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Deutsche Börse : Der ehrgeizige Neue

Theodor Weimer soll zum Jahreswechsel neuer Chef der Deutschen Börse werden. Bild: dpa

Theodor Weimer wird von Januar an Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse. Das wird kein leichter Job. Aber Weimer hat Ehrgeiz.

          3 Min.

          Sein Name ist oft genannt worden, wenn irgendwo in der Finanzbranche eine Spitzenposition zu besetzen war. Doch Theodor Weimer blieb stets wo er war, in München, als Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank. Das ist kein schlechter Posten für einen Banker. Schließlich ist die HVB die Nummer drei unter Deutschlands Geldhäusern. Aber sie ist eben auch nur die Tochtergesellschaft der Unicredit-Gruppe.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit neun Jahren ist Weimer Statthalter der Italiener in München. Im Dezember wird der gebürtige Wertheimer 58 Jahre alt. Zeit für etwas Neues. Zeit für den Vorstandsvorsitz der Deutsche Börse AG. Dort hat der Aufsichtsrat ihn am Donnerstagnachmittag für drei Jahre verpflichtet. Er löst zum Jahreswechsel Carsten Kengeter ab, der wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insiderhandel vor drei Wochen seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt hat. Auf Weimer folgt bei der HVB Michael Diederich, der bisher das Investmentbanking verantwortete.

          Für Weimer ist es die letzte Gelegenheit, noch einmal aufzusteigen, endlich eine richtige Nummer eins zu sein und allein die Strategie eines Unternehmens bestimmen zu können. Dass Weimer sich für den Vorstandsvorsitz der Deutschen Börse geeignet hält, ist gar keine Frage. Sein Ehrgeiz ist legendär. Weimer fühlte sich stets zu Höherem berufen, plante jeden seiner Karriereschritte äußerst zielstrebig. Nach der Promotion in mathematischer Organisationslehre ging er zur Unternehmensberatung McKinsey, wechselte dann zu Bain & Company, um schon nach kurzer Zeit bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs anzuheuern. Dort beriet er Banken und Versicherer in Fusionsfragen. Und bei der aus der Fusion der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank und der Bayerischen Vereinsbank hervorgegangenen HVB übernahm er 2009 schließlich den Vorstandsvorsitz. Als einziger Deutscher sitzt Weimer im aus 17 Personen bestehenden Executive Management Committee der Unicredit. Ein echter Aufstieg innerhalb der Gruppe blieb ihm jedoch verwehrt. München statt Mailand, das war sein Los.

          Folgerichtiger Wechsel

          Erst im Frühjahr hat der Aufsichtsrat seinen Vertrag um weitere drei Jahre verlängert. Die Hypo-Vereinsbank, bei der das Investmentbanking des Unicredit-Konzerns angesiedelt ist, ist ein verlässlicher Ergebnisbringer. Zuletzt überwies sie eine Sonderdividende von 3 Milliarden Euro nach Italien. Dennoch muss in München weiter gespart werden, müssen die Kosten um 300 Millionen Euro sinken, werden insgesamt 2500 Stellen in zentralen Geschäftsbereichen wegfallen. Wie lange Weimer noch diesen Mangel verwalten will, war schon seit geraumer Zeit eine der spannenden Fragen am Finanzplatz München. Zum langjährigen Unicredit-Chef Federico Ghizzoni pflegte er ein sehr gutes Verhältnis. Mit dem Franzosen Jen Pierre Mustier, der einst Fallschirmjäger beim Heer war und die Unicredit seit 2016 auf Effizienz trimmt, verbindet den smarten Weimer, der gut Klavier spielt, nicht viel. Obendrein hat ihm Mustier einen Maulkorb verhängt: In diesem Jahr fielen alle Telefonkonferenzen der Hypo-Vereinsbank aus, sogar die Bilanzpressekonferenz wurde gestrichen. Dem eloquenten Weimer, der immer gern das Gespräch mit Journalisten gesucht hat, konnte das nicht gefallen.

          So ist sein Wechsel zur Deutschen Börse nur folgerichtig. Weimer kennt den dortigen Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Faber seit vielen Jahren. Ohnehin ist er bestens vernetzt. In der vergangenen Woche wurde er für weitere drei Jahre im Amt des Präsidenten des Bayerischen Bankenverbands bestätigt.

          Bei der Börse hat er viele Gestaltungsmöglichkeiten, zumal nicht nur der Vorstandsvorsitzende Kengeter das Unternehmen zum Jahresende verlässt, sondern auch der Vertrag von Jeffrey Tessler, dem Vorstand für die wichtigen Bereiche Eurex und Clearstream ausläuft. Mit der Personalie hat Faber sich ungewöhnlich lange Zeit gelassen, um eben dem Kengeter-Nachfolger eine Mitsprache in der Besetzung dieser wichtigen Position zu ermöglichen. Auch der auslaufende Vertrag des langjährigen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Börse, Andreas Preuß, steht noch zur Verlängerung an. Auch hier dürfte Weimer ein wichtiges Wort mitreden dürfen. Finanzvorstand Gregor Pottmeyer, der als kurzfristiger Ersatz für Kengeter bereit stand, und die für Börsengänge und den Aktienhandel zuständige Hauke Stars komplettieren den Vorstand.

          Auch inhaltlich hat Weimer viele Gestaltungsspielräume bei der Börse. Das Asiengeschäft bedarf einer Vitalisierung. In der Verrechnung außerbörslicher Derivatetransaktionen bietet sich die historische Chance, London seine Vorreiterrolle in Europa streitig zu machen. Und das Geschäft mit Indizes und Daten wächst stark und weist hohe Gewinnmargen auf.

          Mit Weimer holt Faber einen Mann an die Spitze, der über genügend Führungserfahrung verfügt, um einen Dax-Konzern zu steuern. Und er hat jemanden gefunden, der gut und gerne mit der Öffentlichkeit kann. Da haben seine Vorgänger Kengeter und Reto Francioni noch Luft nach oben gelassen.

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