schmid dann etwas später die Buchung bestätigt hatte, fragte er zurück: „Mit den Flüchtlingen? Smiley.“

          Schon Ende März gab es Aufregung um entsprechende Nachrichten. „Du bist Familie“, schrieb ihm Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) einmal. Als die gesetzliche Grundlage für den neuen Posten in der ÖBAG gegeben war, schrieb Blümel – damals Kanzleramtsminister – an Schmid: „Schmid AG fertig“. Dieser antwortete: „Habe noch keinen Aufsichtsrat“.

          Vor seiner Bestellung zum ÖBAG-Vorstand bat Schmid Kurz, ihn „nicht zu einem Vorstand ohne Mandate“ zu machen. Die Antwort des Regierungsvorsitzenden: „Kriegst eh alles, was du willst. Die ÖBAG steuert fast ein Dutzend staatliche Beteiligungen im Wert von knapp 27 Milliarden Euro. Dazu gehören der Energieversorger Verbund, der Petrochemiekonzern OMV, die Telekom Austria, die Post und die Casinos Austria.

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