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Nichtraucherschutz in Restaurants : Cheeseburger ohne Qualm

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Rauchverbot: McDonald's hält das für gute Werbung Bild: DPA

Politiker diskutieren über ein Rauchverbot. Doch schon lange haben Gastronomen die Rauchfeiheit als Marketinginstrument entdeckt. Jetzt will auch McDonald's Rauchverbote in Deutschland einführen - und nebenbei sein Krankmacher-Image loswerden.

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          Während Gesundheitspolitiker auf Bund-, Länder- und Fachebene darum ringen, wo in Deutschland künftig noch geraucht werden darf, entdecken Gastronomen das Schlagwort „rauchfrei“ als Marketinginstrument. Die amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks setzte schon mit ihrem Eintritt in den deutschen Markt im Mai 2002 auf rauchfreie Filialen. Zigarettenrauch schade dem Aroma des Kaffees, begründet das Unternehmen das Rauchverbot. Vor allem Mütter mit Kindern schätzten die gute Luft, sagt eine Sprecherin.

          Zum Stichtag 31. März wird auch der Schnellrestaurant-Riese McDonald's die Raucher aus seinen 1270 deutschen Filialen verbannen. Die Entscheidung dazu war im Herbst vergangenen Jahres gefallen. Schon damals waren 400 Restaurants der Kette rauchfrei. Die Reaktion der Gäste in den entsprechenden Betrieben sei überwiegend positiv gewesen, sagt Unternehmenssprecher Alexander Schramm. „Unsere Linie ist, dass wir auf Familien und Kinder Rücksicht nehmen wollen.“

          Das Image vom Dick- und Krankmacher loswerden

          Die qualmfreie Burger-Braterei passt dem amerikanischen Unternehmen ins Konzept. Schließlich will McDonald's das Image des Dick- und Krankmachers loswerden. Die Diskussion um ein generelles Rauchverbot habe gezeigt, dass es eine immer größere Akzeptanz für rauchfreie Restaurants gebe, sagt Schramm.

          „Die großen Systemgastronomien sind Vorreiter“, sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Aber auch insgesamt hätten die Gastronomen festgestellt, dass rauchfreie Restaurants verstärkt nachgefragt werden. Sie verweist darauf, dass die Hotel- und Gaststättenbetriebe im Frühjahr vergangenen Jahres die erste Etappe der Zielvereinbarung für mehr Nichtraucherschutz erfüllt hätten. 31,5 Prozent der größeren Speisebetriebe hätten mindestens 30 Prozent ihrer Plätze für Nichtraucher reserviert. Im Internet haben sich nach Angaben des Verbandes rund 7000 Betriebe eingetragen. 2500 von ihnen bieten einen abgeschlossenen Nichtraucherraum, 1200 sind komplett rauchfrei.

          Vor die Tür setzen oder lieber doch nicht?

          Andere Systemgastronomen wollen rauchende Kunden noch nicht vor die Tür setzen. Der schwedische Möbelhauskonzern Ikea, der zu den zehn größten Gastgewerbe-Unternehmen Deutschlands gehört, plant keine vollständig rauchfreien Restaurants. Doch seien drei Viertel der Plätze Nichtrauchern vorbehalten, sagt Sprecher Kai Hartmann. Die Raucherecken seien etwas abgeschirmt und nie in der Nähe der Kinderspielecken. „Wir sind zwar sehr familienfreundlich“, sagt er, „aber auch der demokratische Ansatz spielt bei uns eine Rolle.“

          Ähnlich hält es die Steakhaus-Kette Block House. Je nach Stadt und Bedarf seien die Raucherbereiche in den 32 Häusern klein oder groß, heißt es dort. Die Nachfrage der Gäste regele das Angebot. Der Konkurrent Maredo hat dagegen im vergangenen Jahr zwei Nichtraucher-Restaurants eröffnet. Insgesamt sind nach Angaben des Unternehmens die Hälfte allerPlätze in den 56 Häusern rauchfrei. Es werde überlegt, alle Betriebe umzustellen, sagt Firmensprecher Dirk Beckerling.

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