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Nord Stream 2 : Russland sucht ein Ersatzschiff

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Abgezogen: Das Pipelineschiff „Solitaire“ auf einem älteren Foto Bild: EPA

Aus Angst vor Sanktionen steht der Bau der Ostseepipeline still, das Verlegeschiff „Solitaire“ wurde abgezogen. Laut einer russischen Zeitung könnte das geheimnisvolle Spezialschiff „Akademik Tschersky“ einspringen.

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          Russland sucht nach dem Stopp der Bauarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 2 zur Fertigstellung der letzten 160 Kilometer nach einem Spezialschiff für die Verlegung der Röhren.

          Am ehesten sei es wohl möglich, die „Akademik Tschersky“ aus dem äußersten Osten Russlands in die Ostsee zu bringen, berichtete die Staatszeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Dienstag. Das Schiff könne allerdings erst in einem Monat dort sein. Amerikanische Sanktionen hatten zu einem Stopp der Bauarbeiten geführt. Die Leitung kostet fast zehn Milliarden Euro.

          Die Schweizer Firma Allseas, die im Auftrag des Konsortiums Nord Stream 2 mit Spezialschiffen die Röhren in der Ostsee verlegte, hatte die Arbeiten wegen der Sanktionen eingestellt. Rund 2300 Kilometer sind bereits verlegt. Weltweit im Internet abrufbare Schiffsradare zeigten am Dienstag, dass das etwa von Allseas eingesetzte Schiff „Solitaire“ auf dem Weg in Richtung Rügen war. Es war unklar, ob die Firma irgendwann wieder die Arbeiten aufnimmt.

          Russland lotet deshalb offenbar andere Möglichkeiten aus. Das Spezialschiff „Akademik Tschersky“ lag zuletzt im fernöstlichen Hafen Nachodka im Japanischen Meer. Das vor Rügen liegende Schiff „Fortuna“ dagegen ist nach russischen Angaben zwar in ufernahen Zonen einsetzbar, aber nicht in den Ostsee-Tiefen.

          In Singapur beschlagnahmt

          Nach einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ wurde die „Akademik Tschersky“ unter dem Namen „Jacson 18“ gebaut und sollte eigentlich schon 2014 vor der nigerianischen Küste zum Einsatz kommen. 2016 dann soll das Schiff jedoch im Hafen von Singapur beschlagnahmt worden sein, weil der damalige Besitzer seine finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber der chinesischen Werft nicht erfüllen konnte. Anschließend erwarb der russische Energikonzern Gazprom das Schiff.

          Hier verläuft Nord Stream 2

          Laut NZZ-Bericht habe Gazprom die „Akademik Tschersky“ gekauft, um die Abhängkeit des Unternehmens von ausländischen Baufirmen zu reduzieren. „Auf dem Papier“ erfülle das Schiff alle dafür nötigen Anforderungen, besitze also ein modernes Positionierungssystem und könne Rohre im Durchmesser von bis zu 60 Zoll verlegen. Gazprom soll im Herbst angekündigt haben, dass das Schiff in die Ostsee verlegte werden könne, sobald die Schweißanlage repariert sei.

          Wenn Gazprom ein eigenes Schiff einsetzt, könnte das Unternehmen zum direkten Ziel der amerikanischen Sanktionen werden. Ein nachhaltige Lösung aus Sicht von Gazprom dürfte daher in erster Linie durch Verhandlungen erreicht werden.

          Die russische Schiffbauholding OSK teilte mit, dass es Jahre dauern würde, ein leistungsfähiges Schiff zu projektieren und neu zu bauen. Staatsmedien in Moskau berichteten, dass ein solches Schiff von China oder einem anderen asiatischen Land gekauft werden könne.

          Die von den Sanktionen verursachten Mehrkosten für den Fertigbau bezifferten Moskauer Analysten in der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ auf einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag. Der Bau verzögert sich nach russischen Regierungsangaben um mehrere Monate. Ursprünglich sollte die Leitung Ende dieses Jahres fertig sein.

          Die Vereinigten Staaten führten mit ihren Sanktionen einen „Wirtschaftskrieg“, sagte die Chefin des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko, am Dienstag. Es sei absurd, dass das Land gegen ein Infrastrukturprojekt in Europa vorgehen könne. Russland hatte Gegensanktionen angekündigt.

          Die Vereinigten Staaten sehen ihr Vorgehen dagegen im Einklang mit europäischen Interessen. Sie warnen vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas. Mehrere EU-Staaten und die Ukraine sind gegen die Pipeline. Amerika wiederum steht in der Kritik, nur sein eigenes, teuer produziertes Flüssiggas in Europa verkaufen zu wollen.

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