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Reaktionen zur Alarmstufe : „Die Unternehmen sind in allerhöchster Sorge“

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Die Chemieindustrie ist besonders abhängig von Gaslieferungen. Bild: dpa

Wirtschafts- und Umweltverbände halten die ausgerufene Alarmstufe des Notfallplans Gas für das richtige Signal. Doch die steigenden Preise sorgen für Unsicherheit – bei Unternehmen und Energieversorgern.

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          Der größte deutsche Gasimporteur Uniper, von dem viele Industriekunden und Stadtwerke ihr Gas beziehen, dringt nach dem Ausrufen der Alarmstufe auf eine rasche Auslösung der Preisanpassungsklausel. Diese würde es ermöglichen, die gestiegenen Beschaffungskosten über die Vermarktungskette an die Kunden weiterzugeben. „Durch die Einschränkungen auf der Nord-Stream-1-Pipeline kommen aktuell nur deutlich geringere Gasmengen aus Russland, und Ersatz ist auf den Märkten nur zu sehr hohen Preisen zu beschaffen. Es ist wichtig, dass mit der sogenannten Alarmstufe sehr zügig Klarheit geschaffen wird, welche Kosten durch die derzeit angespannte Versorgungslage entstehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Klaus-Dieter Maubach der F.A.Z.

          Uniper bezweifelt bereits, dass es mit der Alarmstufe getan sein wird. „Klar ist auch, dass dies für diesen Winter keine Lösung ist, wenn die Versorgungslage so bleibt oder sich über die kommenden Wochen weiter verschärft. Die Gasspeicherfüllstände sind eine „Fieberkurve“ für die Versorgungssicherheit Deutschlands. Wenn diese „Fiebermessung“ zeigt, dass eine Auffüllung der Gasspeicher bis Oktober nicht wie gesetzlich vorgesehen möglich ist, sind weitere Schritte unmittelbar und dringend geboten.“

          Auch der Energieversorger Eon, der rund eine Million Gaskunden beliefert, sorgt sich um die steigenden Beschaffungskosten. Entscheidend sei, dass die Bundesregierung die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffe, „um die Handlungsfähigkeit der relevanten Akteure sicherzustellen und die Märkte und Gasversorgung zu stabilisieren“. Hierzu gehöre eine Präzisierung der Preisanpassungsklausel des Energiesicherungsgesetzes. Sollte die Netzagentur eine erhebliche Reduktion der Gasimportmengen feststellen, „sollten die Mehrkosten aus einer Ersatzbeschaffung für wegfallende Gasimporte gleichmäßiger und berechenbarer verteilt werden“, verlangte Eon. 

          Stadtwerke warnen vor Aktivierung der Preisklausel

          Der Branchenverband der Energiewirtschaft BDEW lobte die Ausrufung der Alarmstufe. „Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung“, sagte Verbandschefin Kerstin Andreae. Auch sie lenkte den Blick auf die steigenden Großhandelspreise und die höheren Einkaufskosten der Versorger. „Die Handlungsfähigkeit der Unternehmen muss bei Bedarf sehr kurzfristig gesichert werden können, damit sie die erforderlichen Gasmengen trotz extrem steigender Börsenpreise beschaffen und liefern können.“

          Die Stadtwerke lobten, dass die Regierung nicht sofort die Preisklausel aktiviert habe. „Dies hätte drastische Auswirkungen auf die Verbraucher“, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen. Zudem könnten die dadurch entstehenden Belastungen je nach Anteil russischen Gases in den Lieferverträgen für einzelne Kunden extrem unterschiedlich hoch ausfallen. Die Preise müssten schon auf der Importstufe abgeschirmt werden. „Damit würden die betroffenen Händler und Versorgungsunternehmen in die Lage versetzt, ihre Lieferverpflichtungen zu den vereinbarten Konditionen aufrechtzuerhalten.“ Die Finanzierung könne zum Beispiel über eine Mischung aus Umlage und staatlichem Zuschuss erfolgen.

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