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Neuer Papst : Die Vatikanfinanzen liegen weitgehend im Dunkeln

Der Vatikanstaat - hier eine Glocke des Petersdoms - meldete 2003 ein Millionendefizit Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Als Johannes Paul II. sein Amt antrat, hatte die Kirche neben vielen anderen Problemen auch Sorgen um die Finanzen des Vatikans. Der neue Papst muß nicht mit akuten Engpässen rechnen - auch wenn der Vatikan seit Jahren Verluste ausweist.

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          Als Johannes Paul II. 1978 sein Amt antrat, hatte die Kirche neben vielen anderen Problemen auch große Sorgen um die Finanzen des Vatikans.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der neue Papst Benedikt XVI. muß dagegen nicht mit akuten Engpässen rechnen, auch wenn der Vatikan seit 2001 eine Serie von Verlustjahren ausweist. Trotz einiger Reformen scheint die Finanzverwaltung des Vatikans aber noch ein gutes Stück entfernt von den Bilanzierungsstandards von Unternehmen oder effizient organisierter Verwaltungsstrukturen.

          Geld gewinnbringend angelegt

          Die Traditionen reichen weit zurück und haben bis heute Spuren hinterlassen: Seit der Anerkennung der katholischen Kirche durch Kaiser Konstantin im Jahr 313 hat die katholische Kirche Vermögen angesammelt, durch Erbschaften und Spenden. Im Mittelalter wurden dann die Päpste auch zu territorialen Fürsten von größeren Ländereien um Rom, mit denen sie manchmal nicht nur den Unterhalt kirchlicher Institutionen, sondern auch ein mehr oder weniger prunkvolles höfisches Leben und Aufträge an berühmte Künstler finanzierten.

          Seit allerdings der Vatikanstaat 1870 mit der Einigung Italiens auf knapp einen halben Quadratkilometer zusammengeschrumpft ist, müssen die Päpste die Zentrale der katholischen Kirche anderweitig finanzieren. Zum einen waren sie damit auf Spenden angewiesen. Zum anderen konnten sie auf Erträge aus Vermögensverwaltung zählen, vor allem seit der italienische Staat 1929 als Entschädigung für die Enteignung der Ländereien 92 Millionen Dollar an den Vatikan überwiesen hat, von denen ein Teil offenbar recht gewinnbringend angelegt wurde.

          „Peterspfennig“ für die Missionsarbeit

          Bis in die achtziger Jahre blieben die Vatikanfinanzen von Gerüchten umwoben und waren auch führenden Kirchenvertretern in anderen Ländern völlig undurchsichtig. Viele Elemente hatten dabei zusammengespielt: Die auf Fragen der Theologie konzentrierten Päpste und Kardinäle sahen Geld eher als Teufelswerk an, eine effiziente, gewinnorientierte Verwaltung als eher unchristliche und profane Gewinnorientierung. Attribute wie "sozial" und "christlich" konnten dabei im römischen Klima, auch in den Institutionen der italienischen Politik den naiven oder verschwenderischen Umgang mit Geld leicht zudecken, in dem sich auch leicht römische Seilschaften von Vatikanangestellten und italienischen Würdenträgern mischen konnten.

          In diese Epoche platzten jedoch 1981 und 1982 die Skandale um zwei angeblich katholisch orientierte Banken, von denen sich eine, "Banco Ambrosiano", im internationalen Finanzgeschäft der Garantiebriefe der päpstlichen Vatikanbank bedient hatte. Die Vatikanbank stritt zwar jegliche direkte Verantwortung ab, zahlte aber dennoch die stattliche Summe von 224 Millionen Dollar an die von "Banco Ambrosiano" geschädigten Gläubiger. Anerkannte Banker und in Wirtschaftsfragen erfahrene Würdenträger der Kirche wie der Kölner Kardinal Höffner wurden berufen, um aufzuräumen. Die Kirchenführer mit gutem finanziellen Polster, vor allem in Deutschland und den Vereinigten Staaten, die bis dahin immer wieder geholfen hatten, den Vatikan zu alimentieren, verlangten außerdem mehr Transparenz. Der "Peterspfennig", die Spenden der Gläubigen an den Heiligen Vater, sollten zudem nicht weiter verwendet werden, um Löcher im Haushalt des Vatikan zu stopfen, sondern für die Missionsarbeit der Kirche in anderen Ländern.

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