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Teure Therapien : Geld gegen Leben

  • -Aktualisiert am

Die Hand eines Angestellten extrahiert in der DKMS Life Science Lab GmbH in Dresden DNS von Gewebeproben. Bild: dpa

Innovative Finanzierungsmodelle für teure Behandlungen setzen positive Anreize für Forschung und Entwicklung. Doch das wird nicht reichen.

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          Für eine einzige Behandlung mit einer neuartigen Zelltherapie verlangt der Pharmakonzern Novartis 320.000 Euro. Das ist viel Geld. Novartis hat aber auch gezeigt, dass es gelingen kann, Patienten mit der komplexen Zelltherapie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Sind 320.000 Euro zu viel Geld für ein Leben? Aus der Perspektive der Krankenversicherungen stellt sich die Frage noch einmal ganz anders. Sie fragen zu Recht, ob es hinreichende Belege dafür gebe, dass die Therapie bei einer größeren Zahl Patienten auch wirkt.

          Wissenschaftliche Evidenz soll schwerstkranke Patienten davor bewahren, noch eine, mit ungewissen Aussichten auf Heilung versehene, aufwendige Behandlung erleiden zu müssen. Dahinter steht auch das Interesse der Kassen an einer wirtschaftlichen, also finanziell günstigen Lösung. Denn mit der Entschlüsselung des Genoms, rasanten Fortschritten in der Zelltherapie und der Nutzung von Big Data wachsen die Zahl potentiell personalisierter Therapien und damit die Zahl heilbarer schwerer Krankheiten sprunghaft. Es gehört zu einer zukunftsweisenden Gesundheitspolitik, sich damit zu befassen, bevor die Krankenkassen das Ende der Bezahlbarkeit ausrufen.

          Innovative Finanzierungsmodelle können helfen, etwa eine Vereinbarung, dass der Hersteller die Kosten der Therapie zurückerstattet, wenn der Patient schnell verstirbt. Ein solches Modell haben jetzt der Kassenverbund GWQ und Novartis verabredet. Sie setzen positive Anreize für Forschung und Entwicklung. Modelle für eine „Bezahlung nach Erfolg“ sind jedoch komplex. Es muss genau definiert und registriert werden, was als „Erfolg“ oder „Misserfolg“ gilt und ob die Therapie dafür der Grund war. Bestimmte Zelltherapien, die nur einmal und im kontrollierten Umfeld einer Klinik verabreicht werden, mögen sich dafür eignen. Sie sind kein Allheilmittel.

          Wichtiger wird es sein, schnell aussagekräftige und ausreichende Daten über den Nutzen neuer Therapien zu gewinnen und darauf Preisverhandlungen zu setzen. Solche Daten liegen bei Einführung einer neuen Behandlung nicht vor. Ihre Sammlung wird erschwert, weil Patientengruppen oft klein sind. Das sollte nicht davon abhalten, sie zu gewinnen. Es klingt überdies vernünftig, mit wachsender Sicherheit über die Art der Behandlung auch die Bezahlung der Therapie einer Revision zu unterziehen – mit der Bereitschaft, bei nachweisbarem Erfolg auch die Preise anzuheben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

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