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New Economy : Bei Pixelpark im Clinch: Geschäftsführung und Betriebsrat

  • -Aktualisiert am

Willkommen im Leben! Bei Pixelpark, inmitten der New Economy, muckt der Betriebsrat auf. Der fühlt sich von der Unternehmensleitung brüskiert.

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          Schwere Zeiten für den Internetdienstleister Pixelpark. Pixelpark-Chef Paulus Neef will das angeschlagene Unternehmen mit Stellenstreichungen und Büroschließungen wieder in die Gewinnzone bringen. 290 Stellen sollen wegfallen, Büros in den USA, in Frankfurt und Stuttgart sollen geschlossen werden. Die aktuelle Situation „gefällt uns gar nicht“, sagt Markus Kempken, Pressesprecher des Betriebsrats im Berliner Pixelpark-Büro.

          Kempken lässt keinen Zweifel daran, dass auch der Betriebsrat ein großes Interesse daran hat, Pixelpark wieder obenauf zu sehen. Der Betriebsrat begrüße alle Maßnahmen zur Sanierung des Unternehmens. Er kritisiert die angekündigten Sparschritte aber als einseitig. Alternativen zur Stellenstreichung und Büroschließung seien anscheinend von der Unternehmensführung nicht geprüft worden.

          Vorwurf: Unwissender Betriebsrat

          Außerdem sei der Betriebsrat von der Unternehmensleitung vorher weder von den jetzt eingeleiteten Schritten, noch von deren Umfang unterrichtet worden, beklagt Kempken. Das Unternehmen habe damit den gesetzlich garantierten Anspruch des Betriebsrates auf vorherige Unterrichtung verletzt, so Kempken. Aus diesem Grund stellt der Betriebsrat in Frage, dass das Vorgehen der Unternehmensleitung rechtmäßig ist.

          „Die Wege der Unternehmensleitung sind unergründlich“, sagt Kempken. Verwundert sei er vor allem über Bertelsmann, dem Mehrheitseigner von Pixelpark. Pflege Bertelsmann im eigenen Haus einen korrekten Umgang mit dem Betriebsrat, sei dies bei Pixelpark bislang nicht geschehen.

          Vor diesem Hintergrund hat der Pixelpark-Betriebsrat eine einstweilige Verfügung beantragt, mit der ein sofortiger Stopp der sogenannten „Personalgespräche“ erreicht werden soll. In diesen Gesprächen unterrichte das Unternehmen Mitarbeiter über ihre bevorstehende Entlassung. Da der Betriebsrat bisher außen vor gehalten wurde, habe er keine Chance gehabt, hier einen Interessensausgleich zwischen Unternehmen und den betroffenen Mitarbeitern herbeizuführen.

          Die Geschäftsführung widerspricht

          Sabine Klisch, Pressesprecherin bei Pixelpark, lässt die Vorwürfe des Betriebsrats so nicht gelten. Schließlich habe die Unternehmensleitung ihre Entscheidung, Stellen abzubauen und Büros zu schließen, bereits Ende März angekündigt. Auch sei der gesamte Umfang des Stellenabbaus schon bekannt gewesen, bevor sich der Betriebsrat in Berlin konstituierte. Weiterhin habe die Geschäftsführung jederzeit dem Betriebsrat den Dialog angeboten, Gespräche hätten auch schon stattgefunden. Das Unternehmen habe den Antrag für die einstweilige Verfügung inzwischen juristisch überprüft, und Klisch ist zuversichtlich, dass dieser keinen Erfolg haben wird.

          Betriebsrat gehört auch in die New Economy

          Ungeachtet oder gerade wegen der schwierigen Lage bei Pixelpark und anderen Unternehmen ist für Kempken der Betriebsrat aus der New Economy nicht mehr wegzudenken. Schließlich arbeiten deren Unternehmen nach denselben Prinzipien wie die der Old Economy. „Der Betriebsrat gehört einfach dazu“, sagt Kempken.

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