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Neues Raumfahrtprogramm : Söder will mit Bavaria One ins Weltall

Markus Söder bei der Vorstellung seines Projekts vor einem Konterfei seiner selbst. Bild: @Markus_Soeder via Twitter

700 Millionen Euro will die bayerische Staatsregierung in ein neues Raumfahrtprogramm investieren. Vor allem die Forschung soll profitieren – und ein eigener bayerischer Satellit durchs All kreisen.

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          Bayern hat jetzt seine eigene Raumfahrt-Strategie. Bavaria One heißt das Programm, das der bayrische Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag präsentierte. Mehr als 700 Millionen Euro will der Freistaat investieren und damit im Bereich Luft- und Raumfahrt in Europa die Führung übernehmen.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bavaria One hat insgesamt zehn Aktionsfelder: Sogenannte "Space Start-ups" und andere Unternehmensgründungen im Digitalsektor erhalten mehr Förderung vom Freistaat. An der Technischen Universität München soll die größte Raumfahrtfakultät Europas entstehen.

          Außerdem will Bayern Weltraumroboter, Trägerraketen und eine Teststrecke für den Hyperloop bauen. Das ist eine Röhre, in der Unterdruck herrscht. In einer Kapsel sollen Menschen und Güter befördert werden und so annähernd in Schallgeschwindigkeit reisen können. Tesla-Gründer Elon Musk will mit dieser Technologie die neue Expressstrecke zum Flughafen Chicago bauen.

          Opposition sieht Größenwahn

          Kurz vor der Landtagswahl kritisierte die Opposition das Programm scharf. Das Programm müsse eigentlich „Bavaria Größenwahn“ heißen, befand Fraktionschef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Er empfahl Söder, sich auf die Mobilfunklöcher und das immer noch nicht flächendeckende mobile Internet zu konzentrieren, statt ein eigenes Weltraumprogramm zu starten.

          Die SPD-Landeschefin Natasche Kohnen kritisierte, die angekündigten 700 Millionen Euro seien im Nachtragshaushalt nicht vermerkt. Selbst aus der Schwesterpartei gab es Gegenwind: Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke ließ über seinen Twitter-Account verlauten, dass "man in den letzten Monaten besser über diese Themen gesprochen hätte, statt einen Krieg der Sterne gegen die Schwesterpartei und Bundeskanzlerin zu führen." Ansonsten erntete Söder in den sozialen Medien vor allem aufgrund des Logos von Bavaria One Spott. Viele fühlten sich an Satire oder Filmplakate erinnert.

          Söder will Wirtschaft fördern

          Söder betont dagegen die wirtschaftliche Bedeutung des Programms: Die Luft- und Raumfahrtbranche hätte dazu beigetragen, dass Bayern heute eine High-Tech-Region mit historisch niedriger Arbeitslosigkeit sei. Söder weiter: „Die Menschen in Bayern werden davon auf verschiedenste Weise profitieren – von neuen Arbeitsplätzen in der Forschung und Entwicklung bis hin zu neuen satellitengestützten Anwendungen.“

          Das könne auch der Landwirtschaft und dem Katastrophenschutz zugutekommen. Man würde im Weltall nicht nach Aliens suchen, sondern wolle die Erde besser verstehen. An der neuen Fakultät sollen 50 Professuren, 132 Stellen und bis zu 2000 Studienplätze entstehen. Das Bundesland werde sich jedes Jahr mit mehr als 30 Millionen Euro beteiligen, teilte die Staatsregierung mit.

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          Hyperloop-Entwicklung

          In die Entwicklung des Hyperloops sollen weitere 15 Millionen Euro fließen. Für das Projekt ist der Standort München auch international bekannt. So hat ein Team der TU München im Juli einen internationalen Hyperloop-Wettkampf für sich entschieden und mit 467 Stundenkilometern einen Weltrekord aufgestellt.

          Einige der Aktionsfelder bleiben allerdings eher vage. Eines trägt den Titel „Begeisterung für Raumfahrt wecken“. Dafür solle es einen eigenen bayrischen Satelliten geben. In einem anderen steht, man wolle Weltraumrobotik entwickeln. Wie das geschehen soll, bleibt aber unklar. Auch wie die 700 Millionen Euro zustande kommen, ist nicht ersichtlich.

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