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Wirtschaftsnobelpreis : Ihre Forschung hilft der ganzen Welt

Robert Wilson (links) und Paul Milgrom erhalten den diesjährigen Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Ökonomie. Bild: EPA

Die Stanford-Ökonomen Paul Milgrom und Robert Wilson erhalten den Nobelpreis für Ökonomie. Jeder, der ein Handy nutzt, profitiert von ihrer Arbeit.

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          Wenn der Normalbürger das Wort „Auktionen“ hört, denkt er vermutlich erst an Ebay und dann an Christie’s und Sotheby’s. Regierungen denken an Funkfrequenzen, Strombörsen, Fangquoten für Fische, Landeplätze für Flugzeuge oder Zertifikate für CO2-Emissionen. Das ist ein Verdienst der Ökonomen Paul Milgrom und Robert Wilson. Sie haben eine theoretische Grundlage für Auktionen entwickelt und dazu beigetragen, dass ihre Theorie in der Praxis Anwendung findet. Für Millionen Menschen auf der Welt ist das im täglichen Leben von enormer Bedeutung. Für all das wurden sie in diesem Jahr mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis ausgezeichnet.

          Maja Brankovic
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.
          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Auktionen gibt es heute im Wirtschaftsleben fast überall. Facebook und Google verkaufen Anzeigenplätze auf diese Weise, der Preis für Strom, Telekommunikation und unzählige weitere Güter entsteht durch Bieterverfahren. „Jeden Tag werden mit solchen Auktionen astronomische Werte zwischen Käufern und Verkäufern bewegt. Sie haben Auswirkungen auf uns alle, vielleicht mehr, als wir denken“, erklärte der Vorsitzende des für den Wirtschaftsnobelpreis zuständigen Komitees, Peter Fredriksson, am Montag. Von den Entdeckungen der beiden Ökonomen „haben Verkäufer, Käufer und Steuerzahler auf der ganzen Welt profitiert“.

          Ein Beispiel ist die Energiewende. Als Deutschland feste Preise für die Einspeisung von Ökostrom zahlte, schnellten die Kosten in die Höhe. Seitdem Versteigerungen über die Einspeisung entscheiden, sind die Kosten stark gefallen – was gut für die Endkunden war. Aus ökonomischer Sicht sind Auktionen essentiell, weil sie Wettbewerb schaffen, zu einer effizienten und fairen Verteilung von Gütern führen können und Informationen zur Zahlungsbereitschaft liefern. Alles zusammen erhöht die gesellschaftliche Wohlfahrt. „Wie die Auktionen aufgebaut sind, ist extrem wichtig dafür, ob es auf Märkten zu guten Ergebnissen kommt“, sagte der Kölner Ökonom Axel Ockenfels, ein in Deutschland führender Forscher in diesem Bereich.

          Große Unternehmen, Regierungen und Behörden suchen den Rat der sogenannten Marktdesigner, wenn beispielsweise 5G-Lizenzen zu versteigern sind oder Unternehmen sich fragen, wie sie Preise optimal bestimmen. Milgrom und Wilson entwickelten unter anderem das Design der ersten „Spektrumsauktion“ in den Vereinigten Staaten, die 1993 von der amerikanischen Behörde für Telekommunikationsregulierung durchgeführt wurde. Eine wegweisende Arbeit, wie der Mannheimer Wettbewerbsökonom Achim Wambach erklärt. „Milgrom und Wilson haben gezeigt, dass die ökonomische Theorie auch in der Praxis funktioniert. Und sie haben damit den Standard für die Versteigerung von Telekommunikations-Frequenzen gesetzt.“

          Sie können auch in der Corona-Krise helfen

          Auch akut, in der Corona-Krise, können Auktionen helfen. In Notsituationen wie dieser kommt es nicht immer darauf an, den maximalen Wettbewerb zu schaffen und die höchsten Preise zu bekommen. Die Verteilung wichtiger medizinischer Güter während der Corona-Krise ist dafür ein Beispiel. Preisträger Wilson, Ockenfels und andere Spitzenökonomen haben für solche Fälle kürzlich einen Vorschlag vorgelegt und gezeigt, wie knappe Gesichtsmasken und Beatmungsgeräte dahin geliefert werden können, wo sie am dringendsten gebraucht werden, ohne dass die Preise in den Himmel schießen. Die Autoren seien von der Politik schon konsultiert worden, sagt Ockenfels. Sollte die Corona-Krise noch lange andauern, könnte das dringend nötig werden.

          Weggefährten bezeichnen Milgrom und Wilson als „Pioniere“ und beschreiben sie als sehr angenehme, bescheidene Menschen. Robert Wilson sei eher ein Akademiker, der sich immer mittwochs zum Wandern zurückziehe, erzählt der Kölner Ockenfels. Der 1937 geborene Amerikaner lehrte viele Jahre an der Universität Stanford in Kalifornien, ist aber mittlerweile emeritiert. Sein Kollege Milgrom, Jahrgang 1948, sei sehr „umtriebig“ und damit extrem einflussreich. Mit seinen Arbeiten, die mehr als 100.000-mal von anderen Wissenschaftlern zitiert wurden, löse er beispielsweise auch Probleme in verwandten Disziplinen wie der Informatik. Er gilt als Spezialist für Spieltheorie, zu deren wichtigsten Anwendungsgebieten die Auktionstheorie zählt. Für die Auszeichnung aus Stockholm wurden Milgrom und Wilson schon länger als aussichtsreiche Kandidaten gehandelt. Ockenfels berichtet, wie er im Vorfeld einer Familieneinladung zum Abendessen bei Paul Milgrom in Stanford vor einigen Jahren zu seinem Sohn sagte: „Schau dich um, dieser Mann bekommt bald den Nobelpreis.“

          Mit der Auszeichnung für Milgrom und Wilson bleibt die Schwedische Akademie sich treu. Das Komitee hat traditionell eine Vorliebe für die Arbeiten der Theoretiker der Zunft, die sich mit grundlegenden ökonomischen Fragestellungen beschäftigen, aber auch großen Einfluss auf die Praxis haben. Ebenfalls bedeutend ist die Rolle der Preisträger als Mentoren für jüngere Ökonomen: Der 83 Jahre alte Wilson ist so etwas wie der Pate der Nobelpreisträger: Zwei seiner Schüler, Alvin Roth und Bengt Holmström, wurden in den Jahren 2012 und 2016 mit dem Preis geehrt, auch Paul Milgrom hat im Jahr 1979 bei Wilson promoviert – zur Auktionstheorie. Zu Milgroms bekanntesten Schülern gehört Susan Athey. Die Stanford-Professorin ist Trägerin der prestigeträchtigen John-Bates-Clark-Medaille, mit der die amerikanische Ökonomenvereinigung AEA hervorragende Wirtschaftsforscher unter 40 Jahren auszeichnet.

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