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Neuer Flughafen für Istanbul : Erdogans Prestige-Projekt

Frankfurt und Istanbul im Vergleich

Das alles ändert aber nichts an der neuen Herausforderung für Deutschlands wichtigsten Flughafen in Frankfurt und an die Lufthansa, die ihn als Drehkreuz nutzt. Beide müssen nun fürchten, dass Turkish Airlines und ihr neuer Knotenpunkt in Istanbul den Deutschen den Rang ablaufen.

Noch liegt Frankfurt bei der Passagierzahl knapp vor Istanbul. Aber schon seit vielen Jahren wachsen sowohl die türkische Fluglinie als auch ihr zentraler Flughafen stärker als die deutschen Wettbewerber. Seit 2007 haben sich ihre Passagierzahlen verdreifacht, die der Deutschen hingegen stiegen gerade einmal um 20 Prozent. Die Türkei hat Transport und Logistik als strategisch wichtige Branche identifiziert und gefördert. Die Flugzeug-Flotte wurde massiv ausgebaut und erneuert. Die Flugpreise liegen deutlich niedriger als bei Lufthansa und locken damit auch deutsche Passagiere an. „Turkish Airlines hat einen Kostenvorteil von 10 bis 15 Prozent – vor allem wegen niedrigerer Personalkosten“, sagt Heiko Ammermann, Partner und Luftfahrt-Experte von Roland Berger. Die Gesellschaft befördert mittlerweile mehr Fluggäste als die Lufthansa. Und schon der bisherige Istanbuler Flughafen wird 2018 erstmals mehr Passagiere abfertigen als der Frankfurter. Er steigt damit zur Nummer vier in Europa auf.

Eine weitere Expansion ist auf dem alten Atatürk-Flughafen nicht mehr möglich, er platzt aus allen Nähten. Der neue Flughafen ist also nötig. Ende Dezember soll in nur zwei Tagen der ganze Passagierbetrieb von Atatürk zur neuen Drehscheibe verlagert werden. Später soll der Frachtverkehr folgen und Atatürk endgültig schließen.

Klappt das alles so, wird die maximal verfügbare Kapazität von Januar an auf 90 Millionen Passagiere steigen, mehr als irgendwo anders in Europa. „2019 werden wir schon etwa 77 Millionen Fluggäste abfertigen“, sagt Flughafen-Chef Kadri Samsunlu. Spätestens 2020 hätte Istanbul dann Heathrow nicht nur bei der Kapazität, sondern auch den tatsächlichen Passagierzahlen als größten Flughafen Europas abgelöst. Ein Jahr später könnte der neue Flughafen sogar schon seine Kapazitätsgrenze erreichen. Am Ausbau wird aber bereits gearbeitet, Anfang 2020 soll eine dritte Landebahn fertig werden, dann könnte theoretisch alle 30 Sekunden ein Flugzeug starten.

Rennen um größtes Drehkreuz der Welt eröffnet

Die zusätzlichen Passagiere dürften auch auf Kosten von Frankfurt und der Lufthansa an den Bosporus abwandern. „Wir sehen die europäischen Drehkreuze, aber auch Dubai als unsere wichtigsten Konkurrenten an, von denen wir Passagiere anlocken wollen“, sagt Kadri Samsunlu. Im Klartext: Er will Passagiere gewinnen, die zum Beispiel von Hamburg, Berlin oder Stuttgart nach Asien, Afrika oder in den Nahen Osten reisen wollen. Sie wechseln mangels Direktflügen bisher häufig in Frankfurt in eine Lufthansa-Maschine, könnten aber auch in Istanbul umsteigen. Zeitlich hat das kaum Nachteile, denn Istanbul liegt geographisch günstig: nah an Europa, an den Flugrouten nach Osten und Süden. Es liegt dabei auch besser als Dubai, das ebenfalls den größten Umsteigeflughafen der Welt haben will, aber für Europäer Zeitverluste mit sich bringt. Hinzu kommt: Anders als die Golflinien Emirates oder Etihad darf Turkish jeden deutschen Flughafen anfliegen – ein großer Vorteil, um mit vielen Zubringerflügen aus Europa die großen Maschinen nach Asien zu füllen.

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