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Notenbanken : Osterweiterung bläht Eurosystem auf

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Die Notenbanken im Eurosystem haben mehr als 56.000 Mitarbeiter. Andere Staaten sind viel sparsamer. Mit der Osterweiterung der EU droht eine weitere Aufblähung des Zentralbankapparats.

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          Mit der Osterweiterung droht der Europäischen Union eine weitere Aufblähung ihres Zentralbanksystems. Nach Erhebungen der britischen Fachpublikation „Central Banking“ wächst die Zahl der Notenbankangestellten auf rund 70.000 Angestellte. Das sind mehr als drei Mal so viel wie in den Vereinigten Staaten.

          Das Fed-System in den Vereinigten Staaten beschäftigt derzeit rund 23.400 Menschen. Allein die zwölf Notenbanken im Euro-Raum plus die Europäische Zentralbank (EZB) haben dagegen schon knapp 56.600 Mitarbeiter. Bei einem Beitritt der zehn Staaten der anstehenden Erweiterungsrunde zur Währungsunion würde die Zahl der Notenbanker im Eurosystem um weitere rund 14.000 wachsen.

          Die Aufgaben der Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantik sind nicht hundertprozentig identisch. Dennoch lassen die Zahlen die Überbesetzung der europäischen Zentralbanken deutlich werden. In den Vereinigten Staaten gibt es statistisch gesehen 8,4 Notenbanker pro 100.000 Einwohner, das ist gerade der weltweite Durchschnitt. Im Eurosystem sind es hingegen 18,5 Notenbanker pro 100.000 Einwohner. Nach einer Osterweiterung der Währungsunion wären es immer noch 18,3 Notenbanker auf 100.000 Menschen.

          Laut der Berechnungen von Central Banking müssten die Euro-Staaten schon jetzt 25.700 Beschäftigte vor die Tür setzen, wollten sie die Zahl der Notenbanker - gemessen an der Bevölkerung - auf den weltweiten Durchschnitt senken.

          Überbesetzung auch in Deutschland

          Die Überbesetzung des Eurosystems mit Notenbankern ist seit Jahren bekannt. Dennoch ist bislang vergleichsweise wenig geschehen, um die Personalstärke zu reduzieren. Die Deutsche Bundesbank hat im vergangenen Jahr angekündigt, ihren Personalbestand von derzeit rund 16.000 Angestellten um mehr als zehn Prozent zu verringern. Das soll über mehrere Jahre ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen.

          Gemessen am Personal ist die Bundesbank derzeit die größte Notenbank im Eurosystem, vor der Banque de France mit knapp 15.900 Beschäftigten. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl aber schneidet die Bundesbank besser ab: Die Banque de France beschäftigt rechnerisch 26,6 Notenbanker pro 100.000 Einwohner, die Bundesbank nur 19,3. Frankreich liegt damit im Euro-Raum auf Platz 3, Deutschland auf Platz sechs.

          Spanien und die Niederlande sind bei diesem Vergleich im Euro-Raum am sparsamsten. Sie beschäftigen nur 7,6 und 10,1 Notenbanker pro 100.000 Einwohner.

          Zum Eurosystem zählen die - derzeit zwölf - Notenbanken der Staaten, die der Europäischen Währungsunion beigetreten sind, plus die Europäische Zentralbank. Die EZB hat knapp 1.100 Beschäftigte. Die vergleichsweise geringe Zahl liegt daran, dass die Umsetzung der von der EZB beschlossenen Geldpolitik konkret von den nationalen Notenbanken vor Ort durchgeführt wird.

          Die Fachpublikation Central Banking hat ihre Analyse im Central Bank Directory 2003 veröffentlicht.

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