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Nord Stream 2 : Russland wirft Amerika „Aggression“ vor

  • Aktualisiert am

Das Rohrverlegeschiff Akademik Cherskiy, mit dem Russland den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 abschließen könnte, in der Nähe des Ostseehafens Baltijsk in der Region Kaliningrad am 3. Mai 2020 Bild: Reuters

Das russische Außenministerium kritisiert die Forderung der amerikanischen Botschafterin in Berlin, die Bundesregierung solle den Weiterbau der Pipeline verhindern. Der Aufruf sei eine „politische Aggression und illegaler Widerstand“.

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          Im Ringen um die Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2 hat Russland den Vereinigten Staaten ein illegales und aggressives Verhalten vorgeworfen. Das Außenministerium in Moskau reagierte mit Kritik auf amerikanische Forderungen an die Bundesregierung, den Weiterbau des fast fertigen Milliardenprojekts zu verhindern.

          Der Aufruf der geschäftsführenden amerikanischen Botschafterin in Berlin, Robin Quinville, sei eine „politische Aggression und illegaler Widerstand“ gegen die Gasleitung, schrieb Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa bei Facebook. Wegen amerikanischer Sanktionen war der Bau von Nord Stream 2 vor einem Jahr gestoppt worden. Es drohen nun weitere US-Sanktionen. Die Bundesregierung unterstützt den Bau der Leitung.

          Seit Jahrzehnten versuchten die Vereinigten Staaten, russische Leitungen ungeachtet gültiger Verträge zu verhindern, kritisierte Sacharowa. Sie forderte Washington auf, sich an die internationalen Regeln zu halten.

          Die Diplomatin Quinville hatte dem „Handelsblatt“ (Samstag) gesagt: „Jetzt ist der Zeitpunkt für Deutschland und die EU, ein Moratorium für den Bau der Pipeline zu verhängen.“ Dies würde ein deutliches Zeichen setzen, dass Europa „das anhaltende bösartige Verhalten Russlands nicht länger hinnimmt“. Die Pipeline sei nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern das politische Werkzeug des Kremls, um die Ukraine zu umgehen und Europa zu spalten.

          Russland will Pipeline mit eigenen Schiffen weiterbauen

          Nach dem Abzug westlicher Spezialschiffe wegen der amerikanischen Sanktionen will Russland die Leitung selbst fertig bauen, wie Kremlchef Wladimir Putin betont hatte. Russland setzt dafür eigene Schiffe ein, die laut Radaren am Sonntag nahe der deutsch-dänischen Seegrenze zu sehen waren. Demnach handelte es sich um das Verlegeschiff „Akademik Tscherski“ sowie die Schiffe „Iwan Sidorenko“ und „Finwal“.

          Dort sind Arbeiten für ein 2,6 Kilometer langes Teilstück der Pipeline geplant. Die Nord Stream 2 AG hat dafür seit langem eine Genehmigung vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Die Erlaubnis ist aber nur noch bis Ende des Jahres gültig. Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zu den Arbeiten.

          Die etwa 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline ist zu 94 Prozent fertig. Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden. Die Vereinigten Staaten sind gegen das Projekt und begründen dies mit zu großer Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von russischem Gas. Kritiker werfen den Vereinigten Staaten dagegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen.

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