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Noten auf dem Tablet : Die Hausmusik wird digital

  • -Aktualisiert am

Für zu Hause sehr praktisch: Noten auf dem iPad Bild: Getty

Noten für Musikstücke kommen aus dem Internet. Bald spielt auch das Orchester vom iPad. Doch digitale Noten haben gerade für professionelle Musiker oft noch entscheidende Nachteile gegenüber Papierausgaben.

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          Da war dieser Abend, an dem Jan Rosseels Frau schon wieder frustriert von der Orchesterprobe nach Hause kam. Zuerst hatte einer ihrer Mitspieler seine Noten verlegt, dann fehlten hier ein paar Blätter, dort eine ganze Stimme: ein einziges Chaos. Der Ingenieur und Musiker Rosseel fragte sich daraufhin, warum man in unserem digitalen Zeitalter nicht musizieren kann, ohne dabei mit Papier zu hantieren. Als Posaunist hatte der 50 Jahre alte Rosseel im Orchester viel Zeit zum Nachdenken, denn Posaunen spielen nur selten und haben viele Pausen.

          Jonas Jansen
          (joja.), Wirtschaft

          Zweieinhalb Jahre später bringt sein belgisches Unternehmen Scora jetzt vier Tabletcomputer in verschiedenen Größen heraus, als digitale Notenständer für Orchester. Die Musiker haben Hunderte Notensätze auf diese Weise immer dabei, können eigene Notizen in ihre Stimme schreiben – und wenn der Dirigent zu Takt 435 springt, synchronisiert sich jedes Gerät automatisch mit.

          Das Alumni-Orchester in der belgischen Universitätsstadt Löwen hat Rosseel testweise mit den digitalen Noten ausgestattet, zwanzig Konzerte hat es seit September 2013 damit gespielt. Probleme mit der Hardware und der Software habe es dabei nicht gegeben, sagt Rosseel. „Die Musikverlage werden sich anpassen müssen“, glaubt er. „In zehn Jahren wird eine Generation von Musikern herangewachsen sein, die nicht mehr versteht, warum man Noten überhaupt auf Papier lesen soll.“

          Wer zu Hause übt und musiziert, macht das vielfach schon heute mit dem iPad auf dem Notenständer. Programme für Tablets von Musikern gibt es genug, das wohl bekannteste heißt Forscore und steht bereits seit fünf Jahren gratis im App Store von Apple. Hunderttausende haben es sich heruntergeladen. Langsam ziehen auch die traditionellen Musikverlage nach, um nicht vollends abgehängt zu werden. Ob bei C.F. Peters in Leipzig, bei Schott in Mainz oder bei Bärenreiter in Kassel: Überall finden Musiker digitale Kioske oder Tablet-Apps zum Herunterladen. Das Problem der Musikverlage ist nur: Sie verkaufen dort fast nichts.

          Umsätze noch gering

          Die Umsätze mit dem digitalen Geschäft seien noch sehr gering, heißt es etwa bei Schott. Allenfalls spezielle Liebhaber sind bisher zu der jüngsten App vorgedrungen, die den beliebten Katalog der Standardwerke namens Eulenburg abbildet. Gleichzeitig stagnieren die Umsätze mit den traditionell gedruckten Notenausgaben, in Zukunft werden sie vermutlich sogar sinken. Im Gegenzug erwarten die Musikverlage eine steigende Nachfrage nach digitalen Noten. „Statt zu jammern, müssen wir Verlage aktiv werden“, sagt Schott-Geschäftsführer Peter Hanser-Strecker. Auf seiner eigenen Download-Plattform Notafina bietet der Musikverlag inzwischen mehr als 30000 Notenausgaben von 23 Verlagen an.

          Doch das Gros seines Umsatzes macht Schott nach wie vor mit dem traditionellen Notengeschäft. Gerade die großen Orchester, mit denen der Verlag langfristige Verträge hat, leihen sich noch immer Notensätze aus und spielen bei Aufführungen vom Papier. Bislang nutzt es den Verlagen, dass viele klassische Musiker Traditionalisten sind, die lieber dem Bewährten vertrauen.

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