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Neuer Flughafen für Istanbul : Erdogans Prestige-Projekt

Wie stark Frankfurt und die anderen großen Flughäfen am Ende wirklich leiden, hängt also von der Entwicklung von Turkish Airlines ab, dem Hauptkunden am Istanbuler Flughafen. Und von der Wirtschaftslage in der Türkei. Bisher haben die ökonomischen Schwierigkeiten in diesem Jahr mit Lira-Verfall und hoher Inflation das Projekt nicht gebremst. Denn der Hauptteil der Baumaßnahmen war schon erledigt, bevor sich die Lage verschärfte. Zur Konjunkturstützung wurden Infrastrukturprojekte sogar besonders gefördert. Weitere teure Ausbauten wie das geplante zweite Terminal werden frühestens in zwei oder drei Jahren begonnen. Bezahlt werden muss das von einem privaten Konsortium aus türkischen Unternehmen aus dem Bau-, Energie- und Verkehrssektor. Es baut den Flughafen und betreibt ihn für 25 Jahre, bevor er an den Staat fällt.

Schwerer dürfte es Turkish Airlines haben. „Wir wollen die Zahl der Flüge in Länder wie China und Indien erhöhen“, kündigt ihr Aufsichtsratsvorsitzender Ilker Ayci an und sendet damit eine Kampfansage an europäische Flughäfen. Doch um das zu schaffen, muss die halbstaatliche Fluglinie ihre Flotte stark ausbauen. Das ist wegen der schwachen Landeswährung sehr teuer geworden, denn die Maschinen müssen in Dollar bezahlt werden. Schon 2016 wurden die Auslieferungen nach hinten geschoben, aber immer noch soll die Zahl der Flugzeuge bis 2023 um mehr als 50 Prozent wachsen. „Das wird nun ein finanzieller Kraftakt, ein reduziertes Flottenwachstum könnte die Folge sein“, sagt Jörg Schwingeler von der auf die Luftfahrt spezialisierten Beratungsgesellschaft Prologis.

Wenn Turkish Airlines aber das hohe Wachstum beibehält, werden die europäischen Flughäfen kaum mit dem neuen Flughafen in Istanbul mithalten können. Denn dort ist der weitere Ausbau aus Platz- und Lärmschutzgründen sehr schwierig. Frankfurt schafft mit einem neuen Terminal zwar gerade Kapazitäten für insgesamt 95 Millionen Passagiere im Jahr, mehr ist aber kaum möglich, weil eine weitere Startbahn nicht durchsetzbar sein dürfte. München, das zweite deutsche Drehkreuz, arbeitet jetzt schon an der Kapazitätsgrenze, und eine weitere Startbahn ist durch die erwartete Regierungsbeteiligung der Freien Wähler in Bayern unwahrscheinlich geworden.

In Istanbul ist hingegen reichlich Platz. Die Pläne für den weiteren Ausbau liegen schon in der Schublade. Bis 2028 sollen zu den jetzigen zwei noch vier weitere Startbahnen dazukommen, wenn die Nachfrage es erforderlich macht. Drei Terminals sollen dann bis zu 200 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen können – so viel wie an keinem anderen Flughafen der Welt.

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