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Japan : Nissan droht ein neuer Finanzskandal

Angeschlagen: Nissan-Chef Hiroto Saikawa gibt Fehlzahlungen zwar zu, macht aber seinen Vorgänger und dessen Mitstreiter verantwortlich. Bild: AP

Konzernchef Saikawa, der Saubermann in der Carlos-Ghosn-Affäre, gerät nun selbst unter Druck. Der Grund: ein zu üppiger Bonus.

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          Der japanische Autobauer Nissan steht vor einem neuen Finanzskandal. Nissan-Chef Hiroto Saikawa hat nach japanischen Medienberichten eingeräumt, dass er ein zu hohes Gehalt erhalten hat. Das Eingeständnis wiegt schwer, weil Saikawa sich in der Affäre um den vor die Tür gesetzten ehemaligen Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Carlos Ghosn, als Saubermann gibt, der aufräumt. Seine Position als operativer Chef gerät damit unter Druck.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In dem Fall geht es um einen erfolgsorientierten Bonus, dessen Wert am Aktienkurs hängt. Im Mai 2013 soll Nissan Saikawa erlaubt haben, eine entsprechende Auszahlung um eine Woche nach hinten zu verschieben, um so von einem höheren Aktienkurs zu profitieren. Nach Informationen der für gewöhnlich gut informierten Wirtschaftszeitung „Nikkei“ soll Saikawa so 47 Millionen Yen (400000 Euro) Gehalt zu viel bezogen haben. Saikawa wird mit den Worten zitiert, er werde alles Geld zurückzahlen, was an das Unternehmen zurückgezahlt werden müsse. Die Fehlzahlungen wurden diese Woche im Rechnungsprüfungsausschuss von Nissan behandelt. Nissan lehnte jeden inhaltlichen Kommentar ab. Teile einer internen Untersuchung würden am 9. September vom Verwaltungsrat beraten, erklärte eine Sprecherin. Darin gehe es auch um die am Aktienkurs hängenden Einkommen.

          Pikanterweise wurden die Vorwürfe gegen Saikawa ursprünglich im Juni vom früheren Nissan-Manager Greg Kelly in einem Interview öffentlich gemacht. Der Amerikaner galt als rechte Hand Ghosns und wurde zusammen mit dem übermächtigen Automanager Ghosn im vergangenen November wegen vermuteter finanzieller Verstöße verhaftet. Saikawa hat nach den Medienberichten die vielen Zahlungen zwar eingeräumt, schiebt die Schuld aber auf das Gespann Ghosn-Kelly. Der jetzige Nissan-Chef sprach von einem Gehaltsschema der Ghosn-Ära. Er und andere Direktoren hätten die Handhabung der Aktienoptionen Kelly überlassen. Das deutet darauf hin, dass Saikawa kein Einzelfall ist. Er selbst sei davon ausgegangen, dass die Zahlungen angemessen erfolgt seien, sagte Saikawa.

          Saikawas Rolle war von Beginn an undurchsichtig

          Ghosn und Kelly sind unter anderem wegen des Vorwurfs angeklagt, sie hätten künftige Gehaltsversprechen an Ghosn in den Finanzberichten Nissans nicht offengelegt. Ghosn, der Nissan zwei Jahrzehnte lang geleitet und die Allianz mit Renault maßgeblich geprägt hatte, wirft die Staatsanwaltschaft in Tokio zudem Veruntreuung und Missbrauch von Unternehmensvermögen vor. Auch Renault erhebt ähnliche Vorwürfe gegen Ghosn, der im Zuge der Affäre alle seine Ämter bei Nissan, Renault und Mitsubishi verloren hat.

          Saikawa gerät mit den Vorwürfen gehörig unter Druck. Seine Rolle in dem Skandal um Ghosn war von Beginn an undurchsichtig, weil bis heute zumindest nicht öffentlich geklärt ist, ob und wie viel er von den Unregelmäßigkeiten um die Gehaltszusagen an Ghosn wusste. Der Japaner galt auch als Manager, in den Ghosn nach langer Zusammenarbeit Vertrauen setzte. Schließlich beförderte der Franzose Saikawa zum CEO, als er sich selbst auf den Posten des Vorsitzenden des Verwaltungsrats zurückzog. Nach Darstellung von Ghosns Verteidigung ist Saikawa aber Teil eines Komplotts, in dem Nissan mit der Staatsanwaltschaft kooperierte, um Ghosn loszuwerden und dessen Pläne zu verhindern, Nissan und Renault zu fusionieren. Der Skandal um Ghosn hat zu großen Spannungen zwischen den beiden alliierten Unternehmen geführt, zumal die französische Regierung als Großaktionär Renaults darauf dringt, die Zusammenarbeit unauflösbar zu machen.

          Der Nissan-Chef war auf der Hauptversammlung in einem für Japan ungewöhnlichen Maße von Aktionären kritisiert worden, und manche forderten auch offen seinen Rücktritt. Diese Woche wurde bekannt, dass der Versicherer Nippon Life gegen Saikawas Wiederernennung gestimmt hatte. Von den elf Direktoren, die von der Hauptversammlung bestimmt wurden, erhielt Saikawa mit 78 Prozent die geringste Zustimmung. Jean-Dominique Senard, der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Renault, wurde dagegen von den Nissan-Aktionären mit 99 Prozent Zustimmung in den Nissan-Verwaltungsrat gewählt.

          Den Ruf Saikawas belastet auch, dass das Geschäft von Nissan nicht mehr rund läuft. Im Quartal von April bis Juni sank der operative Gewinn um 99 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Grund ist vor allem ein schlechter Verkauf in den Vereinigten Staaten und in Schwellenländern. Saikawa hat eine Schrumpfung verordnet. Der Autobauer will 12500 Menschen weniger beschäftigen und die Produktionskapazität in den kommenden Jahren um 600000 Fahrzeuge verringern. Saikawa führt die schlechte Entwicklung auf Fehlentscheidungen in der Ära Ghosn zurück. Doch hatte der Japaner die Führung von Nissan schon 2017 übernommen und war auch zuvor in das operative Geschäft des Autobauers maßgeblich involviert.

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