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Neuregelung für Haushalte : Mieter müssen höhere Kosten fürchten

Hochlukratives Geschäftsfeld: Heizkostenableser profitieren von der baldigen Rauchmelderpflicht Bild: dpa

Rauchmelder sind bald überall Pflicht in deutschen Wohnungen – die Ablesebranche wittert neue Einnahmen. Die Kosten können auf Mieter abgewälzt werden.

          „Rauchmelder retten Leben“, so wirbt das „Forum Brandrauchprävention“, das auf seiner Internetseite den Bürger aufklärt und Infomaterial für Feuerwehren bereitstellt. Dahinter steht aber keine Initiative besorgter Bürger, sondern ein Club von Herstellern und Dienstleistern, der kräftig für die Installation der Warngeräte wirbt. Mit Erfolg: Die handtellergroßen Geräte müssen inzwischen in den meisten Bundesländern in Wohnungen installiert sein.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Mieter bedeutet das in vielen Fällen Mehrkosten, denn der Vermieter kann die Anschaffung und den Unterhalt der Geräte abwälzen. Für eine auf Immobiliendienstleistungen spezialisierte Branche erschließt sich damit ein hübsches neues Geschäftsfeld: die Heizkostenableser, die in ihrem Stammgeschäft für Mieter und Wohnungseigner in Wohnanlagen die Energierechnungen erfassen. Sie profitieren von der Rauchmelderpflicht und auch noch von einer anderen neuen Vorschrift: jener, Trinkwasser in Wohnungen auf Legionellen zu kontrollieren.

          Die Kosten fließen in die Umlagen

          „Wachstumsmaschinen“ nennt der deutsche Marktführer Techem die beiden neuen Regeln. „Die regulatorische Unterstützung öffnet neue Märkte in Deutschland“, warb Finanzvorstand Steffen Bätjer bei einer Konferenz mit Investoren Mitte dieses Monats in London. Die Unterlagen zu der Präsentation liegen dieser Zeitung vor. Bei der Gelegenheit erläuterte Bätjer auch die Zahlen zum Geschäftsjahr 2013/14 (Ende März). Sie belegen abermals das hochlukrative Geschäft der Ablesebranche: Während der Umsatz um 2 Prozent auf 719 Millionen Euro zulegte, stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abgaben (Ebitda) überproportional – um sieben Prozent – auf knapp 257 Millionen Euro.

          So stieg die traditionell beachtliche Marge noch mal an – auf jetzt knapp 36 Prozent, ein Wert, der in ganz wenigen Branchen zu erzielen ist. Techem ist zwar nicht an der Börse notiert, hat sich aber über eine Anleihe Geld bei Investoren geliehen und berichtet denen daher öfters über die Geschäftslage.

          Die hohen Margen speisen sich aus der günstigen Verhandlungsposition von Unternehmen wie Techem oder auch dem großen Konkurrenten Ista. In ihrem Kerngeschäft lesen diese den Heizenergieverbrauch in Wohnanlagen ab, oft auch den Wasserverbrauch. Dann errechnen sie die Kosten pro Einzelwohnung und schicken die Rechnungen an Vermieter oder Hausverwaltungen. Die reichen die Ausgaben natürlich oft als Teil der Umlagekosten an die Mieter weiter, inklusive der Kosten, die der Heizkostenableser für seine Arbeit berechnet – und haben deswegen wenig Anreiz, mit ihrer Ablesefirma groß über den Preis zu verhandeln.

          Mieterunfreundliche Verhandlung

          Das möchten sich die Unternehmen nun auch bei den Rauchmeldern zunutze machen. Techem beispielsweise installiert vier Rauchmelder für 208 Euro netto, dazu kommen 15 Euro jährlich für den Wartungsservice per Funk. Dabei geht es im Wesentlichen darum, ob die Batterien noch ausreichend voll sind.

          Die Fristen für die Rauchmelder variieren von Bundesland zu Bundesland. In Hessen beispielsweise müssen sie bis Ende dieses Jahres in Bestandsbauten angebracht sein; in Neu- und Umbauten sind sie seit 2005 Pflicht. „Der Eigentümer ist verpflichtet zu installieren“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Der Vermieter kann die Kosten als Modernisierungsmaßnahme, die der Staat vorgegeben hat, auf den Mieter abwälzen.“ 11 Prozent der Kosten kann er auf die Jahresmiete umlegen und das dauerhaft. „Oder er kann die Geräte mieten oder leasen und dann die Kosten als Betriebskosten einstellen.“

          Nun geht es um keine enormen Beträge, und viele Experten, auch die Verbraucherschützer, halten die Rauchmelder für sinnvoll. Problematisch ist für sie aber, dass es wieder zu der typischen mieterunfreundlichen Verhandlungssituation kommt. „Wir haben den Eindruck, dass viele Hausverwalter und Vermieter bei den Betriebskosten nicht hinreichend das Wirtschaftlichkeitsgebot beachten und für solche Dienstleistungen nicht unbedingt das günstigste Angebot einholen“, sagt Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

          Keine eindeutige Rechtslage

          Neben den Heizkostenablesern versuchen auch andere, nicht zuletzt Schornsteinfeger, das Rauchmeldergeschäft nebenbei mitzunehmen. Ob ein Mieter darauf bestehen kann, selbst einen Rauchmelder zu wählen und instand zu halten, sei juristisch noch umstritten, sagt Weinreuter – auch weil unklar sei, wer dann die Verantwortung im Schadensfall trage. „Das ist wieder ein Gebiet, wo sich noch eine eindeutige Rechtslage durchsetzen muss.“

          Die Heizkostendienstleister wittern übrigens nicht nur durch die Vorschriften für Rauchmelder und Trinkwasser neues Geschäft. Mehreinnahmen locken auch beim Stammgeschäft Heizkostenablesen: Die EU will das Ablesesystem nach deutschem (und dänischem) Modell mit ihrer Europäischen Energiedirektive (EED) als Standard durchsetzen. Die Einführung verzögert sich zwar. Aber Techem frohlockt: „Insgesamt könnte der EED-Schub für die Umsätze in den nächsten fünf Jahren rund 80 Millionen Euro betragen.“ Techem lehnte am Freitag eine Stellungnahme zu der Investorenpräsentation ab und nannte dafür rechtliche Gründe.

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