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Neuer Warnhinweis : Rauchen kostet den Arbeitsplatz

Amerikaner spielen nicht nur mit ihrem Leben Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Rauchen schadet nicht nur der Gesundheit, es gefährdet auch den Arbeitsplatz. Amerikanische Unternehmen drohen Rauchern wegen der hohen Gesundheitskosten mit der Kündigung - auch wenn die Mitarbeiter nur in ihrer Freizeit rauchen.

          3 Min.

          Der bevorstehende Jahreswechsel ist die Zeit, um sich Vorsätze für die nächsten zwölf Monate zu geben. Zu den am häufigsten genannten Vorsätzen gehört traditionell, das Rauchen aufzugeben. Raucher in Amerika haben in diesem Jahr noch mehr Gründe als sonst, sich von ihrem Laster zu verabschieden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sie werden zunehmend von ihren Arbeitgebern unter Druck gesetzt. Die Unternehmen wollen ihre Gesundheitskosten eindämmen und greifen dabei zu immer drastischeren Methoden. Einige Unternehmen drohen Rauchern jetzt sogar mit der Kündigung - selbst dann, wenn sie nur außerhalb des Arbeitsplatzes zur Zigarette greifen.

          Ein Beispiel ist der Gartenproduktehersteller Scotts Miracle-Gro aus Ohio, ein Unternehmen mit 6.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Dollar. Scotts hat den Rauchern in der Belegschaft kürzlich ein Ultimatum gestellt: Bis Oktober kommenden Jahres müssen sie mit dem Rauchen aufhören, ansonsten droht ihnen der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

          Raucher verursachen mehr Kosten

          Die Drohung betrifft einen wesentlichen Teil des Personals, nach Angaben von Vorstandschef James Hagedorn raucht jeder dritte Mitarbeiter im Unternehmen. Der frühere Raucher Hagedorn hat einerseits persönliche Motive für die Aktion - seine Mutter starb an Lungenkrebs. Auf der anderen Seite führt er seinen Eifer auf einfache betriebswirtschaftliche Gründe zurück: Raucher verursachen mehr Kosten für Gesundheitsleistungen als Nichtraucher, und Scotts übernimmt wie viele andere amerikanische Unternehmen auch einen großen Teil der Kosten für die Gesundheitsversorgung seiner Mitarbeiter.

          Insofern ist der radikale Schritt von Scotts nur Ausdruck eines Problems, das im Moment weite Teile der amerikanischen Wirtschaft betrifft. Unternehmen ächzen unter den sprunghaft steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Das gilt um so mehr, wenn sie mit ausländischen Wettbewerbern konkurrieren müssen, in deren Heimat die Gesundheitsversorgung der Menschen in höherem Umfang vom Staat getragen wird. Das Paradebeispiel sind die amerikanischen Autohersteller wie General Motors (GM) und Ford, die sich gegenüber japanischen Wettbewerbern wie Toyota im Kostennachteil sehen. GM und Ford kämpfen verzweifelt darum, die Gesundheitskosten im Zaum zu halten, und haben ihren Gewerkschaften gerade höhere Selbstbeteiligungen für die Arbeitnehmer abgerungen.

          Nichtrauchen wird belohnt

          Neben einer solchen Umverteilung versuchen Unternehmen zur Senkung der Gesundheitskosten zunehmend, ihre Mitarbeiter zu einem gesünderen Lebenswandel zu animieren, und dabei haben sie vor allem Raucher ins Visier genommen. Nach Schätzung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC verursacht jeder Raucher in seinem Unternehmen eine Zusatzbelastung von 3.856 Dollar im Jahr. Der Betrag setzt sich aus direkten Kosten für medizinische Behandlung sowie dem Schaden durch ausgefallene Arbeitsleistung zusammen.

          Zuerst haben es Unternehmen damit versucht, Nichtrauchen zu belohnen. Wie die Aktion von Scotts zeigt, gehen sie nun aber zunehmend dazu über, Rauchen zu bestrafen. Nach dem alten Belohnungsmodell, wie es zum Beispiel der mittelständische Zementhersteller Bauerly aus Minnesota anwendet, können Mitarbeiter zum Beispiel ihre monatlichen Krankenversicherungsbeiträge senken, wenn sie nicht rauchen. Bauerly gewährt auch Abzüge, wenn die Mitarbeiter bei anderen Kriterien wie dem Cholesterinspiegel bestimmte Grenzwerte erfüllen.

          Raucher werden nicht eingestellt

          Mittlerweile gibt es aber immer mehr Beispiele von Unternehmen, die den entgegengesetzten Weg gehen und Raucher zusätzlich zur Kasse bitten. Der Nahrungsmittelhersteller General Mills zum Beispiel verlangt von Rauchern in seiner Belegschaft einen Zusatzbeitrag von 20 Dollar im Monat für ihre Krankenversicherung. Der Verlag Gannett wird vom Januar an sogar 50 Dollar extra im Monat berechnen.

          Mit Entlassungen machte erstmals der Gesundheitsdienstleister Weyco aus Michigan von sich reden. Das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern hat sich schon im Jahr 2003 zur rauchfreien Zone erklärt und keine Raucher mehr neu eingestellt. In diesem Jahr wurde Rauchen zum Kündigungsgrund, auch wenn Mitarbeiter nur in ihrer Freizeit rauchen. Das Unternehmen unterzog seine Beschäftigten einem Test, mit dem Zigarettenkonsum nachgewiesen werden kann. Vier Mitarbeiter verweigerten den Test und mußten daraufhin das Unternehmen verlassen. Weyco weist aber darauf hin, daß rund ein Dutzend der 15 bis 20 Mitarbeiter, die bis zum Jahr 2003 geraucht haben, mittlerweile Nichtraucher sind, und viele seien dem Unternehmen dankbar für die Initiative.

          Nikotinpflaster und Nichtraucherseminare

          Scotts Miracle-Gro ist nun der bislang größte Arbeitgeber, der Rauchern mit Entlassung droht. Immerhin läßt Scotts seine Raucher beim Abgewöhnungsprozeß nicht allein und bietet kostenlose Unterstützung in Form von Nikotinpflastern und Nichtraucherseminaren an. Das Unternehmen wird im kommenden Oktober per Zufallsverfahren einen Teil seiner Mitarbeiter auswählen und auf Zigarettenkonsum testen. Scotts versichert, daß erwischte Raucher auf Gnade hoffen dürfen, solange sie glaubhaft machen können, es ernsthaft mit dem Aufhören versucht zu haben, damit aber zunächst gescheitert zu sein.

          Die drakonischen Maßnahmen von Unternehmen wie Scotts sind auf scharfe Kritik gestoßen. Das National Workrights Institute (NWI), eine Organisation, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt, sieht darin eine völlige Mißachtung der Privatsphäre von Mitarbeitern. Nach Ansicht der Organisation öffnet dies die Schleusen für andere Eingriffe in das Freizeitverhalten der Mitarbeiter mit der Rechtfertigung, die Gesundheitskosten für das Unternehmen senken zu wollen. NWI-Vorsitzender Lewis Maltby argumentiert, daß sich Arbeitgeber neben dem Rauchen noch viele andere Umstände heraussuchen könnten, unter denen sie Mitarbeiter zu einem größeren Gesundheitsrisiko erklären und mit Sanktionen reagieren, zum Beispiel Übergewicht oder Alkoholkonsum.

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