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F.A.Z. exklusiv : Nudel-Unternehmer Klaus Birkel gestorben

Klaus Birkel 1989 in Weinstadt-Enderpack Bild: Picture-Alliance

Der Lebensmittelfabrikant Klaus Birkel ist im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Sein Name steht für eine der bekanntesten Lebensmittelmarken – aber auch für einen Skandal.

          Nach dem Verkauf seines Unternehmens ist Klaus Birkel nach Amerika gezogen und hat dort mit Anfang 50 noch einmal neu angefangen: in Texas eine Ranch gekauft, Rinder gezüchtet, Wohnungen gebaut, noch mal geheiratet. Dann platzte die Finanzblase, und der umtriebige Schwabe musste abermals alles verkaufen. Seinen Optimismus hat er deswegen nicht verloren. „Eine Nudel lässt sich weich kochen, ein Birkel nicht“, sagte er damals, vor acht Jahren. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Klaus Birkel am 14. Mai im Alter von 74 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigte der Unternehmer Horst-Dieter Esch, ein Freund der Familie, in Absprache mit Birkels Frau Bonnie der F.A.Z.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          In Deutschland wird Birkel als Nudel-Unternehmer in Erinnerung bleiben, dessen Name nicht nur für eine der bekanntesten Lebensmittelmarken steht, sondern auch für einen der bekanntesten Lebensmittelskandale. Im Sommer 1985 warnte der damalige Stuttgarter Regierungspräsident Manfred Bulling öffentlich vor dem Verzehr von Birkel-Nudeln, sie seien mikrobiell verdorben. Birkel, damals größter Nudelhersteller Deutschlands, soll, so der Vorwurf, von einem holländischen Lieferanten gepanschtes Flüssigei bezogen haben: durchsetzt mit befruchteten und bebrüteten Eiern bis hin zu Schlachtabfällen.

          Birkel wies die Vorwürfe zurück und erstritt vom Land Baden-Württemberg nach einem langen Rechtsprozess fast 13 Millionen Euro Schadensersatz. Für die angeschlagene Unternehmensgruppe kam die Entschädigung Ende 1990 jedoch zu spät. Birkel, Urenkel des Gründers, hatte sein Unternehmen bereits an den französischen Lebensmittelkonzern Danone verkauft, heute gehört die Firma samt Produktion in Mannheim der italienischen Newlat (Buitoni-Nudeln, 3 Glocken).

          Lebensabend in Mexiko

          Trotz des Urteils wurden später abermals Zweifel laut, ob es in der Produktion damals tatsächlich mit rechten Dingen zugegangen war. Vermutet wurde, dass belastende Akten nicht berücksichtigt worden seien. Klaus Birkel hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Der Schwabe fing 1993 in Texas nochmals neu an, züchtete auf seiner mehr als 50 Quadratkilometer großen „Camp Cooley“-Ranch Brangus-Rinder, stieg zeitweise zu einem der größten Rinderzüchter in Amerika auf.

          Die „Stuttgarter Zeitung“ beschrieb seine Ranch damals nach einem Besuch vor Ort als Paradies: mit weißer Villa am See, einem umzäunten Wildgehege „so groß wie der Englische Garten in München“ samt Rotwild, Antilopen und einem Alligator. Die Idylle endete jedoch jäh. Denn parallel zu seinen Rindern investierte Birkel in Wohnungen. Bis zu 250 im Jahr hat er damals in Dallas gebaut. Nach dem Sturz der Häuserpreise geriet so das ganze neu aufgebaute Firmengebilde in Not, 2011 entschloss sich Birkel zum Verkauf.

          Die letzten Jahre seines Lebens hat Klaus Birkel in der mexikanischen Strandgemeinde Los Cabos verbracht, wo auch sein Freund Horst-Dieter Esch lebt. Das Ehepaar Birkel hatte Mexiko nicht nur für den Ruhestand ausgewählt, sondern betrieb hier zwischenzeitlich auch ein beliebtes Restaurant namens „La Patrona“, in dem es zum Beispiel deutschen Käsekuchen „nach Großmutters Rezept“ gab. Das Lokal wurde allerdings im vergangenen Jahr nach Überschwemmungen geschlossen.

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