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Niederlande : Nöte auch im Teilzeitparadies

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Auch den Niederländern bereitet die Jugendarbeitslosigkeit Sorgen. Zwar waren nach Angaben von Eurostat dort zuletzt nur 88.000 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos, was mit einer Quote von nur 6 Prozent den niedrigsten Wert in Europa bedeutet. Doch das mag täuschen.

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          Auch den Niederländern bereitet die Jugendarbeitslosigkeit Sorgen. Zwar waren nach Angaben von Eurostat dort zuletzt nur 88.000 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos, was mit einer Quote von nur 6 Prozent den niedrigsten Wert in Europa bedeutet. Aus den offiziellen Zahlen des niederländischen Statistikamts CBS ergibt sich aufgrund einer anderen Erhebungsweise mit rund 102.000 arbeitslosen Jugendlichen aber schon eine Quote von 11,4 Prozent. Befürchtet wird, dass im Herbst nicht zuletzt wegen des Zustroms schwer zu vermittelnder Schulabgänger 150.000 Jugendliche keine Arbeit haben werden. Ende Mai brachte die Regierung daher ein mit 500 Millionen Euro dotiertes Sonderprogramm auf den Weg, das mehr Ausbildungs- und Praktikantenplätze in Betrieben, aber auch längere Unterrichtszeiten an Schulen ermöglichen soll. Allein rund 300 Millionen Euro sollen dazu dienen, 10.000 Jugendliche ein Jahr länger in den Schulen zu halten und damit ihre Qualifikation zu verbessern. Insgesamt soll durch das Paket 35.000 Jugendlichen die Arbeitslosigkeit erspart werden.

          Die Tatsache, dass 47 Prozent aller Arbeitnehmer in den Niederlanden Teilzeitbeschäftigte sind, wirkt sich auch auf junge Leute aus. So gelten Jugendliche schon als berufstätig, wenn sie mindestens zwölf Stunden in der Woche arbeiten. Gemessen an der Unterbeschäftigung, schätzt Wiemer Salverda vom Institut für Arbeitsstudien an der Universität Amsterdam die tatsächliche Jugendarbeitslosenquote deshalb auf 18 Prozent. Da ein Großteil der Jugendlichen einen Vollzeitjob anstrebe, sei die bisherige Erfassungsmethode überholt, findet Salverda. In der Praxis schnappten zudem Studenten arbeitsuchenden Schulabgängern oft den Job weg. "Das spielt vor allem im Gaststättengewerbe, im Einzelhandel und bei Putzarbeiten eine Rolle", sagt Salverda in einem Zeitungsinterview. Er regt an, Schulabgängern eine staatliche Prämie zu zahlen, wenn sie eine Teilzeitstelle übernehmen. Jules Theeuwes, ebenfalls von der Universität Amsterdam, sieht die Lage weniger dramatisch. Jugendliche seien zwar durch die Krise am stärksten betroffen. Dies gelte aber auf dem flexiblen Arbeitsmarkt auch umgekehrt. "Die haben bei einer wirtschaftlichen Erholung auch schnell wieder eine Stelle", sagte Theeuwes.

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