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Notenbank Fed warnt : Amerika erlebt schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten

  • Aktualisiert am

Fed-Chef Jerome Powell bei einer Pressekonferenz im März. Bild: AP

Die Corona-Pandemie hat Amerika weiter fest im Griff. Die Notenbank will die größte Volkswirtschaft der Welt nun mit Notprogrammen stützen – und greift dabei zu noch extremeren Krisenmaßnahmen als 2008.

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          Die Notprogramme der amerikanischenNotenbank sollen die amerikanische Wirtschaft stabilisieren, aber entscheidend wird letztlich die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sein. Das war am Mittwoch die klare Warnung der Notenbank Federal Reserve (Fed) mit Blick auf den weiteren Ausblick für die größte Volkswirtschaft der Welt. Die Fed sei weiter entschlossen, ihre „volle Bandbreite an Werkzeugen“ einzusetzen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern, teilte die Zentralbank mit.

          Wachstum und Beschäftigung hätten seit dem Höhepunkt der Pandemie in Amerika wieder etwas zugelegt, seien aber immer noch deutlich unter dem Niveau vom Jahresbeginn, betonte die Fed. „Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen“, sagte Notenbankchef Jerome Powell. Die Pandemie werde weiterhin „schwer auf der Wirtschaft lasten“, warnte die Zentralbank. Der Leitzins verbleibe wegen der Krise bis auf Weiteres in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent, hieß es.

          Powell warnte, ohne eine Eindämmung des Virus sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung „unwahrscheinlich“. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sei die schwerste seit Jahrzehnten, sagte er. Die Fed werde ihre Notprogramme daher für die Dauer der Krise weiterführen, um sicherzustellen, dass sich die Wirtschaft „so bald wie möglich“ wieder erholen werde, sagte Powell. Es brauche womöglich auch weitere fiskalische Unterstützung, sagte Powell – ganz offenbar in Anspielung auf die laufenden Verhandlungen im Kongress für ein weiteres Konjunkturpaket.

          Finanzielle Unterstützung, um die Miete zu zahlen

          Mit Blick auf das zum Monatsende auslaufende erhöhte Arbeitslosengeld sagte Powell, viele Menschen im Land bräuchten weiter Unterstützung. Die Höhe sei Sache des Kongresses, es sei aber klar, dass angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosenquote viele Leute Hilfe bräuchten, um ihre Miete und sonstige Rechnungen bezahlen zu können. Die Republikaner von Präsident Donald Trumps und die Demokraten verhandeln derzeit über eine Verlängerung des erhöhten Arbeitslosengeldes und ein weiteres Konjunkturpaket. Powell betonte mit Blick auf die Pandemie, der wirtschaftliche Ausblick sei weiter „außergewöhnlich unsicher“.

          Die Fed hat wegen der Corona-Krise seit Ende Februar bereits Notprogramme zum massiven Ankauf von Anleihen und zur Kreditvergabe aufgelegt, um die Finanzmärkte und die Realwirtschaft zu stabilisieren. Die Fed hatte erst am Dienstag mitgeteilt, dass mehrere der Kreditprogramme angesichts der anhaltenden Pandemie bis zum Jahresende verlängert würden. Am Mittwoch hieß es zudem, dass auch die milliardenschweren Dollar-Kreditlinien für ausländische Zentralbanken bis Ende März nächsten Jahres verlängert würden. Experten zufolge sind die Krisenmaßnahmen der Fed bereits umfassender als jene nach der globalen Finanzkrise 2008/2009.

          Die Zuspitzung der Pandemie im März und April hatte Amerika in eine schwere Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit gestürzt. Im Mai und im Juni gab es in der größten Volkswirtschaft der Welt bereits wieder Zeichen einer Erholung. Seit Ende Juni hat die Zahl der Neuinfektionen allerdings wieder dramatisch zugenommen, was zu neuerlichen Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat. Betroffen sind vor allem Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes, in denen aber rund ein Drittel der Bevölkerung lebt.

          Wirtschaftseinbruch von bis zu 40 Prozent erwartet

          Derzeit werden in Amerika täglich rund 60.000 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen knapp 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Am Mittwochabend erreichte das Land die Marke von 150.000 mit dem Virus verbundene Todesfälle.

          Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 11,1 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen. Im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft bereits leicht, aktuelle Daten zum zweiten Quartal werden an diesem Donnerstag erwartet. Analysten erwarten auf das Jahr hochgerechnet einen Einbruch von etwa 30 bis 40 Prozent. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das etwa einem Minus zwischen 9 und 12 Prozent. Powell warnte, die Daten zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal könnten einen historischen Negativrekord darstellen.

          Parlament und Regierung haben seit Beginn der Krise bereits Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen Dollar beschlossen, was mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.

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