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Bohrinseln in der Nordsee : Das grünste Öl der Welt

Plattform im norwegischen Statfjord-Ölfeld Bild: Fred Dott

Die Norweger leben vom schmutzigen Öl. Zur Beruhigung ihres Gewissens versorgen sie jetzt wenigstens die Bohrinseln mit Ökostrom.

          8 Min.

          Was macht der Drogendealer, wenn er Gewissensbisse bekommt? Wenn das Elend seiner Kundschaft ihm, der sich selbst kerngesund ernährt und täglich Sport treibt, die Lust am eigenen Wohlergehen vertreibt? Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder er hört auf mit seinem Geschäft und gibt den Junkies nichts mehr von dem gefährlichen Stoff, von dem sie längst abhängig sind. Oder er macht damit weiter wie gehabt, sorgt aber zur moralischen Entlastung dafür, dass seine Ware die reinste auf der Welt ist, nach den strengsten Vorschriften und mit den edelsten Zutaten hergestellt. Eine Droge mit einer sauberen Weste.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Norwegen ist so ein Dealer mit Gewissensbissen. An der rauhen Nordseeküste, zwischen Fjorden und Schären, kann man auf einer felsigen Landspitze namens Kårstø besichtigen, für welche der beiden Möglichkeiten sich Norwegen entschieden hat. Dort steht seit kurzem eine turnhallengroße Trafostation, von außen maximal unscheinbar. Doch sie hat es in sich. Denn von ihr aus führt ein dickes Stromkabel auf dem Meeresgrund rund 200 Kilometer hinaus nach Westen, zu einer Ölbohrinsel, die kommendes Jahr in Betrieb genommen werden soll. Es wird dann die erste ihrer Art sein, die komplett mit Strom vom Land versorgt wird. Genauer gesagt: mit Ökostrom, klimafreundlich erzeugt in den Wasserkraftwerken hoch oben in den norwegischen Bergen. Das Öl, das diese Bohrinsel künftig an die Erdoberfläche bringen soll, wird das grünste Öl sein, das es gibt auf der Welt.

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