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Nobelpreis : Der Wirtschafts-Nobelpreis ist eine umstrittene Auszeichnung

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Das Element der Willkür

Auch Paul Samuelson vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) war skeptisch. Zehn Jahre bevor die schwedische Nationalbank den Preis stiftete, hatte sie ihn nach seiner Meinung gefragt. Und Samuelson warnte, daß "die Vergabe von Anerkennungen an eine Elite eine größere Gruppe von preiswürdigen Wissenschaftlern von der Ehre ausschließen würde, deren Forschungsergebnisse sich in Qualität und Quantität jedoch nur wenig, wenn überhaupt, unterschieden", wie er in einem Vortrag für das Lindauer Nobelpreisträgertreffen Anfang September formulierte.

Das Element der Willkür in den Entscheidungen des Nobel-Komitees ist von Belang, weil der Preis mit Abstand die am höchsten dotierte Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaftler darstellt und damit auch öffentlich eine Alleinstellung genießt. Den inhaltlichen Signalen der Preisentscheidung ist somit wenig entgegenzusetzen. Diese Signale sind vielschichtig. So gilt es zwar als Handicap für einen Preisanwärter, wenn er sich politischer Polemik bedient. Umgekehrt jedoch hat das Komitee in der Vergangenheit durchaus eine leichte Präferenz für Ökonomen bewiesen, die sich links von der politischen Mitte befinden, wie Samuelson bestätigt. Wäre der Preis von Nobel selbst gestiftet, könnte man sich an diesem Befund zwar ebenfalls reiben. Allerdings handelte es sich dann um privates Geld. Bei einem von der Nationalbank gestifteten Preis kann man das anders sehen.

In der engeren Wahl

Das Auswahlverfahren selbst ist klar definiert, aber hermetisch abgeschottet. Vor der Preisvergabe holt das Nobel-Komitee an der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften - dem derzeit unter Vorsitz des Ökonomieprofessors Torsten Persson neun schwedische Mitglieder angehören - Hunderte von Nominierungen aus der Fachwelt ein. Diese bleiben fünfzig Jahre lang geheim. Da der erste Wirtschafts-Nobelpreis erst 1969 verliehen wurde, muß die Öffentlichkeit bis 2019 warten, bis der erste Blick hinter die Kulissen möglich wird. Aus den vielen Vorschlägen sortieren Fachleute Kandidaten der engeren Wahl heraus. Das Nobel-Komitee wählt dann daraus aus. Die im Vergleich zu den meisten anderen Fachkomitees recht große Mitgliederzahl reduziert das Risiko einer ideologischen oder fachlichen Vorfestlegung. Die Wahl des Komitees ist formell nur ein Vorschlag, der dann am Vormittag der Verkündung der Preisvergabe der gesamten Königlich Schwedischen Akademie zur mehrheitlichen Entscheidung unterbreitet wird.

Das Nobel-Komitee folgt der Regel, daß die wissenschaftliche Leistung "spezifisch", praktisch wertvoll, originell und solide sein soll. Über alle diese Kriterien läßt sich streiten, über ihre Auslegung wie über ihre Erfüllung. Am heikelsten ist die "Spezifität". In den vergangenen Jahren ist das Komitee zu einer Auslegung übergegangen, die nahelegte, eher einzelne Schritte in der Theorieentwicklung zu honorieren als ein umfangreiches Lebenswerk. Folglich gehen immer mehr Preise an Gruppen statt an einzelne Wissenschaftler.

Daß große Ideen selten einem einzelnen Kopf entspringen, ist nachvollziehbar - wie auch jetzt wieder mit Finn Kydland und Edward Prescott, die auch gemeinsam publiziert haben. Doch die Verengung auf einzelne, mitunter hochtechnische Fortschritte ist nicht so leicht zu rechtfertigen. "Wenn kein glücklicher Apfel auf Ihren Kopf fällt, gehen Sie leer aus", spottete Samuelson in seinem Lindauer Essay und warb für die Anerkennung einer "vielfältigen Rundum-Exzellenz". Viel Erfolg wird er mit seiner Kritik auf Dauer nicht haben. Bei Peter Englund, dem Sekretär des Nobel-Komitees, rief die Rüge, das Komitee verliere sich zunehmend in den technischen Details der Ökonomie, nur ein wenig amüsiertes Stirnrunzeln hervor.

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