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Neuer Flughafen für Istanbul : Erdogans Prestige-Projekt

Erdogans Prestige-Projekt: Istanbuls neuer Flughafen soll der Größte der Welt werden. Bild: iGA

Ambitionierte Pläne: Mit einem neuen Flughafen will sich der türkische Präsident ein Denkmal setzen. Das kann zu Lasten von Deutschland gehen.

          Da steht es nun, das „Monument des Sieges“. Das Symbol, mit dem die Türkei in die Weltelite aufsteigen will. Ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sein liebstes Prestigeprojekt einst so genannt. Jetzt ist es fertig und dominiert die hügelige Landschaft 35 Kilometer nördlich von Istanbuls Zentrum, an der Küste des Schwarzen Meeres. Wo einst Kohle abgebaut wurde, was eine Kraterlandschaft hinterlassen hat, ist Europas größter Flughafen entstanden, größer als die Flughäfen London-Heathrow, Paris – und Frankfurt. In ein paar Jahren, nach zusätzlichen Erweiterungen, soll er sogar der größte der Welt sein.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist ein gewaltiges Projekt. Mehr als sieben Milliarden Euro hat es bisher gekostet, so viel wie kein anderes einzelnes Vorhaben des Landes. Es wird dominiert von einem gigantischen Terminal, an dem 114 Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können, dreimal so viel wie am alten Istanbuler Flughafen Atatürk. Innen ist es hell und weiträumig, gesäumt von weißen Säulen und Kuppeldecken, die ein bisschen orientalische Atmosphäre versprühen. Davor entsteht gerade eine Moschee. Zwischen den beiden Landebahnen ragt der neue Kontrollturm heraus, in Form einer Tulpe, die an die guten Zeiten des Osmanischen Reichs erinnern soll.

          Gewerkschaften sprechen von bis zu 400 Toten durch Unfälle

          Am Montag, dem Nationalfeiertag, wird Erdogan den Flughafen eröffnen. Vielleicht trägt das Projekt künftig sogar seinen Namen, darum wird bis zuletzt ein Geheimnis gemacht. Mitgebaut haben auch deutsche Unternehmen. Siemens lieferte Elektronik, Liebherr Kräne, Thyssen-Krupp die Fluggastbrücken. DHL baut ein Cargo-Center, Heinemann wird die Duty-Free-Läden betreiben. Nur dreieinhalb Jahre dauerte der Bau. In Berlin darf man neidisch sein: Die Arbeit am neuen Hauptstadtflughafen BER fing vorher an und ist immer noch nicht fertig, obwohl er nur ein Viertel der Größe des Konkurrenten in Istanbul erreicht.

          Allerdings läuft auch in Istanbul nicht alles reibungslos: Nach der Eröffnung am Montag werden zunächst nur fünf Flugzeuge am Tag abheben. Aber der eigentliche Start wird, anders als in Berlin, nur um zwei Monate auf Ende Dezember verschoben. Offiziell wird das mit dem Wunsch von Turkish Airlines begründet, die Abläufe in neuer Umgebung erst zu erproben. Es dürfte aber auch an Bauverzögerungen liegen. Vor kurzem streikten und rebellierten die Arbeiter wegen der schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen. Die Polizei beendete den Aufstand gewaltsam, es gab Festnahmen. Offiziell sind bisher 30 Arbeiter während der Bauzeit durch Unfälle gestorben, eine Gewerkschaft spricht von bis zu 400. Die Proteste werfen zusammen mit dem Vorwurf mangelhaften Umweltschutzes einen Schatten auf Erdogans Prestigeobjekt. Hinzu kommen Baurisiken durch den hohen Zeitdruck und den labilen Untergrund, auf dem das Terminal steht.

          90 Millionen Passagiere sollen hier ab 2019 durchgeschleust werden. Bilderstrecke

          Ein Rundgang vier Tage vor der Eröffnung des Flughafens belegt: Die zwei Monate Aufschub sind dringend nötig, denn einiges ist noch gar nicht fertig, vor allem außerhalb der Terminals, etwa bei den Zufahrtswegen auf dem Flughafengelände. Arbeiter und Baufahrzeuge sind noch eifrig am Werk, an den Außenfassaden der Terminals fehlen noch kleine Teile. Begrünt ist noch fast gar nichts, der Außenbereich versprüht staubigen Baustellencharme. Klar ist auch, dass es erst 2020 einen Zuganschluss geben wird.

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