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Nicht umweltfreundlich : Biotüten als Mogelpackung

  • Aktualisiert am

Belastungsprobe für die Biotüten Bild: dpa

Die Umwelthilfe kritisiert „gezielte“ Irreführung beim Verkauf von Bio-Tragetaschen. Während Rewe die Tüten aus dem Sortiment nimmt, verkauft Konkurrent Aldi-Süd munter weiter.

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          Sie werben mit Naturmotiven, glücklichen Tieren und dem Versprechen, „hundertprozentig kompostierbar“ zu sein. Doch die Tragetaschen aus Bioplastik, die vor allem die Handelskonzerne Rewe und Aldi vertreiben, sind nach Erkenntnissen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bei weitem nicht so umweltfreundlich, wie die Unternehmen vorgeben. „Die Taschen sind nicht mit den gängigen Verfahren kompostierbar, die Kunden werden gezielt in die Irre geführt“, sagte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch in Berlin.

          Untersuchungen des Umweltverbands hatten ergeben, dass die Tüten, die seit vier Jahren auf dem Markt sind und zu ungefähr einem Drittel aus maisbasierten Stoffen bestehen, sich erst nach zwölf Wochen und bei konstant hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit vollständig zersetzen. „Diese Voraussetzungen sind in den Kompostieranlagen nicht gegeben, die Reststoffe müssen am Ende aussortiert und verbrannt werden“, kritisierte Resch.

          Rewe stoppt Tütenverkauf, Aldi-Süd macht weiter

          Die Rewe-Gruppe setzte den Verkauf der umstrittenen Tüten am Mittwoch als Reaktion auf die Kritik aus. Der Konzern wolle abermals sorgfältig prüfen lassen, ob die Kompostierbarkeit der Tüten gegeben ist, sagte ein Sprecher. Die Kritik des Umweltverbands hält der Konzern für überzogen, die Tüten seien „ein wichtiger erster Schritt“ zur Ablösung herkömmlicher Plastiktüten, die aus fossilen Rohstoffen bestehen. Aldi-Süd hat die angeblichen Biotüten weiter im Sortiment. Eine Sprecherin wies den Vorwurf zurück, Verbraucher vorsätzlich getäuscht zu haben.

          Beide Unternehmen verweisen auf die DIN EN 13432, der die Tüten entsprechen. Die Norm besagt, dass die Stoffe nach spätestens zwölf Wochen zu mindestens 90 Prozent zersetzt sein müssen. Die Herstellerin der Taschen, die Victorgroup, versichert sogar, das Bioplastik sei in vier bis sechs Wochen abgebaut, im Großteil der Kompostieranlagen gebe es keine Probleme. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft widersprach dieser Darstellung. Bei der Kompostierung fielen die Tüten als Störstoffe an, „da sie in den Anlagen nicht als Biomasse, sondern als Fremdstoffe identifiziert und aussortiert werden“, sagte ein Sprecher. Die Anlagenbetreiber raten davon ab, die Tüten in die Biotonne zu werfen.

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