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Neuwagenverkauf : Wie die Abwrackprämie Europas Pkw-Markt stützt

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Nur der Smart liegt leicht im Plus: Daimler insgesamt verliert weiter Bild: dpa

In mehr als zehn EU-Staaten haben die Regierungen inzwischen Abwrackprämien aufgelegt. Und sie wirkt nicht nur in Deutschland. Erstmals nach 14 Monaten ist der Auto- Absatz in Europa wieder angezogen. Im Juni wurden 2,4 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahresmonat.

          Nach 14 Monaten Talfahrt hat der Auto- Absatz in Europa dank staatlicher Anreizprogramme erstmals wieder angezogen. Im Juni wurden 1,46 Millionen Fahrzeuge verkauft und damit 2,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das teilten der europäische Herstellerverband ACEA und der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch mit. Zuvor war der Neuwagenverkauf seit Mai 2008 steil gesunken. In der ersten Jahreshälfte 2009 wurden 7,4 Millionen Autos oder 11 Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt als ein Jahr zuvor. Mit den Juni-Zahlen verfestigte sich nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) die sich seit einigen Monaten abzeichnende Bodenbildung. In mehr als zehn EU-Staaten haben die Regierungen inzwischen Abwrackprämien aufgelegt (siehe auch Das Abwrackfieber grassiert in ganz Europa).

          In Westeuropa lag das Plus im Juni nach ACEA-Angaben sogar bei 4,6 Prozent. Insgesamt seien hier 1,38 Millionen Autos verkauft worden. Spitzenreiter war demnach Deutschland, wo der Absatz um 40,5 Prozent nach oben schnellte, gefolgt von Italien (plus 12,4 Prozent) und Frankreich (plus 7,0 Prozent).

          In den neuen EU-Ländern brachen die Verkaufszahlen dagegen im Juni um mehr als ein Viertel ein, wie beide Verbände mitteilten. Besonders hart traf es laut VDA den russischen Markt: Binnen Jahresfrist brachen die Verkäufe um über 55 Prozent ein. Außerhalb Europas stiegen die Neuzulassungen in China sowie in Brasilien und Indien.

          Auf dem wichtigsten Automarkt der Welt, den Vereinigten Staaten, sank der Absatz im Juni um 28 Prozent, in den vergangenen Monaten hatten die Rückgänge allerdings deutlich über der 30-Prozent-Marke gelegen.

          PwC: Deutsche Hersteller vor langer Durststrecke

          Nach einer Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) profitieren die deutschen Hersteller aber nur bedingt von den guten Absatzzahlen auf ihrem Heimatmarkt. „Die deutsche Automobilproduktion sinkt trotz Abwrackprämie deutlich. Mit voraussichtlich knapp 4,7 Millionen Pkw werden 2009 rund 750.000 Fahrzeuge weniger die Werkshallen verlassen als 2008“, sagte PWC voraus. Denn: „Vor allem Importfahrzeuge waren die Gewinner des Nachfragebooms.“

          Im Jahr 2010 dürfte das Produktionsvolumen sogar auf 4,53 Millionen Pkw sinken. Die Umweltprämie habe den Absturz abgefedert. „Da viele Käufer die Anschaffung eines Neuwagens auf 2009 vorgezogen haben, fehlt diese Nachfrage allerdings im kommenden Jahr und lässt die Fertigungszahlen weiter zurückgehen“, sagte PwC-Experte Harald Kayser laut Mitteilung. Mit einem Anstieg der Fertigung sei erst 2011 zu rechnen. Das Niveau von 2008 werde die Branche aber erst 2013 mit annähernd 5,5 Millionen produzierten Autos wieder übertreffen.

          Volkswagen im Plus - Daimler und BMW verlieren

          Unter den großen deutschen Herstellern schnitt nach den Zahlen von ACEA die Volkswagen Gruppe im Juni erneut am besten ab. Sie verzeichnete in Europa im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 9,5 Prozent. Ihr Marktanteil lag bei 21,4 Prozent. Im ersten Halbjahr insgesamt verkaufte die Gruppe 3,1 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum.

          Andere deutsche Hersteller ließen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 kräftig Federn, wie ACEA berichtete. Die BMW-Gruppe verkaufte in Europa 22,3 Prozent weniger Autos, bei Daimler lag das Minus bei 18,6 Prozent. Opel/Vauxhall büßten 17,6 Prozent ein und hatten in Europa einen Marktanteil von 7,6 Prozent nach 8,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Ford-Gruppe setzte 8,0 Prozent weniger Autos ab. Dies geht vor allem auf die angeschlagene schwedische Tochter Volvo (- 22,8 Prozent) zurück, während die Marke Ford 5,2 Prozent einbüßte. Der Marktanteil der Gruppe stieg jedoch von 9,9 auf 10,3 Prozent.

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