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Ehemaliger Automanager : Nissan verklagt Ghosn auf 83 Millionen Euro Schadenersatz

Unter Druck: Carlos Ghosn Bild: Reuters

Nissan Motor beginnt eine weitere Runde im Streit mit dem früheren Spitzenmanager Carlos Ghosn. Das Unternehmen will Entschädigung für Vergünstigungen, die Ghosn sich angeblich widerrechtlich genehmigt haben soll.

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          Der japanische Autohersteller Nissan Motor verklagt den ehemaligen Unternehmenschef Carlos Ghosn auf Schadenersatz in Höhe von 10 Milliarden Yen (83 Millionen Euro). Wenige Wochen nach der Flucht Ghosns aus Japan erhöht Nissan so den Druck, um finanzielle Schäden durch das behauptete Fehlverhalten des Managers auszugleichen.  

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Dazu gehören unter anderem Zahlungen an eine Schwester Ghosns in Brasilien von mehr als 750000 Dollar, der private Gebrauch von Firmenjets, die Nutzung von Immobilien im Ausland ohne Mietzahlung und Honorare  an Ghosns Anwalt im Libanon.

          Nissan reichte nach eigenen Angaben am Mittwoch eine entsprechende Zivilklage vor dem Bezirksgericht in Yokohama ein. Das Unternehmen erklärte, die Höhe der Ansprüche gründe im Bruch der treuhänderischen Pflichten Ghosns und seines korrupten und betrügerischen Verhaltens über Jahre. Die beanspruchte Summe von 83 Millionen Euro umfasst auch die Gerichtskosten und die Kosten einer internen Untersuchung des Konzerns, in die über mehrere Monate hunderte seiner Mitarbeiter involviert waren.

          Forderung könnte höher ausfallen

          Die Summe ist eine Untergrenze. Nissan will auch Bußgeldzahlungen an die japanische Finanzaufsicht und mögliche Strafzahlungen rund um die Causa Ghosn einklagen. Schon früher hatte Nissan den gesamten Schaden durch das behauptete Fehlverhalten Ghosns auf bis zu 35 Milliarden Yen (292 Millionen Euro) geschätzt.

          Die neue Zivilklage fügt sich ein in eine Reihe von Gerichtsverfahren zwischen Nissan und dem früheren Spitzenmanager, der am Jahresende 2018 in Japan verhaftet worden war. Ghosn wird von den Strafverfolgungsbehörden in Japan vorgeworfen, er habe in Finanzberichten von Nissan für die Zukunft zugesicherte Einkommenszahlungen verheimlicht und zudem Geld des Unternehmens veruntreut. Der Manager, der Nissan mit seinen Ideen vor 20 Jahren vor dem Untergang rettete und als Architekt der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi Motors gilt, bestreitet die Vorwürfe. Zur Jahreswende war er unter Bruch seiner Kautionsauflagen aus Japan in den Libanon geflohen. Dort muss er als Staatsbürger keine Auslieferung befürchten.

          Klagen in diversen Ländern

          Schon im vergangenen Jahr hatte Nissan Ghosn auf den britischen Virgin-Inseln verklagt, um das Eigentum an einer Luxusjacht oder Schadensersatz zu erlangen. Durch spezielle Finanzvehikel soll Ghosn über die Inseln nicht autorisierte Zahlungen zum Erwerb der Yacht abgewickelt haben. Nissan versucht auch, die Familie Ghosn aus dem Haus im Zentrum Beiruts herauszuklagen. Das Gebäude wurde von Nissan für ungefähr 8,8 Million Dollar gekauft.

          In den Niederlanden klagt Ghosn gegen Nissan auf Entschädigung von 15 Millionen Euro, weil er angeblich widerrechtlich aus der Führungsposition eines Gemeinschaftsunternehmens von Nissan und Mitsubishi Motors herausgeworfen worden sei. Nissan kündigte am Mittwoch weitere Klagen an. Es wolle Ghosn zur Rechenschaft ziehen für seine unbegründeten und verleumderischen Bemerkungen, die er nach seiner Flucht gegenüber Medien gemacht habe.

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