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Sportartikel-Hersteller : Nike gerät in den Sog des Fifa-Skandals

Im Blickpunkt der Ermittler: der amerikanische Sportartikel-Hersteller Nike Bild: AFP

Im Zuge der Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre untersuchen die amerikanischen Behörden auch  Geschäfte mit Sportvermarktern. In einem der Bestechungsfälle geht es um einen Vertrag – wohl mit dem amerikanische Sportgiganten.

          Der Bestechungsskandal um die Fifa erfasst auch den amerikanischen Sportartikelkonzern Nike. In der am Mittwoch vom amerikanischen Justizministerium vorgelegten Anklageschrift wird auch ein Fall von Schmiergeldzahlungen aufgeführt, der mit einem nicht genannten „internationalen Sportartikelunternehmen“ und einem von ihm im Jahr 1996 geschlossenen Sponsoringvertrag mit dem brasilianischen Fußballverband CBF zu tun hat. Nike hat in jenem Jahr einen solchen Vertrag in Brasilien unterzeichnet. Für die Amerikaner war dies sogar ein strategisch sehr wichtiger Türöffner, um ihr damals noch sehr schwaches Fußballgeschäft aufzubauen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf seiner Internetseite führt Nike den Vertrag mit dem CBF als einen Meilenstein auf und zitiert den Mitgründer Phil Knight mit den Worten: „Wir werden Fußball nur dann wirklich verstehen, wenn wir das Spiel mit den Augen der Brasilianer sehen.“ Heute sind die Amerikaner im Fußballgeschäft zu einem ernsten Rivalen des deutschen Herstellers Adidas geworden und rüsten auch mehrere Nationalmannschaften und prominente Spieler aus.

          Zahlung von 160 Millionen Dollar

          Nach Angaben in der Anklageschrift hat der nicht genannte Konzern, hinter dem Nike vermutet wird, damals einen auf zehn Jahre angesetzten Vertrag mit dem Verband unterzeichnet, um dessen Ko-Sponsor und exklusiver Ausrüster zu werden. Das Unternehmen habe sich zur Zahlung von 160 Millionen Dollar bereit erklärt. Ein Teil dieser Summe sei an den Sportvermarkter Traffic Brazil geflossen. In einer weiteren Vereinbarung habe das Unternehmen weiteren Zahlungen in zweistelliger Millionen-Dollar-Höhe an Traffic Brazil zugestimmt. Ein Vertreter der Marketinggesellschaft habe dann einen Teil der Einnahmen aus dem Sponsoringgeschäft einem „hochrangigen Funktionär der Fifa“ als Schmiergeld zukommen lassen. Es soll sich dabei um mehrere Millionen Dollar gehandelt haben. Offen wird gelassen, ob und inwiefern dies mit dem Wissen des Unternehmens geschehen ist.

          Nike äußerte sich am Mittwoch nicht konkret zu den Vorwürfen in der Anklageschrift, sondern beschränkte sich in einer Stellungnahme auf allgemeine Aussagen: „Nike glaubt an ethisches und faires Spiel sowohl im Geschäft als auch im Sport und lehnt jede Form von Manipulation oder Bestechung entschieden ab.“ Weiter sagte das Unternehmen, es habe mit den zuständigen Behörden kooperiert und werde dies auch weiter tun. Der Aktienkurs von Nike drehte am Mittwoch im späten Handel leicht ins Minus.

          Der Fifa-Skandal wirft allgemein ein Licht auf die Welt des Sportmarketing, und die im Zusammenhang mit dem Sponsoring-Geschäft in Brasilien genannte Traffic-Gruppe spielt eine größere Rolle in den Ermittlungen der Behörden. Die Traffic Group hat ihren Sitz in Brasilien, und Traffic Brazil ist eine ihrer Tochtergesellschaften. Zwei andere Tochtergesellschaften, die Traffic Sports USA Inc. in Miami und die Traffic Sports International Inc. mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln, haben ein Geständnis abgelegt und sich der Verschwörung zum Betrug für schuldig bekannt. José Hawilla, Der Gründer und Eigentümer der Traffic Group, hat ebenfalls gestanden und dabei unter anderem Betrug, Geldwäsche und Justizbehinderung zugegeben. Er hat sich nach Angaben des Justizministeriums außerdem bereit erklärt, 151 Millionen Dollar zu zahlen.

          Zentrale von Traffic Sports in Sao Paulo

          Die Traffic Group bezeichnet sich auf ihrer Internetseite als „eine der führenden Sportgruppen in der Welt.“ Traffic habe in den vergangenen Jahrzehnten die meisten offiziellen internationale Fußballveranstaltungen in Nord- und Südamerika organisiert oder vermarktet, zum Beispiel Qualifikationen für die Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Traffic-Gruppe gehören auch einige Fußballvereine, darunter der portugiesische Klub Estoril Praia oder die Carolina Railhawks aus den Vereinigten Staaten.

          Zu den Angeklagten in dem Fall gehört auch Aaron Davidson, der Präsident von Traffic Sports USA. Neben der Traffic-Gruppe sind auch die beiden argentinischer Sportvermarkter Torneos y Competencias Full Play Group von der Affäre betroffen. Auch Manager dieser Unternehmen finden sich auf der Liste der Angeklagten.

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