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Nobelpreisträger : Oliver Williamson gestorben

Oliver Williamson (1932-2020). Bild: AFP

Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Wie groß sollen sie sein? Oliver Williamson hat für seine Antworten den Nobelpreis bekommen.

          1 Min.

          Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Wenn Märkte so toll sind, warum verkaufen Ingenieure und Juristen ihre Leistung nicht direkt am Markt und finden sich immer wieder zu gemeinsamen Projekten zusammen? Warum kaufen Kraftwerke ihren Brennstoff nicht immer wieder ganz offen auf dem Markt ein, sondern bilden langfristige Beziehungen zu einzelnen Lieferanten – oder schließen sich Bergwerke und Kraftwerke sogar zu einem Unternehmen zusammen?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Antwort ist einfach: Weil die Verhandlungen auf dem Markt manchmal ziemlich aufwändig sind. Und weil Verträge zwischen unabhängigen Leuten halt doch manches offen lassen, so dass persönliche Beziehungen und auch Hierarchien wichtig sind. Manchmal hat die Planwirtschaft innerhalb von Unternehmen doch ihre Vorteile.

          Deshalb sind Fusionen nicht immer schlecht, auch wenn sie den Wettbewerb schwächen – der Verbraucher kann auch davon profitieren, wenn das zusammengeschlossene Unternehmen die Güter künftig billiger produzieren kann. Solche Abwägungen gibt es in Fusionsverfahren ständig, die Kartellbehörden kennen sie als „Williamson Trade-Off“.

          Es war nämlich der Ökonom Oliver Williamson, der solche Überlegungen schon in den siebziger und achtziger Jahren angestellt hat und damit nicht nur die Arbeit von Kartellbehörden verändert hat. „Sein Einfluss kann auf der ganzen Welt gesehen werden, von der Deregulierung des Elektrizitätssektors in Kalifornien bis zu Investitionen in Osteuropa“, heißt es von der Universität in Berkeley, wo er von 1988 an lehrte.

          Für seine Überlegungen bekam Williamson im Jahr 2009 den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften – zusammen mit Elinor Ostrom, der ersten weiblichen Gewinnerin; beide hatten andere Organisationsformen der Wirtschaft als den Markt untersucht. Wie die Universität in Berkeley mitteilt, ist Williamson am Donnerstag im Alter von 87 Jahren an Komplikationen einer Lungenentzündung gestorben, nachdem sich sein Gesundheitszustand schon eine Weile verschlechtert hatte.

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