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News Corp. : Murdoch will sein Imperium aufspalten

Rupert Murdoch hatte Spekulationen über eine Aufspaltung der News Corporation bis zuletzt vehement zurückgewiesen. Bild: dapd

Der amerikanische Medienkonzern News Corp. steht vor einer spektakulären strategischen Kehrtwende: Firmenpatriarch Rupert Murdoch will das Verlagsgeschäft vom Film- und Fernsehgeschäft trennen und in zwei separat an der Börse gehandelte Unternehmen aufteilen.

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          Der von Rupert Murdoch kontrollierte amerikanische Medienkonzern News Corp. will das Verlagsgeschäft und den Unterhaltungsbereich der News Corp in zwei separat an der Börse gehandelte Unternehmen aufteilen. Das geht aus einer Mitteilung des Konzerns am Donnerstag hervor. Der Aufsichtsrat habe das Management beauftragt, die Aufspaltung weiter voranzutreiben.

          Aufspaltung soll in einem Jahr vollzogen werden

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das höchste Firmengremium hatte sich am Mittwoch in New York getroffen und das Vorhaben abgenickt. Der ganze Aufteilungsprozess solle in etwa einem Jahr abgeschlossen sein. Es gebe bis dahin noch zahlreiche Details auszuarbeiten. Es werde voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2013 eine Aktionärsversammlung geben, um die Neuaufstellung endgültig zu beschließen.

          Zur neuen Unterhaltungssparte sollen unter anderem die Fox-Fernsehsender und das Filmstudio „20th Century Fox“ gehören, die zusammen mit den anderen elektronischen Medien schon heute drei Viertel des Umsatzes machen. In der Printsparte wären neben dem Flaggschiff „Wall Street Journal“ auch die Londoner „Times“, das britische Massenblatt „Sun“ sowie zahlreiche weitere Zeitungstitel in den Vereinigten Staaten und Australien versammelt sowie der Buchverlag Harper Collins.

          Abrupter Strategiewechsel

          Rupert Murdoch hatte Spekulationen über eine Aufspaltung bis zuletzt vehement zurückgewiesen. Noch im Mai ließ er mitteilen, sein Konzern stehe fest hinter dem Verlagsgeschäft, das „eine Kernkomponente unserer Zukunft“ sei. Der für das Tagesgeschäft zuständige Chief Operating Officer Chase Carey war allerdings bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen im Mai schon etwas weniger verbindlich: Er sagte zwar, News Corp. habe derzeit keine Pläne für eine Aufspaltung. Er gab aber zu, dass das Unternehmen über einen solchen Schritt diskutiert habe und sich bewusst sei, dass viele Investoren für eine Abtrennung des Verlagsgeschäfts seien.

          Die geplante Aufspaltung hat großen Symbolcharakter, denn der Medienkonzern hat seine Wurzeln im Zeitungsgeschäft, auch wenn dieses heute nur noch für einen relativ kleinen Teil des Geschäfts steht. Murdochs Karriere als Medienunternehmer begann 1952, als er die australische Zeitung „Adelaide News“ erbte. Von da an expandierte er rasant mit dem Zukauf von Zeitungen - erst in Australien, dann auch in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Erst in den achtziger Jahren verlagerte der Konzern den Schwerpunkt stärker auf Film und Fernsehen, gleichwohl blieb auch das Zeitungsgeschäft ein wichtiger Teil der Strategie. Noch 2007 kaufte News Corp. den Verlag Dow Jones, der das „Wall Street Journal“ publiziert. Zum Verlagsgeschäft gehören heute rund 170 Zeitungen sowie Buchverlage. Es ist bekannt, dass Rupert Murdoch persönlich sehr am Zeitungsgeschäft hängt. Als die zur News Corp. gehörende britische „Sun“ vor einigen Monaten ihre erste Sonntagsausgabe veröffentlichte, verbrachte er viel Zeit in der Londoner Redaktion. In New York zeigt sich Murdoch oft in den Redaktionsräumen des „Wall Street Journal“.

          Parlamentsausschuss: Murdoch ist als Konzernchef ungeeignet

          Doch in den vergangenen zwölf Monaten ist Murdochs Zeitungsimperium vor allem durch den Abhörskandal in seinen britischen Blättern immer stärker ins Wanken geraten. Murdoch-Journalisten in Großbritannien wird vorgeworfen, auf der Jagd nach Exklusivgeschichten in Tausenden von Fällen die Telefone von Prominenten und Normalbürgern angezapft zu haben. Der Skandal ist eine der schwersten persönlichen Niederlagen in der mehr als fünfzigjährigen Karriere Murdochs. Vergangenen Monat attestierte ein Ausschuss des britischen Parlaments dem 81 Jahre alten Medienzar, dem mit Abstand größten Zeitungsverleger des Königreichs, er sei als Konzernchef „ungeeignet“.

          Analysten sehen das Zeitungsgeschäft zunehmend als Reputationsrisiko für den Konzern an. Das Krisenmanagement in der vergleichsweise unbedeutenden Sparte nehme zu viel Zeit der Topmanager in Anspruch und schade anderen geschäftlichen Interessen, heißt es. News Corp. musste wegen des Abhörskandals im vergangenen Jahr beispielsweise schon die geplante Komplettübernahme des hochprofitablen britischen Bezahlsenders B Sky B abblasen. Manche Beobachter erwarten, dass Murdoch auch seine bisherige Beteiligung an B Sky B verkaufen wird. Andere Experten spekulierten dagegen am Dienstag, dass Murdoch nach einer Aufspaltung der News Corp. einen weiteren Anlauf zur vollständigen Übernahme von B Sky B nehmen könnte.

          Weitgehende Kontrolle über die Strategie

          Eine Abspaltung des Verlagsgeschäft würde wohl nichts am Einfluss von Rupert Murdoch ändern. Er und seine Familie halten zwar nur rund 12 Prozent der Anteile an der News Corp., aber sie verfügen aufgrund einer Zwei-Klassen-Struktur der Aktien über 40 Prozent der Stimmrechte. Das sichert ihnen eine weitgehende Kontrolle über strategische Weichenstellungen, die sie wohl auf nach einer Aufspaltung behalten würden.

          Auch unabhängig vom Abhörskandal in Großbritannien haben Investoren in der Vergangenheit schon oft eine Abtrennung des Verlagsgeschäfts gefordert, weil sie sich davon eine höhere Börsenbewertung der anderen Aktivitäten versprechen. Aufspaltungen liegen unter amerikanischen Unternehmen zurzeit im Trend: Im vergangenen Jahr haben zum Beispiel der Lebensmittelhersteller Kraft Foods und der Ölkonzern Conoco-Phillips angekündigt, sich aufzuspalten.

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