https://www.faz.net/-gqe-7pcfv

Nutella wird 50 : Eine Nougatcreme für die ganze Welt

Bild: laif/Montage

Die Deutschen lieben sie besonders. Aber richtig gefeiert wird die Nutella in Italien. Zum 50 Geburtstag bekommt die Nougatcreme dort eine Sonderbriefmarke.

          Wenn ein einziges Produkt 50 Jahre auf dem Markt besteht und Märkte in aller Welt erobert, ist das üblicherweise eine Gelegenheit für die Unternehmerfamilie, die Erfinder und deren Leistung in den Vordergrund zu stellen. Doch die italienische Unternehmerfamilie Ferrero zeigt sich auch beim 50. Geburtstag ihrer Nougatcreme Nutella reserviert und zeigt sich nicht einmal zur Präsentation ihrer Festivitäten. Diese Rolle übernahmen der Präsident der italienischen Tochtergesellschaft, der ehemalige Botschafter Francesco Paolo Fulci, sowie die neue Präsidentin der italienischen Post, Luisa Todini, die eine Sonderbriefmarke mit aufgedrucktem Nutellaglas präsentierte.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Doch Nutella gehört andererseits in Italien so sehr zum Alltagsleben, dass es genügt, in Rom einen Abend lang Prominente ihre persönlichen Anekdoten zu Nutella erzählen zu lassen. Am Firmensitz in der piemontesischen Alba und auf dem Platz vor dem Königsschloss in Neapel sind allerdings Straßenfeste geplant, ebenso wie am Sonntag in Deutschland im Düsseldorfer Westfalenpark. Gefeiert wird in zahlreichen Ländern, in denen Nutella Erfolg hatte, von den Vereinigten Staaten über Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate.

          Entwickelt wurde die Nougatcreme von Pietro Ferrero, einem Konditormeister, der sich auf die lokale Traditionen und Zulieferprodukte stützen konnte. Im nahen Turin hatte sich in den Zeiten des piemontesischen Königshofes die Herstellung von Schokoladenpralinen entwickelt. Zu den Spezialitäten gehörte dort auch Gianduja, mit einer Mischung von Schokolade und Haselnuss. Während der Nachkriegszeit war allerdings Schokolade aus eingeführtem Kakao teuer, während es im südlichen Piemont viele Haselnüsse gab. Ferrero experimentierte daher mit einer Mischung, die viel Nuss, aber wenig Kakao enthielt. Zudem setzte er alles daran, aus dem sonst festen Gianduja mit Hilfe von beigemischtem Nahrungsmittelöl eine streichbare Masse zu machen.

          Das 1946 aus dieser Rezeptur entwickelte Produkt nannte Pietro Ferrero dann „Supercrema“. Sein Sohn Michele Ferrero übernahm den kleinen Familienbetrieb im Jahr 1948. Für die Nougatcreme suchte er mit Hilfe einer Mailänder Agentur nach einem international verwendbaren, eigenständigen Namen. 1964 stellte er schließlich Nutella vor.

          Von der Creme werden mittlerweile jedes Jahr 365000 Tonnen hergestellt, abgefüllt in 700 Millionen Gläser. Größte Konsumenten von Nutella sind die Deutschen, mit einem Verbrauch von 1 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Auf dem zweiten Platz der größten Verbraucher folgt Frankreich, vor Italien und den Vereinigten Staaten. Ferrero setzt alleine mit Nutella rund 1,6 Milliarden Euro um, das ist etwa ein Sechstel des gesamten Geschäftsvolumens von 8 Milliarden Euro. Die wichtigste Zutat, die Haselnüsse, werden inzwischen nicht nur in Piemont eingekauft, sondern auch auf eigenen Plantagen etwa in Chile angebaut. Damit könnten das gesamte Jahr über frische Zutaten für die Creme eingesetzt werden, sagt Ferrero-Botschafter Fulci.

          Zu den Rückschlägen mit Nutella gehörte in den vergangenen Jahren der Umstand, dass die Creme wegen ihres Zuckergehaltes nicht mehr als Teil gesunder Ernährung beworben werden darf. Jahrelang wurden Fußballspieler, Nougatcreme und Werbeslogans von gesunder Ernährung benutzt. Mittlerweile wird dagegen in den Werbespots nur noch suggeriert, dass Nutella als Brotaufstrich am Morgen ein Freudenbringer für einen schönen Tag sei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Serienstar wird Präsident : Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

          Der Komiker Wolodymyr Selenskyj hat den Aufstieg seines Serien-Alter-Egos im echten Leben wahrgemacht. Er wird laut Prognosen Präsident der Ukraine. Seinen ersten Auftritt nach der Wahl nutzt der umstrittene Polit-Newcomer, um eine Botschaft zu senden – und ein Versprechen abzugeben.
          Sicherheitskräfte durchsuchen eine bei den Anschlägen verwüstete Kirche in der Stadt Negombo.

          Anschläge in Sri Lanka : Regierung sucht weiter nach Tätern

          Es gab Festnahmen, bei denen auch Polizisten getötet wurden, einen weiteren Sprengsatz und offenbar ignorierte Warnungen. Doch noch ist unklar, wer hinter den Anschlägen vom Ostersonntag steckt. Die Opferzahl ist gestiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.