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Nutzfahrzeuge : Bilanzfälschung bei britischer MAN-Tochter

  • Aktualisiert am

Die Führerkabine der britischen MAN-Tochter ist erstmal leer Bild: MAN AG

Gefälschte Bilanzen bei einer britischen Tochter könnten MAN einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Der Aktienkurs brach kurzfristig ein.

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          Der Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN hat einen Fall schwerer Bilanzfälschung bei seiner britischen Lkw-Tochter ERF aufgedeckt. ERF-Chef John Bryant und der deutsche Finanzchef Klaus Wagner seien mit sofortiger Wirkung von ihren Funktionen entbunden worden, teilte MAN mit.

          Den beiden Spitzenmanagern wird vorgeworfen, systematisch Buchungen gefälscht sowie Belege manipuliert und so die Lage des Lkw-Bauers geschönt zu haben. ERF werde deswegen im laufenden Jahr Verluste schreiben, die auch das Ergebnis des Konzerns belasteten, sagte ein Sprecher. Wie lange die Unregelmäßigkeiten liefen, sei noch nicht absehbar. Die im Dax enthaltene MAN-Stammaktie brach zeitweise um über zehn Prozent ein, stabilisierte sich später bei einem Minus von knapp vier Prozent.

          Schaden im dreistelligen Millionenbereich

          MAN hatte ERF Anfang des vergangenen Jahres übernommen. Dass die Bücher schon damals manipuliert gewesen seien, könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der MAN-Sprecher. Den Prüfern sei damals jedenfalls nichts aufgefallen. Die Fehler in den Büchern seien über Monate hinweg nicht entdeckt worden. Nun sollen die Bilanzen von ERF von einer anderen Wirtschaftsprüfungsfirma nachträglich noch einmal unter die Lupe genommen werden. Den allein im vergangenen Jahr durch die Buch-Fälschungen entstandenen Schaden bezifferte der Konzern mit einem „nach Steuern hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag“. Vor Steuern dürfte es sich damit um einen dreistelligen Millionenbetrag gehandelt haben.

          Da MAN nicht mehr benötigte Rückstellungen für den bis Ende 2000 aufgelaufenen Schaden auflösen werde, bleibe dieser zwar ohne Folgen für das Ergebnis, sagte der MAN-Sprecher. Weil aber ERF entgegen den Erwartungen 2001 Verluste schreiben werde, erwarte der Münchener Konzern für das laufende Jahr zusätzliche Ergebniseinbußen. Genaue Zahlen nannte der Sprecher nicht.

          Gewinneinbruch wird erwartet

          Schon Mitte Juli hatte Vorstandschef Rudolf Rupprecht in einem Interview gesagt, das Ergebnis des auf das Kalenderjahr umgestellten Geschäftsjahres 2001 von MAN werde um deutlich mehr als zehn Prozent hinter dem Rekordwert aus dem Geschäftsjahr 1999/2000 (per Ende Juni) zurückbleiben. Analysten gingen zuletzt von 15 bis 25 Prozent Rückgang aus. MAN will den Zwischenbericht über das erste Halbjahr am kommenden Mittwoch veröffentlichen.

          Die MAN Nutzfahrzeuge AG hatte im vergangenen Jahr für ERF umgerechnet rund 340 Millionen Mark an den kanadischen Nutzfahrzeug-Konzern Western Star bezahlt und wollte mit der Übernahme den Marktanteil auf der britischen Insel verdoppeln. Die nach ihrem Gründer Edwin Richard Folden benannte ERF hatte für das Geschäftsjahr 1998/99 (per Ende Juni) einen Umsatz von 200 Millionen Pfund (über 600 Millionen Mark) ausgewiesen. Damals hatte es geheißen, ERF schreibe schwarze Zahlen.

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