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Geldwäsche in Deutschland : Dreckige Wäsche

Fünfhundert-Euro-Scheine an einer Wäscheleine (Symbolbild) Bild: dpa

Al Capone hat sie erfunden, kriminelle Banden und Clans nutzen sie, und sogar im Wirecard-Fall soll sie eine Rolle spielen: die Geldwäsche. Warum gerade Deutschland ein Paradies dafür ist – und sich daran wohl so schnell nichts ändern wird.

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          Es ist ein unerwarteter Besuch in der früheren Luftwaffen-Kaserne im Kölner Stadtteil Dellbrück. Der Pförtner lässt den Schlagbaum hoch. Zehn Polizisten sowie Staatsanwälte aus Osnabrück betreten das weitläufige Areal des Zollkriminalamts. Doch diesmal kommen sie nicht in der Absicht, über die Kooperation zwischen den Behörden zu sprechen. Im Gepäck haben sie einen Durchsuchungsbefehl für die zur Bekämpfung von Geldwäsche eingerichtete Sondereinheit. Gegen Mitarbeiter der sogenannten Financial Intelligence Unit (FIU) besteht der Verdacht auf Strafvereitelung im Amt. Sie sollen womöglich Geldwäschehinweise von Banken erst zu spät oder gar nicht an die Polizei weitergeleitet haben. Es werde gegen unbekannt ermittelt, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Besuch könnte man als denkwürdigen Höhepunkt in einer jahrelangen Litanei über Geldwäsche in Deutschland sehen. Er bringt das Dilemma eindrücklich auf dem Punkt. Ein wahres Paradies für Geldwäsche soll Deutschland sein: ein Bargeld-Eldorado, das es Banden leichtmacht, Geld aus kriminellen Machenschaften unter die Leute zu bringen und damit „reinzuwaschen“. Noch dazu mit fehlerhaften Kontrollstrukturen, einem chronischen Personalmangel und Regeln, die Strafverfolgern das Leben schwermachen. Das soll sich zwar bald ändern, aber schon werden Befürchtungen laut, dass die geplante Reform die Sache noch schlimmer macht. Und nun auch noch eine Sondereinheit, die selbst in das Visier der Strafverfolger gerät. „Die FIU ist ein schwarzes Loch, in dem viele Fälle einfach verschwinden“, wettert der Linken-Politiker Fabio De Masi. Er nennt die Spezialeinheit eine „Desasterfabrik“.

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