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Nord Stream 2 : Europa ist schwach und zerstritten

Das aus Russland kommende Verlegeschiff ist mittlerweile in der Ostsee angekommen. Bild: dpa

Ja, Amerika geht zu weit im Streit um die fast fertig gebaute Nord-Stream-Gasleitung. Es kommt damit aber durch.

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          Altkanzler Gerhard Schröder bescherte dem Wirtschaftsausschuss des Bundestags am Mittwoch deutlich mehr Aufmerksamkeit als sonst. Das lag an Schröders Prominenz, an seiner umstrittenen Rolle als „Kreml-Lobbyist“, aber auch an dem, was er sagte: Als Einziger unter den Sachverständigen sprach er sich klar dafür aus, die Sanktionen der Amerikaner gegen die Ostseepipeline Nord Stream 2 mit Gegensanktionen zu beantworten.

          Schröder fällt das leicht. Er trägt keine politische Verantwortung mehr, und er ist Verwaltungsratsvorsitzender bei Nord Stream 2.

          Alle anderen Fachleute, Abgeordneten und Regierungsmitglieder taten sich schwer mit der Frage, wie Deutschland und Europa auf die Androhung aus Washington reagieren sollten – die übrigens keine des Weißen Hauses, sondern des Kongresses ist. Man verwies hilflos darauf, dass Europa mit einer Stimme sprechen müsse.

          Das wird kaum geschehen, da Nord Stream 2 in der EU hoch umstritten ist. Ja, Amerika geht zu weit, kommt damit aber durch, weil Europa schwach und zerstritten ist. Die Erkenntnis ist ebenso schmerzlich wie wahr: Die Starken machen die Regeln, die EU gehört nicht dazu.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

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