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Nutzfahrzeuge : Iveco schließt Lastwagen-Produktion in Ulm

  • Aktualisiert am

Einfahrt zum Werk Ulm Bild: dpa

Die Finanz- und Schuldenkrise hat neue Opfer: die Lastwagenbauer von Iveco in Ulm. Sie müssen für eine Neuordnung des Deutschlandgeschäfts weichen. Am Standort soll aber die Brandschutz-Sparte ausgebaut werden. Neue Arbeitsmöglichkeiten für die Mitarbeiter?

          Die angeschlagene Fiat-Tochter Iveco Magirus schließt ihre Produktion schwerer Nutzlastwagen in Ulm. Die Kapazitäten für die Lastwagenproduktion sollen nach Madrid verlagert werden, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. „Dieses Vorhaben ist aufgrund der anhaltend schwierigen Bedingungen am europäischen Lkw-Markt unausweichlich geworden, da die strukturelle Unterauslastung der in Ulm verfügbaren Kapazitäten damit nicht länger tragbar ist.“

          Ob und wie viele Stellen wegfallen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage nicht. „Iveco ist sich der sozialen Auswirkungen bewusst und setzt alles daran, in enger Zusammenarbeit mit den sozialen Partnern die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden“, heißt es in der Mitteilung. „Nach Berechnungen von Fiat/Iveco sollen 670 Beschäftigte sozialverträglich abgebaut werden“, teilten der Betriebsrat und die IG Metall Ulm mit. Ähnlich hatte zuvor die „Südwest Presse“ berichtet. Demnach gibt es in der Montage des Nutzfahrzeughersteller etwa 1100 Arbeitsplätze.

          Brandschutz-Zentrum soll ausgebaut werden

          Im Zuge einer Neuordnung des Deutschlandgeschäfts soll in Ulm stattdessen ein Brandschutz-Kompetenzzentrums entwickelt werden, mit dem das Unternehmen „die gegenwärtig zu geringe strukturelle Auslastung und Fragmentierung in diesem Geschäftsbereich ausgleichen möchte“. Davon betroffen sind andere Standorte der Brandschutzsparte, von denen wiederum Produktionskapazitäten nach Ulm verlagert werden. Mit der Umstrukturierung will Iveco nach eigenen Angaben die Effizienz steigern und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

          Iveco hatte die Pläne den Betriebsräten und Gewerkschaften der betroffenen Standorte am Montag vorgestellt. „Der Anspruch der Firmenspitze in Turin eine „friedliche Einigung“ zu erzielen, versteht der Betriebsrat und die IG Metall als ein Angebot den Versuch zu unternehmen eine Lösung zu finden bei der die Interessen der Beschäftigten an allen Standorten berücksichtigt werden“, hieß es aus Ulm. „Der Betriebsrat und die IG Metall sind bei den erklärten Unternehmensveränderungen und den Folgen für die Beschäftigten skeptisch ob und wie es gelingt einen Ausgleich der Interessen zu erreichen.“ Vor allem der hohe Altersdurchschnitt der Beschäftigten in Ulm erfordere einen sozial verantwortungsbewussten Umgang.

          Finanzkrise hat Iveco stark getroffen

          Laut Geschäftsbericht beschäftigte Iveco Ende vergangenen Jahres insgesamt 3720 Mitarbeiter (2010: 3772). Der Umsatz der Iveco Magirus AG betrug 1,479 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,323 Mrd Euro). Dort arbeiteten Ende 2011 mit 1965 Beschäftigten 29 weniger als im Jahr zuvor. Laut Betriebsrat und IG Metall beschäftigt die Iveco Brandschutztechnik GmbH zurzeit in Ulm, in Weisweil bei Offenburg und in Görlitz 650 Menschen, davon 430 in Ulm. Die Produktion von Brandschutzfahrzeugen und Zulieferungen für die Montage dieser Spezialfahrzeuge liege in Italien, Frankreich und Österreich.

          Die Finanzkrise hatte Iveco stark getroffen: Die Hauptabsatzmärkte befinden sich in südeuropäischen Ländern wie Italien und Spanien. Der Standort Ulm produzierte im Boomjahr 2008 laut „Südwest Presse“ noch rund 22 000 Fahrzeuge, dieses Jahr sollen es weniger als 8000 sein. In dem Werk gebe es seit mehr als drei Jahren durchgehend Kurzarbeit. Für den Wegfall der Lkw-Produktion soll der Standort mit einem Ausbau der Herstellung von Feuerwehrfahrzeugen entschädigt werden.

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